Innsbruck wird für vier Tage zum Nabel der Filmwelt

7 Minuten Lesedauer
Fotos (c) Thomas Steinlechner

Der Standort

Kino und doch Natur. Urban und doch grün.
Kino und doch Natur. Urban und doch grün.

Innsbruck. Das ist nicht nur eine Stadt mit 120.000 Einwohnern und die Landeshauptstadt des Bundeslandes Tirol. Innsbruck ist auch ein Lebensraum, wie er spannender nicht sein könnte. Im Tal eine historische Altstadt, umrahmt von pulsierenden Stadtteilen. Manch einer noch verschlafen, manch einer schon quietschlebendig. An die 40.000 Menschen studieren hier. Jedes Jahr im Herbst kommt frischer Nachschub. Junge Leute aus ganz Österreich, Teilen Deutschlands und auch Italiens. Schlicht aus aller Welt. Rund um dieses bunte Treiben, eine Naturkulisse, wie man sie aus Werbefilmen kennt. Steile Felswände, Wälder, Hochplateaus und Wiesen. Urban-alpin. Alpin-urban. Hier begegnen sich Gegensätze, die anderenorts unvereinbar scheinen und sie ergeben einen Mix, der diese Stadt zu einem lebenswerten Ort macht, zu einer Bühne für Neues.
In diesen Tagen ist Innsbruck Bühne für ein Filmfestival, für ein Naturfilmfestivals. Naturfilmfestivals gibt es auf der ganzen Welt. In Großstädten wie Paris, in Zürich, in Bristol, in den USA, in Australien und in Kanada. Die dort gezeigten Filme ähneln sich. Unbeschreibliche Naturkulissen, unglaubliche Phänomene und ungeheuerliche Umweltsünden werden da im Kinosaal gezeigt. Man kann staunen, vor Freude und vor Entsetzen. Wer das Innsbruck Nature Film Festival, kurz INFF, besucht, der bekommt noch etwas oben drauf. Wer hier den Kinosaal verlässt, der tritt in keine graue Großstadt oder befindet sich irgendwo im nirgendwo, inmitten der Rocky Mountains. Nein. Er steht im Herzen einer kleinen Stadt mit Großstadt-Ansprüchen. In einem urbanen Lebensraum, umrahmt von Natur. Das ist ein Erlebnis, das Einheimische oder länger hier Lebende schon längst nicht mehr schätzen, das aber Gäste aus aller Welt an und in seinen Bann zieht.
Innsbruck, das ist ein Lebensraum der Gegensätze, ein Schmelztiegel aus Stadt und Natur, ein Spannungsfeld der Erwartungen und Anforderungen. Hier wird gelebt, in und mit der Natur.  Das macht Innsbruck zum optimalen Standort für ein Naturfilmfestival, das die Schönheit der Natur zeigt, aber auch einen verantwortungsbewussten Umgang damit lehrt.

Das Filmfestival

Natur im Kino.
Natur im Kino. (c) Steinlechner

Das Innsbruck Nature Film Festival ist ein internationaler Filmwettbewerb, der zu den jährlichen Fixpunkten der österreichischen Filmszene gehört. In diesem Jahr findet die 15. Auflage des Filmfestivals statt. Bisher konnte man die Anzahl der eingereichten Filme jährlich steigern und immer wieder international bekannte Namen nach Innsbruck locken. In diesem Jahr wurden insgesamt 618 Filme (2015: 552) aus über 90 Ländern und von allen 5 Kontinenten eingereicht. Von Kirgisistan bis Namibia, von Bolivien bis Macau. (2015: 83). Die Shortlist 2016 umfasst 50 Filme, die den Kategorien Dokumentationen Natur, Dokumentationen Umwelt, Kurzfilme, Animierte Kurzfilme, Young Talents < 25 und Young Talents < 19 zugeordnet werden.  Im Rahmen des Filmfestivals werden an den vier Festivaltagen (18. bis 21. Oktober) 51, der 618 eingereichten Filme gezeigt. Die Auswahl der Filme dauert übrigens mehrere Monate. Viele, viele ehrenamtliche Stunden ziehen dabei ins Land. Ein Kraftakt, der sich am Ende aber lohnt.
Neben dem Programm im Kinosaal gibt es jedes Jahr ein umfangreiches Rahmenprogramm. Von Workshops über Vorträge bis hin zu Ausstellungen ist da dann alles mit dabei. Die Themen liegen auf der Hand. In den Masterclasses lernen Filmbegeisterte das Filmemachen. In den Workshops und Vorträgen dreht sich alles rund um Natur und Umwelt. Vom „Sammeln und Verwerten von Lebensmitteln“ über „Saisonales Essen“, die „Geologie in der Stadt“ bis hin zu „Plastic Detox“. Bei der Eröffnung heute Abend um 19 Uhr im Innsbrucker Leokino wird der Klimaforscher Mathias Rotach sprechen. In seinem Vortrag Climate Changes geht es dann unter anderem um die Frage, welche Auswirkungen hat die Klimaerwärmung für unser Leben im Alpenraum? Im Anschluss läuft der bildgewaltige Film „Hurricane“, der die Geschichte einer 15.000 Kilometer langen Reise eines Atlantiksturms erzählt.
Durch das bunte Rahmenprogramm, bei dem sich unterschiedliche Kultureinrichtungen, Geschäfte und Lokale beteiligen will man Innsbruck nach und nach mit dem INFF-Nature-Spirit erfassen. Das ist auch der Wunsch von Gründer und Initiator Johannes Kostenzer: „Das Innsbruck Nature Film Festival soll längerfristig gedacht, zu einem Umweltfestival mit vielen unterschiedlichen Veranstaltungen im gesamten Stadtraum werden. In diesem Jahr ist das schon sehr gut gelungen. Der Weg stimmt also.“
Bleibt abzuwarten, wie stark sich die Innsbrucker und Innsbruckerinnen von diesem Spirit „anstecken“ lassen. Für das ALPENFEUILLETON heute Abend vor Ort, ist Autorin Susannah Haas. Ihre Eindrücke gibt es in den kommenden Tagen hier bei uns zu lesen.

Die Fakten

  • Ort: Leokino, Innsbruck
  • Zeitraum: 18. bis 21. Oktober 2016
  • Eröffnung: Dienstag 18. Oktober um 19 Uhr
  • Das Innsbruck Nature Film Festival gibt es seit 2001
  • 618 Filme wurden 2016 für den Filmwettbewerb eingereicht
  • Filmemacher aus über 90 Nationen und allen Kontinenten nahmen teil
  • Das Rahmenprogramm
  • Das Filmprogramm
  • Rund um das Festival

Zum Reinschauen

Freightened: The Real Price of Shipping:

Voices From Chernobyl:
Hurricane (Eröffnnugsfilm):
Jumbo Wild:
Revolution:
Samuel in the Clouds:
Lights on Earth:
Honey Hunters:
Lands for Freedom:
Magical Moors:

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