Kapitel 2: Risse an der Oberfläche

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Sofort trat er einen Schritt zurück und schielte nach rechts. Giulia schien noch immer ruhig zu schlafen. Sie lag mittlerweile komplett abgedeckt. Er konnte ihren nackten Körper sehen. Ihre Beine waren es, die ihn von Anfang an fasziniert hatten. Dabei waren sie alles andere als makellos. Ihre Knie sah er selten ohne blauen Flecken. Beide Schienbeine voller kleiner Narben. Doch eben diese feinen Unebenheiten, die kaum sichtbaren Makel waren es die Geschichten erzählten -über Giulia, ihr Wesen und ihr Leben.
Nie konnte sie ruhig sitzen. Immer musste sie helfen, mit anpacken, das Sofa verrücken, damit es sich noch harmonischer in den Raum eingliederte, den Sack Erde aus dem Keller in den Garten tragen und in der Küche das heiße Brot aus dem Ofen holen. Paolo hatte noch keinen Tag erlebt, an dem sie nicht voller Tatendrang war und das Feuer der Lebenslust in ihr loderte. Doch ebenso ist seit ihrer Begegnung noch kein Tag vergangen, an denen sie sich nicht irgendwo die Finger verbrannte, das Knie aufschürfte oder den Kopf anschlug. Nun lag sie friedlich vor ihm. Nackt. Auf den blütenweißen Bett. Und sie hatte keine Ahnung was draußen vor sich ging.

Zu Teil 1
Titelbild: Matthias Mittenentzwei /pixelio.de

Ein Leben zwischen Schreibmaschine und Fußballplatz. Eigentlich Betriebswirt. Heute mal Autor, mal Sportmanager. Hat das ALPENFEUILLETON ursprünglich ins Leben gerufen und alle vier Neustarts selbst miterlebt. Auch in Phase vier - "Diskursplatz für Selbstdenker" - aktiv mit dabei und fleißig am Schreiben.

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