Melancholie: Fragmente I – VIII

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I: „I believe I can fly“. Ein Grundmotiv. Knietief, knarzend, Karten mischend. „Fly on, little wing“. Hosenbeine flattern im Grundrauschen des Grölens.
II: Zähe Fortbewegung. Der Aussichtslosigkeit ähnelnd. „A working class hero is something to be“. Sich vorstellen, wie es wäre wenn. Die Imagination lächelt.
III: Harmonische Dissonanzen, eingeschliffen. Eiernde, ereignislose Distanz. Indifferentes Rauschen. Weiß bis rosa.
IV: Flug I, Flug II, Flug III. Durchnummeriert, dehnend. Dauerhafte Versuche. Vage Fingerübungen ohne Seele. Leblos lallend.
V: Abwartend gehend. Anlasslosigkeit, Zufall, Zerfall. Auf den Punkt kommen ohne Kommando. Ein schönes Ziel.
VI: Das Flirren aller Dinge. Aufblitzendes Aufbäumen. Postpubertäre Postsouveränität als eine Spielart der Hilflosigkeit. Es lässt sich nichts machen. Dann doch lieber zurücklehnen und Haltung bewahren. Sicherheitshalber. „You will not take my heart alive“.
VII: Die Augen halb geschlossen. Aufgewacht. Ohne Entwicklung. Ab diesem Punkt Dominanz der Leere. Auch gut. Zen-Buddhismus galore.
VIII: Die Materialität des Mediums. Kratzendes Knistern. Konzentration auf das Wie. Begehren der Form. Worum es geht ist sekundär. Somnambule Rezeption. Überfrachtung als Weg.

Titelbild: Richard Serra, out-of-round X (wikipedia, commons)

Elfenbeinturmbewohner, Musiknerd, Formfetischist, Diskursliebhaber. Vermutet die Schönheit des Schreibens und Denkens im Niemandsland zwischen asketischer Formstrenge und schöngeistiger Freiheitsliebe. Hat das ALPENFEUILLETON in seiner dritten Phase mitgestaltet und die Letztverantwortung für das Kulturressort getragen.

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