Experten-Tipp: Die lohnendsten Bücher für die Weihnachtsfeiertage

4 Minuten Lesedauer
(c) Henry Herkula, Paris, 38, flickr.com

Nicht nur Menschen, auch Online-Magazine haben Neujahrsvorsätze. Ebenso unser ALPENFEUILLETON. 2017 soll die Literatur endlich mehr Raum bekommen. Bücher sollen besprochen, Autoren vorgestellt und Experten gehört werden. Wir wollen an Klassiker erinnern und Neuentdeckungen diskutieren. Die Literatur, der Autor, das Buch – sie alle bekommen ihren Platz. Wer einen solchen Neujahrsvorsatz fasst, darf auch im alten Jahr noch etwas leisten. Und was wäre nahe liegender, als jenen Mann zu treffen, der in Tirol viele, viele Bücher verlegt und mit ihm einen vorweihnachtlichen Schwatz zu halten? Kurzum: Wir haben den Chef des Haymon Verlags (+ Löwenzahn Verlag, Universitätsverlag Wagner, Studienverlag) getroffen und zum Interview gebeten.


Das Gespräch


AFEU: Lieber Herr Hatzer, wie läuft das Weihnachtsgeschäft?
Markus Hatzer: Gut. Wir sind ganz zufrieden
AFEU: Blicken wir kurz zurück. Was waren auf Ihrer Sicht die Highlights 2016 am Tiroler Büchermarkt?
Hatzer: Eine schwierige Frage. Wenn Sie an Verkaufszahlen denken, müssen Sie eher mit jemandem auf dem Buchhandel sprechen.
AFEU: Uns interessieren mehr Ihre persönlichen Eindrücke. Was ist im Gedächtnis geblieben?
Hatzer: Wenn Sie mich so fragen. Sehr präsent ist noch der Roman von Michael Krüger, Das Irrenhaus. Aber auch der neue Kriminalroman von Herbert Dutzler, Die Einsamkeit des Bösen. Aber das zu rekonstruieren ist gar nicht so leicht. Im Kopf ist man bei einem Verlag immer schon ein Jahr im voraus, beim Programm für den Herbst 2017.
AFEU: Dann schauen wir doch in die Zukunft. Was kommt auf uns zu?
Hatzer: Wir haben 2017 wieder einen Ukraine Schwerpunkt. Die ukrainische Literatur hat viele interessante, tolle Schriftsteller. Ich bin der Meinung, dass man als Literaturverlag auch Übersetzungen machen muss. Wir blicken verstärkt in Richtung Osten. Einer dieser Autoren ist Andrej Kurkow, ein Weltbestseller-Autor. Wir bringen nächstes Jahr seinen Roman „Die Welt des Herrn Bickford“ erstmals auf Deutsch. Besonders unterhaltsam ist der Roman von Natalka Sniadanko. Sie beschreibt die Männerwelt auf eine Art und Weise wie man das noch nie gelesen hat. Im Krimisegment kann ich besonders Lena Avanzini und „Auf sanften Schwingen kommt der Tod“ empfehlen. Aber das sind nur Stichproben. Wir bringen 2017 insgesamt 250 neue Bücher heraus.
AFEU: Wo findet der Leser heute eigentlich noch Orientierung? Früher gab es einen Marcel Reich-Ranicki. Wenn der gesagt hat, kaufen Sie dieses Buch, haben es die Menschen getan oder bewusst eben nicht.
Hatzer: Einen solchen Mann gibt es heute nicht mehr, obwohl es gute Literaturkritiker gibt. Bücher verkaufen sich aber weiterhin durch Empfehlung. Die Form der Empfehlung hat sich  nur verändert und ist vielfältiger geworden. Menschen reden und schreiben über Bücher. Im Privaten, auf Blogs, auf Plattformen. Heute kann ich auch als Hobby-Rezensent meine Inhalte breit verteilen und Literatur empfehlen. Als Verlag kann ich mich darum bemühen einen Diskurs anzustoßen. Wenn über Bücher gesprochen wird, dann ist das gut. Dabei muss ein Buch nicht einmal den klassischen Bewertungskriterien der Literaturwissenschaft entsprechen. Das Wichtigste ist, dass das Buch interessant ist. Lesen muss ein Vergnügen sein, darum geht es.
AFEU: Die Weihnachtsfeiertage stehen vor der Tür. Hoffentlich auch für Sie einmal eine ruhige Zeit. Was liest eigentlich ein Verlagschef in diesen Tagen?
Hatzer: Ich lese einen meiner Lieblingsautoren, Claude Lévi-Strauss. Genauer gesagt seine Schriften über Japan, „Die andere Seite des Mondes.“ Ein wunderbares Buch. Sehr zu empfehlen.
AFEU: Vielen Dank für das Gespräch.

Ein Leben zwischen Schreibmaschine und Fußballplatz. Eigentlich Betriebswirt. Heute mal Autor, mal Sportmanager. Hat das ALPENFEUILLETON ursprünglich ins Leben gerufen und alle vier Neustarts selbst miterlebt. Auch in Phase vier - "Diskursplatz für Selbstdenker" - aktiv mit dabei und fleißig am Schreiben.

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