Es kam nicht auf die Größe an

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Ich kann mir das Lachen kaum verhalten und bin kurz davor mir in die Hosen zu machen. Ich schaue nach links. Dem Flo scheint es gleich zu gehen. Auch er krümmt sich und verbirgt sein Gesicht unter seinen Händen. Nur Markus starrt gebannt und wie in Trance nach draußen. Draußen ist der kleine wackelige Tisch der vor dem großen Schaufenster der Buchhandlung „liber wiederin“ aufgestellt ist. Auf dem Tisch steht ein kleines rotes Kästchen. Es sieht abgenutzt aus. Die Farbe ist verblasst. Der Lack ist ab. Zumindest größtenteils. Das Kästchen hat an der Vorderseite mehrere, kleine Tasten. Wenn die gedrückt werden erklingt ein hohles, dumpfes, klapperndes Geräusch. Das Kästchen ist ein Toy-Piano. Die Dame in dem gepunkteten Kleid, die davor steht und in die Tasten haut, ist Isabel Ettenauer. Eine der ganz Großen am kleinen Klavier.
afeu_1Isabel Ettenauer ist der Star des (Vor-)Abends. Sie ist zu Gast beim Klangspuren Cafe und entführt die 20 Anwesenden in die skurril-schöne Welt der Toy-Pianos. Diese Miniatur-Klaviere sind dermaßen besonders, dass zum World-Summit ganze sechs Toy-Pianisten anwesend waren. Die Reise begann für uns an diesem Abend mit dem kleinen Roten. Zu diesem Zeitpunkt schwebte lediglich eine Frage durch den Raum: Ist das wirklich ihr Ernst? Die Reise sollte uns jedoch noch an ungeahnte Orte bringen, uns Dinge zeigen die wir so, zumindest musikalisch, noch nie erfahren hatten. Spätestens als Isabel Ettenauer sich auf den Miniatur-Flügel setzte und einen exotischen Tanz anstimmte, als ihre Finger virtuos, leicht, präzise über die Tasten flogen, der Rhythmus uns in Arme und Beine fuhr, waren wir uns sicher – ja das ist ihr Ernst und es hat sich mehr als gelohnt diese Reise ins Unbekannte angetreten zu haben. Als dann noch ein Laptop ans Toy-Piano angeschlossen wurde und der einzigartige, dumpf klingende, klavier- und glockenspielähnliche Sound mit elektronischen Klängen verschmolz – war ich kurz davor mir eine CD zu kaufen. Leider fehlte mir die Zeit. Die nächste Veranstaltung wartete. Auf ins Treibhaus Innsbruck.
Aber bald mehr hier am ALPENFEUILLETON.

Titelbild: © Julia Wesely - Isabel Ettenauer, 2011

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Ein Leben zwischen Schreibmaschine und Fußballplatz. Eigentlich Betriebswirt. Heute mal Autor, mal Sportmanager. Hat das ALPENFEUILLETON ursprünglich ins Leben gerufen und alle vier Neustarts selbst miterlebt. Auch in Phase vier - "Diskursplatz für Selbstdenker" - aktiv mit dabei und fleißig am Schreiben.

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