Enttäusche niemals eine(n) Liebende(n)

2 Minuten Lesedauer

© by fiego_pixelio.de
© by fiego_pixelio.de

Übrigens Männer weinen nicht. Und wenn doch, dann gibt es einen Grund dafür. Dass Hass und Liebe eine enge Beziehung pflegen und sich oftmals von einer Sekunde auf die andere die Klinke in die Hand geben, beweist kaum jemand eindrucksvoller, als die schönste Nebensache der Welt. Nein nicht der Akt der körperlichen Zuneigung zwischen zwei Menschen, sondern der Fußball. Ende April – in dem Monat des Bostoner Bobenattentates, der diplomatischen Spannungen zwischen Italien und der Tiroler Volkspartei und des Abschlusses des Fall Kampusch – sorgte der Arbeitsplatzwechsel eines 20-Jährigen Sohnes eines Uni-Professors, für einen Aufschrei der einem heute noch die Ohren dröhnen lässt. Kollektive Unmutsäußerungen.
Mario Götze – der Verräter. Mario Götze – der Heuchler. Mario Götze – der Sohn einer Dame aus dem horizontalen Gewerbe. Mario – Götze das Hassobjekt. Kim Jong Un – plötzlich nicht mehr der unbeliebteste Mensch dieser Welt. Kollektives Kopfschütteln. Kollektives Beleidigen. Kollektives Trauern. Mario Götze wechselt von der Stadt der Liebe, Dortmund, in die schicke Metropole der Weißwurst, München. Minuten nach dem Bericht der großen deutschen Zeitung, mit der besten investigativen Abteilung (die wissen oft mehr als die Realität zu bieten hat), dass Mario Götze beim FC Bayern München unterschrieben hat und seinem Ersatz-Vater Jürgen Klopp den Brutus macht – lief Facebook heiß. Freunde warfen mit Vorwürfen und Beleidigungen um sich, Familien wurden entzweit, Paare kündigten die gemeinsame Zukunft. Die deutsche Wiedervereinigung – Geschichte. Zwei Lager, getrennt durch eine Mauer der Moral. Auf der einen Seite, die enttäuschten, geschassten, verratenen, schwarz-gelben Vorbilder für Moral im Fußball. Auf der anderen Seite die überheblichen, die Steuer nicht so wichtig nehmenden, bösen und unmoralischen Roten. Wochen später – die Mauer steht. Davon lebt der Fußball. Das Business Fußball. Das Business Fußball, in dem am Ende doch nicht die Moral, sondern Geld regiert. Die Mauer steht. Und davon profitieren beide – aber das wissen sie, keine Sorge. Denn – echte Liebe rostet nicht.

Ein Leben zwischen Schreibmaschine und Fußballplatz. Eigentlich Betriebswirt. Heute mal Autor, mal Sportmanager. Hat das ALPENFEUILLETON ursprünglich ins Leben gerufen und alle vier Neustarts selbst miterlebt. Auch in Phase vier - "Diskursplatz für Selbstdenker" - aktiv mit dabei und fleißig am Schreiben.

Schreibe einen Kommentar

Your email address will not be published.

*

code

Default thumbnail
Vorheriger Text

Zwischen Liebe, Pott und Schickeria - eine Chronologie des Leidens

Default thumbnail
Nächster Text

Osttirol – Arsch der Welt und Nabel der Verzweiflung

Aktuelles aus Kategorie

Bisch a Luada

Es ist schon wieder einige Zeit her, seit das Wörtchen Luder für