Keine Veränderung unter Papst Franziskus – ein Kommentar

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Die Gläubigen pilgern wieder in Scharen nach Rom. Auf die erhoffte Veränderung werden sie dennoch lange warten (müssen).
Die Gläubigen pilgern wieder in Scharen nach Rom. Auf die erhoffte Veränderung werden sie dennoch lange warten (müssen).

Meine Freundin und Autoren-Kollegin Lisa Reifer lehnt sich in ihrem Kommentar „Ist die Exkommunikation gläubiger Katholiken – gerecht?“ sehr weit aus dem Fenster. In dem durchaus bissig formulierten Beitrag zu der Debatte rund um die Exkommunikation des Ehepaares Heizer, stellt sie die Frage, ob die von der katholischen Kirche gewählten Konsequenzen wirklich zeitgemäß und angebracht waren. Sie geht sogar soweit und vergleicht das Vergehen der „Wir sind Kirche“-Gründer mit den jüngsten Missbrauchsfällen in der katholischen Kirche. Meiner Meinung nach unangebracht und weit verfehlt.
Wer sich näher mit der Institution Kirche beschäftigt, der weiß, dass gewisse Grundsätze – weitaus besser als der heilige Gral selbst – geschützt werden. Dazu zählt auch, dass die Durchführung einer Eucharistie-Feier nur von einem geweihten Priester praktiziert werden kann. Ein Abweichen von diesem, im Kirchenrecht festgeschriebenen Gesetz, würde nicht nur die Glaubwürdigkeit der Kirche selbst, sondern das Ganze Konstrukt der katholischen Kirche ad absurdum führen. Aus ähnlichen, organisatorischen und finanziellen, Gründen hält der Vatikan auch bis heute – allen Widerständen zum Trotz – am Zölibat fest. (oder wie sollte eine Finanzierung sämtlicher geweihter Kirchenmänner – mit florierenden Familien – gewährleistet werden?)
Auch die unterschwellige Kritik an Papst Franziskus muss hier widerlegt werden. Auch wenn der ehemalige Kardinal von Buenos Aires ein wahrer PR-Stratege und populärer Hirte zu sein scheint, so sind seine Ansichten – im Gegensatz zur allgemeinen Wahrnehmung – und trotz medienwirksamer Auftritte (wie im Jugendgefängnis gleich nach Amtsantritt) recht konservative. Und auch wenn sein Wunsch nach einer „Kirche für die Armen“ ein lobenswerter und erfreuend erfrischender ist, so irreführend ist dieser auch. Denn wer dem ersten Südamerikanischen Papst von Anfang an genauer zugehört hat, der wird sich kaum große Hoffnungen auf eine rasche Veränderung der so starren Institution Kirche gemacht haben. Alles andere würde (aus den oben genannten Gründen) an ein Wunder grenzen. Eines bleibt dennoch zu hoffen. Dass dem durchaus sympathischen Kirchenmann nicht die Kraft ausgeht und er die noch offenen Baustellen (Missbrauchsfälle, Vatikanbank-Skandale, Intrigen im eigenen Haus, größenwahnsinnige Kirchenmänner) ein wenig schließen und den Dialog mit den anderen Weltreligionen (der Papst weilt zur Stunde in Israel) auch weiterhin vorantreiben kann. Im Sinne von uns allen!

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