Lies nicht, trink lieber ein gutes Glas Rotwein

3 Minuten Lesedauer

Diese Rubrik nennt sich „Kleingeist und Größenwahn“ und das bereits seit über 100 Folgen. Seit bald zwei Jahren gibt es diese AFEU-Serie. Eine sehr lange Zeit. Dafür braucht es Ruhe und Geduld. Beides Tugenden, die in unserer Gesellschaft nicht zu den populärsten gehören. Und da wären wir auch schon beim Punkt. Warum eigentlich?
Was bringt es uns, tagtäglich irgendwelchen Aufgaben und verstrichenen Deadlines hinterherzuhetzen? Teilweise schon am frühen Morgen, wenn sich die Zahnbürste noch fremd anfühlt, türmen sich unsere Gedanken. Das geht oft so weit, dass man am liebsten die Dusche abstellen und sich wieder zu Bett begeben würde.
Aber „for what“ das alles? Ich gehe davon aus, dass ich kein abnormaler Mensch bin. Eher guter Durchschnitt. Und ich, ich hasse diesen Stress. Dieses ständige Nachdenken. Dieses ständige Selbst-Fragen, ob man alles richtig gemacht hat und warum es nicht besser gelaufen ist.
Wenn ich also ein halbwegs normaler Mensch bin, dürfte ich mit dieser Aversion nicht alleine sein. Also bitte. Warum machen wir bei diesem Spiel so brav mit? Don’t feed the troll, heißt es in der Internet-Kommunikation beim Umgang mit „schwierigen Patienten“. Aber ist unsere „Du genügst dem System nicht“-Philosophie nicht genauso „aushungerunswürdig“?
Ich sage ja und plädiere deshalb für weniger Denken, mehr Trinken. (mir ist durchaus bewusst, dass das gesundheitlich kein guter Rat ist, aber es gibt so Momente, da empfiehlt sich ein gutes Glas Rotwein!) Dabei geht es nicht um das berühmte „Aus der Welt schießen“, sondern vielmehr um ein „Bewusst werden“.
Wer einen Schluck Rotwein über die Lippen laufen lässt und dieser wunderbare Traubensaft die Zungenspitze streift, dann werden Gespräche vergessen, Sorgen dürfen ruhen und alles was zählt ist dieser eine Moment, wenn aus sauer, süß und aus süß, fruchtig wird. Wenn der samtige Saft den Gaumen runterrinnt und sich alles nach Italien-Urlaub anfühlt.
Beim Augenaufschlag schüttelt man dann verwundert das Haupt und knüpft nur schwer an das vorangegangene Gespräch an, dabei war vor wenigen Augenblicken noch alles so unglaublich wichtig. So wichtig, dass man nach der Arbeit, die heute wieder stressig war, unbedingt auf „ein Galserl“ gehen muss. Sonst klappt das alles nicht mehr …………
Summa summarum. In vino veritas. Lies das nicht, trink lieber ein Glas Rotwein!

Hier geht es zur vorherigen Folge von "Kleingeist und Größenwahn".

Ein Leben zwischen Schreibmaschine und Fußballplatz. Eigentlich Betriebswirt. Heute mal Autor, mal Sportmanager. Hat das ALPENFEUILLETON ursprünglich ins Leben gerufen und alle vier Neustarts selbst miterlebt. Auch in Phase vier - "Diskursplatz für Selbstdenker" - aktiv mit dabei und fleißig am Schreiben.

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