Wie uns der "Fotogarf" Benjamin A. den Weg zum Olympia-Ja weist

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„Ein ´Ja´ zu Olympia ist für mich selbstverständlich […]“, wird der international gefeierte Krimi-Star Bernhard Aichner zitiert. Tirol stünde dann im internationalen Rampenlicht und kulturell gesehen brächte es natürlich auch was. Das gefällt dem Aichner natürlich, der in einer Anzeige von „Olympia 2026“ in DEM Tiroler Leitmedium mal als „Fotogarf“, mal als „Benjamin“ bezeichnet wird. So ganz sattelfest scheint man hier also nicht zu sein was die eigenen Zugpferde betrifft.
Aichner (oder war es Aigner), das ist der mit den kurzen Sätzen. Der Autor. Der. Einen. Fast. Atemlos. Durch seine. Texte hetzen lässt. Der Mann weiß, was die Mehrheitsgesellschaft will und hat damit weltweit für Aufsehen gesorgt. Gar von Verfilmungen seiner Werke ist die Rede. Dass das Buch in 1000 Sprachen und mehr übersetzt werden wird ist bei dieser literarischen Qualität außerdem nur eine logische Konsequenz. Benjamin A., der also den Duft der großen weiten Welt geschnuppert hat und von Innsbruck über Wien bis Frankfurt jeden Stein wie seine Westentasche kennt, spricht sich natürlich für Olympia 2026 aus. Weil ansonsten dieses verschissene Provinz-Nest Innsbruck und mit diesem ganz Tirol abseits des Rampenlichts der Welt versauern würde. Aichner hat schon und Olympia 2026 wird noch Glanz in unsere miefige Provinz-Hütte bringen.
Doch damit nicht genug. Auch Benni R., nennen wir ihn nach der Logik der Anzeigen der „Olympia2026“ Bernhard Reich, wirbt für olympische Spiele. Ein gutes Vorbild. Der Mann hat sich bereits in jungen Jahren zur Ruhe gesetzt, natürlich nach einer höchst erfolgreichen Skifahrer-Karriere. Vorbildlich hat er sich dann auf den Wohnungsbau und die Kinderproduktion verlegt. Ja, so einem feschen Menschen mit weißer Weste und bestem Lebenswandel kann man natürlich vertrauen. Wenn so einer sagt, dass Olympia 2026 toll ist und vor allem auch was für den Skifahr-Nachwuchs bringt, dann sitzt das und hat Hand und Fuß.
Auf der anderen Seite der glänzenden Galionsfiguren des „Ja“! stehen die Liste Fritz und Norbert Pleifer mit ihrem miesepetrigen „Nein!“. Die „Liste  Fritz“, eine abgesandelte Polit-Liste jenseits jeglicher Relevanz, hat einige Argumente parat, die in der öffentlichen Wahrnehmung aber nicht weiter reichen, als dass der Bierpreis steigen würde. Eine Sauerei wäre das! Unser Bier ist nicht nämlich nicht deppat! Norbert Pleifer und die Seinen haben sich wiederum auf den politisch-künstlerischen Protest gegen die drohenden olympischen Spiele spezialisiert. Allerlei Musiker, Dichter und Denker werden zu Rate gezogen um das „Nein!“ auf möglichst überzeugende und kunstsinnige Weise zu argumentieren.
Es gibt natürlich noch mehr Beispiele von außergewöhnlichen Menschen, die uns den richtigen Weg möglichst hell ausleuchten möchten. Jürgen Bodenseer etwa, der sich von Olympia 2026 zum Beispiel eine dritte Autobahnspur oder zukünftige Sozialwohnungen verspricht. Nicht zuletzt wurde vor einiger Zeit ein ganzes olympisches Komitee mit Menschen gegründet, die etwas geleistet haben, das wir nie leisten werden können. Sei es in sportlicher, künstlerischer oder intellektueller Hinsicht.
Das ist das Prinzip. Diesen besonderen Menschen wird medial oder anderweitig Aufmerksamkeit geschenkt, weil sie in der Lage sind für uns zu sprechen. Sie vertreten uns. Sie sprechen für uns, während wir unser Maul nicht aufbringen. Wir dürfen uns also am 15.10. in Tirol entscheiden, ob wir den mit schönsten Farben ausgeschmückten Weg hin zum „Ja“ oder hin zum „Nein“ beschreiten. Ob wir uns lieber von einem Genie-Autor wie Aichner oder doch vom kauzig-netten Treibhaus-Gschaftlhuber Pfleifer an der Hand nehmen und ins gelobte Land führen lassen wollen. Wahlweise könnten wir aber auch selbst denken und uns fragen, wer dieser Fotogarf Benjamin B. eigentlich ist oder warum ein Bertl P. oder ein Bennie M. wissen sollte, was gut für uns und unser Umfeld sein soll. Wen kümmert´s, wer spricht? Wen kümmert es, was sie sprechen?

Hier geht es zur vorherigen Folge von "Kleingeist und Größenwahn".

Elfenbeinturmbewohner, Musiknerd, Formfetischist, Diskursliebhaber. Vermutet die Schönheit des Schreibens und Denkens im Niemandsland zwischen asketischer Formstrenge und schöngeistiger Freiheitsliebe. Hat das ALPENFEUILLETON in seiner dritten Phase mitgestaltet und die Letztverantwortung für das Kulturressort getragen.

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