Photo by Sergey Shmidt on Unsplash

Es lebe die Sense!

2 Minuten Lesedauer

Es war, glaub ich, der Wiener Dichter H.C. Artmann, der einmal geschrieben hat, dass ein Frühjahr nicht beginnt, sondern in all seiner Pracht geradezu ausbricht.

Mit dieser wunderbaren Jahreszeit kommt aber leider auch die Zeit der motorisierten, lärmenden Geräte. Dröhnende Vertikutierer, jaulende Rasenmäher, heulende Motorsensen usw. kommen zum Einsatz.
Ich hab das große Glück (?) am Dorfrand, umgeben von Einfamilienhäusern mit Rasenanlangen, und auch mit Obstgärten, wohnen zu dürfen. Während der Woche nach Arbeitsschluss und vorwiegend freitags und samstags kommen diese ohrenbetäubenden Monster zum Einsatz. Ein durchdringender, stundenlang anhaltender Lärmpegel rüttelt dann an meinen Nerven, sodass mir meistens nur noch die Flucht aus meinem Zuhause bleibt.

Mit Kopfhörern und in blauen Overalls donnern die Grundbesitzer über ihre Rasenanlagen, zerfetzen jegliches natürliche Leben. Blumen, Bienen, Insekten werden verjagt oder gekillt, Grund und Boden noch mit giftigen Unkrautvertilgern versaut. Man ist ja so stolz auf den quadratischen schönen Rasen!

Auf die Idee, dass man statt dieser verdammten unnatürlichen Rasenanlagen das normale Wachstum einer Wiese mit heimischen Blumen fördern könnte, kommt man nicht und schon gar nicht darauf, diese stinkenden Motorenungeheuer durch die Handarbeit mit einer Sense oder einem Rechen zu ersetzen. Soweit reicht der „grüne Daumen“ nicht. Um fit zu bleiben, geht man ins Studio und sein schlechtes Gewissen beruhigt man damit, dass man seine Stimme den Grünen gibt, denn schließlich ist man ja ein Naturschützer.

Elias Schneitter, geboren und aufgewachsen in Zirl/Tirol. Lebt in Wien. Erste Publikationen ab 1976, vorwiegend in Literaturzeitschriften (Fenster, Rampe, Wespennest, Kolik, Literatur und Kritik, protokolle, etc...) und Hörspiele im Rundfunk. Zur persönlichen Website
Mitbegründer und Kurator des internationalen Literaturfestivals "sprachsalz" (www.sprachsalz.com) in Hall Tirol. Zur Sprachsalz Website
Leitung der "edition-baes" - Zur Website, wo der Schwerpunkt auf US-amerikanische Underground Literatur gelegt wird.

Schreibe einen Kommentar

Your email address will not be published.

*

code

Vorheriger Text

Wer soll das bezahlen, wer hat so viel Geld?

Nächster Text

Warum „Quarantänekonzerte“ alles nur noch schlimmer machen

Aktuelles aus Kategorie

Kultur des Vergessens!

Wenn wir Denkmäler entfernen, Statuen fällen und umstrittene Straßennamen verschwinden lassen, befeuern