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Schwarzer Journalismus

3 Minuten Lesedauer

Gut zehn Jahre habe ich vorwiegend als Journalist gearbeitet, genauer gesagt als PR-Journalist. Für viele Experten wird public relation nicht zum klassischen Journalismus gezählt, weil dieser mehr in den Bereich Werbung, Marketing gehört. Okay.
Meine Aufgabe bestand darin, für eine Non-profit Organisation im Gesundheitsbereich entsprechende Artikel zu verfassen. Es ging um die üblichen Themen aus diesem Gebiet: Vorsorge, gesunde Ernährung, Bewegung, Raucherentwöhnung, übermäßiger Alkoholkonsum und so weiter.

Es war auch nicht unsere Absicht, bei diesen Themen mit der Angstkeule (Rauchen ist Lungenkrebs, Übergewicht ist Herzinfarkt usw.) zu hantieren, sondern zu informieren und mit einigen Tipps zu garnieren. Darum brauche ich hier nicht weiter zu erwähnen, dass unser Konzept vielleicht ehrenhaft, aber nicht unbedingt von riesigem Erfolg gekrönt war.

„Richtiger“ Journalismus funktioniert eben nach der Devise: Bad news are good news and sex sells. Kurz gesagt, Mord, Toschlag, Katastrophen, Terroranschläge, Kriminalität in der Politik und Wirtschaft, Umweltzerstörung und Apokalypse… Das wollen die Leser anscheinend serviert bekommen. Damit kann man Auflage und Quote lukrieren, und darum geht es.

Es wird zwar von Seiten der Konsumenten unentwegt gejammert, dass nur noch schlechte Nachrichten gibt, aber das gehört zum Geschäft.

Man jammert und sudert und wir wissen ja wer jammert und sudert, der kauft. Darum wäre es naiv, sich weiter mit diesem Phänomen kritisch auseinanderzusetzen. Der schwarze Journalismus ist eine Tatsache, ist ein physikalisches Grundgesetz und damit basta.

Auch ich gehöre auch zu den regelmäßigen Konsumenten dieser schwarzen Nachrichten, wenngleich ich mir immer wieder vornehme, diesen aus dem Weg zu gehen, aber siehe oben.

Natürlich frage ich mich immer wieder, was geht es mich an, wenn sich ein Verrückter in Afghanistan in die Luft jagt und eine Handvoll Unschuldiger mit in den Tod reißt. Oder was kümmert es mich, wenn ein Erdbeben in Thailand einen Tsunami auslöst, Hunderte Tote etc. und diese Beispiele kann man endlos fortsetzen.

Immer wieder treffe ich befreundete Journalisten und da mache ich gerne den schwarzen Journalismus zum Diskussionsthema. Warum ist das so? Warum lässt sich das nicht ändern? Soll das überhaupt geändert werden, usw. Und dann bringe ich gern einen Lieblingsgedanken von mir ins Spiel. Ich sage, man müsste von den produzierenden Journalisten einmal verlangen, dass sie für jede schlechte Nachricht, die sie hinausjagen, auch eine gute Nachricht zu formulieren hätten. Diesen Vorschlag finden zwar einige immer lustig, aber natürlich fern jeder Realität.

Und damit haben sie auch recht haben, aber lustig wäre es doch, das einmal zu versuchen.

Elias Schneitter, geboren und aufgewachsen in Zirl/Tirol. Lebt in Wien. Erste Publikationen ab 1976, vorwiegend in Literaturzeitschriften (Fenster, Rampe, Wespennest, Kolik, Literatur und Kritik, protokolle, etc...) und Hörspiele im Rundfunk. Zur persönlichen Website
Mitbegründer und Kurator des internationalen Literaturfestivals "sprachsalz" (www.sprachsalz.com) in Hall Tirol. Zur Sprachsalz Website
Leitung der "edition-baes" - Zur Website, wo der Schwerpunkt auf US-amerikanische Underground Literatur gelegt wird.

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