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Demonstrieren gehen, wie früher: schön!

5 Minuten Lesedauer

Auf „besonderen Wunsch des Landeshauptmanns“ ist die Schule zugesperrt worden, die unser Sohn besucht. Der Direktor hatte sich bis zuletzt bemüht, wenigstens die erste Klasse der Oberstufe offenzuhalten, indem er unter anderem ein detailliertes „Hygienekonzept“ (wie man das neuerdings nennt) ausarbeitete. Es half auch nichts, daß es an dieser Schule bisher keine Corona gegeben hatte, weder unter den Schülern noch den Lehrern. Es ist nämlich so, daß zwar von den Anführern und Oberhäuptern aller Völkerschaften dieser Erde niemand einen Plan hat, daß aber jeder einzelne von ihnen anscheinend am besten damit zu fahren hofft, daß er sich als gestrenger Pappi geriert, das was man bis vor kurzem als „starken Mann“ bezeichnete und abhorreszierte, besonders auf der Linken, und was nun ganz besonders auch von der Linken als staatstragend empfunden und innig geliebt wird. Allenfalls wird dem jeweiligen Oberhaupt, wenn es der falschen Partei angehört, vorgehalten, es (das Oberhaupt) habe kein Plan und agiere in jedem Fall viel zu wenig streng.

Und da will unser Landeshäuptling natürlich nicht nachstehen. Also ratsch, Schule zu und alle den Mund halten, sonst gibt es Haue oder vielmehr, wir sind ja sehr gewaltfrei, es gibt Hausarrest oder vielmehr, wir sind ja modern und sprechen nur noch Englisch, es gibt lockdown!

Die Elternvereine von drei Schulen haben sich daraufhin ausdrücklich gegen das neuerliche Schulzusperren gewandt, und für den vergangenen Montag wurde eine Kundgebung dagegen auf dem Landhausplatz angekündigt.

Seit vielen, vielen Jahren habe ich an keiner Demo mehr teilgenommen, etwas, das in meiner Jugend und ein gutes Stück über diese hinaus ein wichtiger Bestandteil des Lebens gewesen war. Darunter gab es viele sehr kleine Kundgebungen, wenn nämlich damals, das heißt in den 70er und 80er Jahren, in Innsbruck für fortschrittliche Anliegen demonstriert wurde und wieder kein Schwein hinging. Das führte, neben einigen anderen Dingen, dann eines schönen Tages zu meinem Abschied von den Fortschrittlichen (nebenbei bemerkt kann man das in meinem sehr lustigen und überhaupt rundum gelungenen Roman „Grüne Zeiten“ von 1998/2014 nachlesen). Ich will aber eigentlich nur andeuten, daß ich weiß, wie es ist, wenn man eine Demo organisiert, zu der dann niemand kommt. Hier, am sonst, ohne Demo, in Jugendkreisen sehr beliebten Landhausplatz waren nun, mit Demo, sehr wenige Leute hier, insbesondere sehr wenige Jugendliche, um die es ja eigentlich ging. Und die Schule, in der sich wenigstens irgendwer aufgepudelt hatte, ist mit 1500 Schülern die größte von ganz Tirol. Und unsere Jugend geht ja sehr gern auf Demos, wie ich weiß, seit ich im Mai 2019 aus dem Fenster schaute und die Menge vorbeiziehen sah, die da für Fridays For Future die Straße füllten.

Aber diesmal, im Herbst 2020, fehlte es wohl an der Zeit und zuvor schon an einer rudimentären Organisation, und so stand ich eine zeitlang am Rand dieser sehr wenigen herum und wartete, daß es losging, und als sie, nachdem es losgegangen war, gleich einmal einen Zettel mit einem Liedtext zu verteilen anfingen, den man dann mitsingen sollen würde, bekam ich es mit der Angst zu tun und ging wieder weiter, weil ich schon in meiner Jugend bei revolutionären Liedern eine Hemmung hatte mitzusingen. Dadurch versäumte ich dann doch einiges, nicht zuletzt den offenbar unvergeßlichen Auftritt unserer Landesrätin für das Unterrichtswesen (die ich wegen ihrer Zweitfunktion als für die Kultur Zuständige schon länger kenne), die sich nach den ersten Reden im allgemeinen Publikumsteil gleich auf die Tribüne drängte und von dort aus es sehr lustig fand, daß Schüler erstmals in der Geschichte der Menschheit dafür demonstrierten, in die Schule gehen zu dürfen.

Wie dem auch sei, am Samstag gibt es eine weitere Möglichkeit, seinem Mißvergnügen an der derzeitigen Seuchenpolitik zum Ausdruck zu bringen, wiederum auf dem Landhausplatz am kommenden Samstag, also morgen, 24. 10. 2020, um 14 Uhr, unter ziemlich prominenter Beteiligung, – nicht zuletzt treten dort nämlich neben anderen die in der bewußten Sache bereits notorischen Wissenschaftler Sucharid Bhakti und Christian Schubert auf.

Walter Klier, geb. 1955 in Innsbruck, lebt in Innsbruck und Rum. Schriftsteller und Maler.
Belletristik, Essays, Literaturkritik, Übersetzungen, Sachbücher. Mitherausgeber der Zeitschrift "Gegenwart" (1989—1997, mit Stefanie Holzer). Kommentare für die Tiroler Tageszeitung 2002–2019.
Zahlreiche Buchveröffentlichungen, u.a.: Grüne Zeiten. Roman (1998/Taschenbuch 2014), Leutnant Pepi zieht in den Krieg. Das Tagebuch des Josef Prochaska. Roman, 2008. Taschenbuch 2014). Der längste Sommer. Eine Erinnerung. 2013.
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3 Comments

  1. oberhäupter von china haben den plan…
    die bundesregierung hält nur von bundesgestzgebung die vorschriften, smile, ein
    ohne mal auf landesgesetze zu sehen — einen politischen zuküftigen stern
    werden „wir“ wohl nit gegen corona einsetzen.
    usw,
    siehe china — weltherrschaft —etc
    dann bist am richtigen weg – ohne bundersländer, nationaler und europäischer
    verordnungen (nicht wohlweislich gesetze etc…) siehe freau legarde
    bevor die finanzielle weltwirtschaft zusammenbricht,
    das sehen 1 prozent (der nicht geschmierten) politiker, rest marschiert mit,
    weil Sie wollen ihr mandat behalten und mehr …smile …
    am nähesten ist uns das schwein — siehe sautrog…
    freundliche grüße

  2. gut, lieber herr klier,
    es ist nicht ganz klar – ob sie politiker werden wollen, indem sie schüler vertreten,
    siehe die voll hoch gemanagte nordländerin, welche freitag europaweit aufgerufen hat,
    — alles schüler sollen dauf schule vergessen, weil freitags ist klimatag weltweit,
    gut die tunberg hat ein ganzes management hinter sich,
    nun kommen wir und sagen….
    wir wollen alle in der schule bleiben – und kein home schooling haben,
    oder wir streiken donnerstags —- smile
    das ist doch ehe von einer witz zeitung heraus,
    mann hat übersehen (wie topmanager 100erte millionen aktiern vor märz verkauft haben)
    daß veilleicht auch dieses mädchen mit klimawandel nicht recht „dicht“ ist sonden
    insturmentalisiert worden ist – nun können wir
    weltweit nicht mehr auftreten mit
    „schulrecht für uns“ -wir verblöden….
    das hat greta uns schon weg genommen — sie meinen zufall
    weltpolitik
    eine ahnung?
    lg hs

  3. meine rechtschreibfehler sind keine mißachtung ihrer person
    sondern huschi – pfuschi – schnell schreiben (übrigens blinder – nach damaliger hak-matura ..)
    wie diese demonstrationen sind — bitte um gemäßigte antwort — ohne schüler….(die haben für mich ab sofort jeden tag schulrecht, etc…. ansonsten verblöden sie langsam wie die chinesen , smile , pardon…)

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