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Enteignung der Kleingärtner samt Betretungsverbot

4 Minuten Lesedauer

Die Sommerpause von AFEU habe ich unter anderem auch dazu genützt, um grundsätzlich über das Genre „Kommentar“ ein wenig nachzudenken. Ich habe früher zwar hin und wieder einen Leserbrief geschrieben, aber der Bereich „Kommentare“ war für mich bis zu meinem Einstieg bei AFEU völliges Neuland. Zumeist geht’s ja um Kritik, das Aufzeigen vermeintlicher gesellschaftlicher und politischer Ungereimtheiten, verbunden mit einem persönlichen Anliegen, mit einer persönlichen Erregung. So ist es auch ganz besonders bei diesem Beitrag mit sarkastischen Anflügen.

Den heurigen Sommer habe ich wirklich genossen. Es war nicht zu heiß, es war nicht zu regnerisch, ein ganz normaler angenehmer Sommer. Also alles bestens, könnte man meinen. Das Einzige, was mir den Sommer zeitweise unerträglich gemacht hat, waren wieder einmal – und ich werde in Hinkunft viel meiner Energie dafür einsetzen, diese Fehlentwicklung mit allen Mitteln zu bekämpfen – all die Kleingartenbesitzer und -innen in meiner Umgebung und im ganzen Land mit ihren motorisierten, ohrenbetäubenden, die Bienen und Insekten mordenden, die Blumenwiesen vernichtenden Maschinenungeheuern: Rasenmäher, Benzinsensen, Laubbläser, Motorsägen etc.

Ich gehöre zu den Menschen, die grundsätzlich sehr empfindlich gegen Lärm sind und dieser verrückte Gartenlärm treibt mich inzwischen oft in den Wahnsinn. In meiner Nachbarschaft habe ich mehrere Grünanlagen und diese Grünanlagen werden wöchentlich und stundenlang gemäht. Kaum dreht einer ab, dröhnt von einer anderen Ecke so ein Ungeheuer. Oft bleibt mir nur noch die Flucht vor diesem Lärm, aber wohin flüchten, das ist gar nicht mehr so einfach in einer Gegend der Kleingärten.

In einem Anflug von endloser Bösartigkeit fluche ich jedem einzelnen dieser  Umweltzerstörer (vermutlich auch noch Grünwähler) jeden einzeln das Kreuz ab. Es ist bei mir inzwischen schon so, dass sich mir, sobald ich einen schön gepflegten Rasen sehe, der Magen umdreht. Diese geschniegelt und gestriegelten Blumengärten sind mir eine unerträgliche Landschaftsverschandelung. Für mich sind diese Gärten Orte der Umweltzerstörung, der Umweltvernichtung. Lärm, Gift, Motoren – eine einzige Grauenhaftigkeit.

Auf die Idee, dass man den Garten als Blumenwiese sieht und diese zwei- bis dreimal mit der Sense oder bei großen Anlagen mit dem Mähbalken (okay) mäht, kommen die Kleingärtler und -innen schon gar nicht mehr. Welche Schäden sie anrichten ist ihnen zwar bewusst, aber egal. Hauptsache ein vermeintlich schönes Raserl. Zum Kotzen. Und wenn es darum geht, bei einer Unterschriftenaktion gegen das Bienensterben teilzunehmen, dann ist man dabei.  

Das größte Unkraut in unseren Gartenanlagen sind die motorisierten Kleingärtner und -innen selbst. Manchmal träume ich davon, dass alle Besitzer enteignet werden, dass ihnen ein Betretungsverbot auferlegt wird und dass ihre ach so wunderschön gepflegten Kleingärten wild und ungestüm zu wuchern beginnen und zu herrlichen Gstättn werden, wie sie uns die Natur liefert, während die motorisierten Geräte in den Garagen verrosten und beim Alteisen landen.

Leider geht dieser herrliche Sommer jetzt zu Ende und der einzige Trost dabei ist, dass damit auch die Zeit der Rasenmäher zu Ende geht, aber das ist ein schwacher Trost. Schon warten die Laubbläser und die Kreissägen zum Holzschneiden und die Motorsägen zum Baumschneiden auf ihren Einsatz und dann steht schon wieder der Winter vor der Tür und – Klimawandel sei Dank – hoffentlich mit wenig Schnee, weil sonst donnern die Schneefräsen durchs Gelände, dass einem Hören und Sehen vergeht.

Elias Schneitter, geboren und aufgewachsen in Zirl/Tirol. Lebt in Wien. Erste Publikationen ab 1976, vorwiegend in Literaturzeitschriften (Fenster, Rampe, Wespennest, Kolik, Literatur und Kritik, protokolle, etc...) und Hörspiele im Rundfunk. Zur persönlichen Website
Mitbegründer und Kurator des internationalen Literaturfestivals "sprachsalz" (www.sprachsalz.com) in Hall Tirol. Zur Sprachsalz Website
Leitung der "edition-baes" - Zur Website, wo der Schwerpunkt auf US-amerikanische Underground Literatur gelegt wird.

1 Comment

  1. Vollkommen d’accord, mir fehlt nur noch 1 besonderes Hassgerät: der Kärcher. Bei den ersten sonnigen Stunden wird er herausgeholt und mit Riesengetöse Tisch, Sessel, Terrasse und womöglich noch der Grill mit Wasserwerfer cum Dampfgarer behandelt. Was ist an Eimer mit Wasser und Putzfetzen falsch? oder an einem Schrubbesen?

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