Knallen, böllern, feiern! Geht das auch öko?

Auf der Suche nach Problemen und Lösungen!

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Sie bringen Kinderaugen zum Leuchten und Staunen. Feuerwerkskörper faszinieren von klein auf und sind auch für viele Erwachsene eine liebgewonnene Tradition zum Jahreswechsel. Das immer stärker werdende Umweltbewusstsein in der Bevölkerung hat einen deutlichen Graben aufgetan zwischen Gegnern und Befürwortern des traditionellen Silvesterfeuerwerks. Wenn es um Raketen, Knaller und CO. geht, gibt es nur mehr schwarz oder weiß bzw. hell erleuchtet oder dunkel und still. Aber geht die Silvesterknallerei eigentlich auch ökologisch nachhaltig? Gibt es für jedes Problem eine umweltschonende Lösung?

1. Das Feinstaubproblem:

Feinstaub wird hauptsächlich nach Größe definiert. Problematisch für den Menschen sind Teilchen, die so klein sind, dass sie relativ problemlos in tiefere Regionen der Lunge vordringen können. Das sind Teilchen die kleiner als 10 Mikrometer, also kleiner als 0,01 Millimeter sind. Diese Teilchen sind mit dem freien Auge nur dann sichtbar, wenn sie so zahlreich vorkommen, dass sie als allseits bekannte „Staub- bzw. Nebelglocke“ über einer Region hängen. Jüngere Studien sehen die Feinstaubbelastung durch Feuerwerkskörper weit weniger dramatisch als bislang angenommen. Die Statistik über die Feinstaubbelastung an Silvester und am Neujahrstag spricht aber immer noch eine deutliche Sprache. Der Grenzwert bei der Feinstaubkategorie PM10 liegt bei maximal 50 Mikrogramm pro Kubikmeter im Tagesmittel. An acht Neujahrstagen zwischen 2011 und 2018 wurde dieser Grenzwert an allen Tiroler Messstellen mindestens sechs Mal überschritten. Die kurzzeitig höchsten Überschreitungen beim Feinstaub gibt es in der Nacht zum Neujahrstag zwischen 0:30 Uhr und 2:30 Uhr. Der Grenzwert wird dann teilweise um das 15-fache und mehr überschritten. Beeinflusst wird das Ganze auch vom Wetter. Wind und Regen wirken sich positiv auf die Feinstaubwerte aus.

Die Lösung:

Feuerwerk ohne Feinstaub gibt es nicht. Wird ein Feuerwerkskörper abgebrannt, entstehen automatisch Nebenprodukte der Verbrennung, die in der Luft verbleiben. Es bleibt also nur ein Verzicht oder eine Alternative, wie sie Innsbruck letztes Jahr mit der Lasershow probiert hat.

2. Das Lärmproblem:

Ohne den typischen Knalleffekt wäre Feuerwerk nicht so spektakulär. Besonders belastet durch das Dauerknallen in der Silvesternacht wird die Tierwelt. Nicht nur Haustiere haben mit dem Knallgeräusch zu kämpfen, auch viele Wildtiere werden aus ihrem gewohnten Rhythmus gerissen. Vögel werden so stark aufgescheucht, dass sie teilweise tagelang nicht mehr zu ihren Nestern zurückkehren. Hunde und Katzen haben ein deutlich besseres Gehör als wir Menschen, können aber in möglichst ruhigen, dunklen Räumen halbwegs gut durch die Silvesternacht gebracht werden. Ihre tierischen Artgenossen in freier Wildbahn haben dagegen weniger Glück.

Die Lösung:

Es gibt zwar kein geräuschloses Feuerwerk, aber es gibt deutlich leisere Feuerwerkskörper. Ganz ohne Knall- und Zischgeräusche geht es natürlich nicht, schließlich brennt das Feuerwerk ab bzw. reagieren verschiedene Stoffe miteinander. Aber das geräuscharme Feuerwerk ist deutlich leiser, als die herkömmlichen Produkte. Nachteil: Die Kosten sind natürlich höher, als beim Standard-Feuerwerk.

3. Das Müllproblem:

Nicht alle Bestandteile der Feuerwerksrakete werden bei der chemischen Reaktion verbrannt oder zerrissen und schweben dann als Feinstaub durch die Luft. Vor allem der Holzstab, der Raketenkopf aus Plastik und die Ummantelung aus Karton fallen zu Boden und werden von kaum einem Hobby-Pyrotechniker wieder eingesammelt.

Die Lösung:

Es gibt bereits alternative Feuerwerkskörper, die auf abbaubare Materialien setzen. Auch hier ist mit einem höheren Preis zu rechnen.

4. Die Schwermetallbelastung:

Nicht nur Feinstaub und Müll sind ein großes Umweltproblem in Zusammenhang mit Feuerwerkskörpern. Die verschiedenen farbigen Effekte der Raketen, Sprühregen, Vulkane und Co. entstehen aufgrund einer chemischen Redoxreaktion mit verschiedenen Metallen. Strontium, Barium, Natrium, Kaliumsalze, Kupfersalze, Eisenspäne, Magnesium und Aluminium werden für die bunte Mischung eingesetzt. Einiges davon mischt sich mit dem Feinstaub und sinkt nur langsam zu Boden. Nicht alle Stoffe sind gesundheitlich unbedenklich und belasten Mensch und Umwelt teilweise in grenzwertig hoher Konzentration.

Die Lösung:

Auch diesem Problem nehmen sich manche Hersteller bereits an und haben den Anteil an Schwermetallen in ihren Feuerwerkskörpern deutlich reduziert . Ganz ohne Zugabe dieser Stoffe kommen Feuerwerkskörper nicht aus. Auch für dieses „Öko-Plus“ heißt es tiefer in die Tasche greifen!

Umweltschonendes Feuerwerk! Geht das?

Ob gute Lösung oder nicht, es gibt Alternativen für die klassischen Silvester-Rituale. Am besten für Mensch, Tier und Umwelt ist natürlich der generelle Verzicht auf Pyrotechnik. Wer auf die leuchtenden Kinderaugen nicht verzichten will, der kann sich nach alternativen „Öko-Feuerwerken“ umschauen. Der Markt wird in den kommenden Jahren sicher wachsen. Eine Universallösung wäre die Abschaffung der Privat-Feuerwerke. Ein größeres, öffentliches Feuerwerk pro Gemeinde oder Region, von dem alle etwas haben, muss doch ausreichend sein. Großfeuerwerke bringen den Vorteil, dass sie meist von individuell füllbaren Abschussvorrichtungen gestartet werden, die immer wieder verwendet werden können. Damit löst sich zumindest das Müllproblem. Feinstaubbelastung, Schwermetallbelastung und Lärmbelastung werden zumindest deutlich reduziert und zeitlich eingeschränkt.

Quellen:

https://www.tirol.gv.at/fileadmin/themen/umwelt/luftqualitaet/downloads/sonstige_Berichte/Feinstaubbelastung_zu_Silvester.pdf
https://www.umweltbundesamt.at/umweltthemen/luft/luftschadstoffe/staub/pm10
https://www.umweltbundesamt.de/sites/default/files/medien/1410/publikationen/2020_hgp_wenn_die_luft_zum_schneiden_ist_bf_0.pdf

Politischer Mensch. Ausgeprägtes Bewusstsein für Umwelt, Ökologie und Gerechtigkeit. Hat Politikwissenschaften studiert. Arbeitet aktuell in der Politik. Auf Landesebene. Interessiert sich für Weltpolitik. Schreibt gerne Analysen.

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