„2020“ – eine kleine Weihnachtsgeschichte

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Dezember 2020. Osttirol erstickt im Schnee. Ein kleines Bergbauernmädchen kämpft sich durch die weißen Massen und steigt ins Tal hinab. Dort befindet sich das Postamt. Im Rucksack trägt das Mädchen eine Thermoskanne mit warmen Früchtetee und ein Briefumschlag mit sich. „An das Christkind“ – steht drauf.

Nach zwei Stunden kommt das kleine Mädchen, verschwitzt und außer Atem, im Tal an. Doch das Postamt hat geschlossen. Mit Verzweiflung in den Augen und um Hilfe suchend, dreht sich das Mädchen um und entdeckt auf der gegenüberliegenden Seite des Postamtes einen alten Mann, der vor einem ebenfalls geschlossenen Lokal, an der Hausmauer lehnt.

„Hallo? Sie? Können Sie mir helfen? Wissen Sie wann das Postamt öffnet? Ich muss dringend meinen Brief ans Christkind schicken“, schreit das Mädchen dem Mann entgegen. Dieser zuckt mit den Achseln, als hätte er die Frage nicht verstanden. Das kleine Mädchen rennt über die Straße und wiederholt die Frage.

„Das Postamt hat bis nach den Feiertagen geschlossen. Alle Pakete sind ausverkauft. Und Wünsche sind für heuer auch keine mehr übrig.“ Tränen steigen dem kleinen Bergbauernmädchen in die Augen. Es beginnt zu Schluchzen. „Nicht weinen, mein Kind. Nächstes Jahr wird bestimmt wieder besser. Welchen Wunsch hattest du denn ans Christkind?“

„Nur einen“, stammelt das kleinen Bergbauernmädchen. „Das Christkind soll machen, dass die Menschen wieder normal sind im Kopf.“

„Ich werde es ihm ausrichten“, sagt der alte Mann und schenkt dem kleinen Mädchen einen schön verzierten Lebkuchen. „Wie recht du hast.“

Es beginnt wieder zu schneien.

Frohe Weihnachten 2020!

Ein Leben zwischen Schreibmaschine und Fußballplatz. Eigentlich Betriebswirt. Heute mal Autor, mal Sportmanager. Hat das ALPENFEUILLETON ursprünglich ins Leben gerufen und alle vier Neustarts selbst miterlebt. Auch in Phase vier - "Diskursplatz für Selbstdenker" - aktiv mit dabei und fleißig am Schreiben.

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