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Die kleinen Dinge des Lebens

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Man nimmt sie erst wahr, wenn sie fehlen: die kleinen Dinge des Lebens. Zum Beispiel die Millionen Halbleiter-Chips, ohne die plötzlich die größten Autos und überhaupt alles stillsteht. Oder die Kleinstlebewesen, oft nur unterm Mikroskop sichtbar, aber lebensnotwendig für die größten Wale und die Fruchtbarkeit unserer Äcker. Die billigen Rohstoffe, zum Beispiel für Pharmazeutika, oder auch nur die kleinen Ampullen, wenn sie aus Asien nicht mehr den Weg zu uns finden.

Die sogenannte Globalisierung hat uns großartig übersehen lassen, dass es sowas in der Natur nicht gibt. Stellen wir uns vor, es gäbe Regenwürmer ausschließlich, aber dafür in Massen nur in Asien, Amseln dafür ungezählt in Italien, den Marder in Österreich und vielleicht noch Süddeutschland, usw.

Auch der kleine Mann, die kleine Frau, die lange Zeit überwiegend weit weg ihr Habitat hatten, während wir hier billig das von ihnen Hergestellte genossen, ist so eine in der Globalisierung verlorene Spezies. Man nimmt sie erst wahr, wenn sie nicht mehr liefern oder gar höchstpersönlich hierzulande auftauchen. Das nennt man dann „Wirtschaftsflüchtlinge“ und nimmt ihnen übel, dass sie ihren zugewiesenen Platz weit, weit weg verlassen.

Und plötzlich erleben wir, die alleroberste Spezies in der globalen Nahrungskette, Mangel und Teuerung. Tun überrascht. Dabei hätten wir nur die Wale und die Amseln und die Äcker beobachten müssen. Schön dumm waren wir.

Geboren 1954 in Lustenau. Studium der Anglistik und Germanistik in Innsbruck Innsbruck. Lebt in Sistrans. Inzwischen pensionierte Erwachsenenbildnerin. Tätig in der Flüchtlingsbetreuung. Mitglied bei der Grazer Autorinnen und Autorenversammlung Tirol, der IG Autorinnen Autoren Tirol und beim Vorarlberger AutorInnenverband. Bisher 13 Buchveröffentlichungen.

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