Ein Hauch New York der durch Innsbruck wehte – Mariel Roberts

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3 Minuten Lesedauer

mariel roberts 1Innsbruck ist nicht New York. Gestern war man jedoch fast versucht diese Tatsache zu vergessen. Zumindest für eine gute Stunde. In diesen Minuten war es nämlich nicht der so landestypische Föhn, sondern eine ordentliche Brise internationalen Flairs die durch die historischen Gassen fegte. Was war das für ein wunderbares Konzert? Mariel Roberts. Diese Weltklasse Künstlerin. Jung. Schön. Talentiert. Aus New York. 25 anwesende Zuhörer in der Galerie A4. Intim. Persönlich. Intensiv. Eine Erfahrung mit Nachhall.
Mariel Roberts unterhält nicht, sie beschäftigt. Dass ein Cello solche Effekte, Geräusche, Klänge erzeugen kann, war mir bis zu diesem Abend nicht klar. Moderne Musik. Klopfen. Wimmern. Hauchen. Zupfen. Auch wenn sich meine Ohren erst an das Neuland gewöhnen mussten, nach wenigen Minuten erkundete ich es neugierig.

Solche Säle füllt die junge New Yorker Künstlerin normalerweise.
Solche Säle füllt die junge New Yorker Künstlerin normalerweise.

Wer sich harmonische Klänge erhoffe zu denen man mit dem Kopf nicken und dem Fuß wippen konnte, der wurde bitter enttäuscht. Mariel Roberts geht über die Grenzen. Mit ihren Interpretationen zeitgenössischer Werke entführt sie die Zuhörer auf neue Pfade. Nichts für Konservative. Ein Genuss für Mutige. Es lohnt sich übrigens nicht nur genau hinzuhören, sondern auch die Augen offen zu halten. Selten habe ich eine Musikerin gesehen die ihr Instrument auf eine solch zärtliche Art und Weise behandelt, bespielt, liebkost.
In Innsbruck war es deutlich intimer. Was auch die Künstlerin beeindruckte.
In Innsbruck war es deutlich intimer. Was auch die Künstlerin beeindruckte.

Nach dem kurzen Ausflug in neue musikalische Sphären. Innerhalb einer Stunde von Innsbruck nach New York und wieder zurück, fanden wir uns an der Bar wieder. Das ein oder andere Glas Zweigelt lockerte die Zungen. Angeregte Gespräche. Die Musikerin. Eben erst aus Darmstadt angereist hielt brav durch. Schenkte jedem ein Ohr und auch ein Lächeln. Sie genoss ihren Kurzaufenthalt in der Alpenstadt sichtlich. Nach einer kurzen Nacht ging es für sie wieder über den großen Teich. Nach New York. Einen Tag später nach Mexiko. Die Dame ist begehrt. In der Welt zu hause. „Ich habe gelernt dort daheim zu sein, wo ich bin. Ich mit meinem Cello.“ Ein Abschlusssatz der dem Abend gerecht wurde. Und mich nachdenken lies.
Danke Markus Stegmayr und Markus Reuter für die Jetztzeitreihe. Eine Bereicherung für Innsbruck.
Musik. Zum Niederknien. Niedersitzen.
Musik. Zum Niederknien. Niedersitzen.

Ein Leben zwischen Schreibmaschine und Fußballplatz. Eigentlich Betriebswirt. Heute mal Autor, mal Sportmanager. Hat das ALPENFEUILLETON ursprünglich ins Leben gerufen und alle vier Neustarts selbst miterlebt. Auch in Phase vier - "Diskursplatz für Selbstdenker" - aktiv mit dabei und fleißig am Schreiben.

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