4 gute Gründe für einen Ausflug nach Burghausen

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Das kleine Burghausen in Oberbayern hat bekannterweise eine große Jazzwoche. Doch die Stadt an der Salzach hat nicht nur musikalisch so einiges zu bieten. Bei unserer Reise durften wir noch andere sehenswerte Orte und Ausstellungen kennen lernen, die einen Frühlingsausflug auf jeden Fall lohnenswert machen. Hier eine kleine Übersicht:


Die weltlängste Burg


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Einer der Burghöfe der weltlängsten Burg.

Die Burg zu Burghausen misst stolze 1.051 Meter und ist damit die längste Burganlage Europas. Laut dem Guinness-Buch gilt sie sogar als längste Burg der Welt. Wer nach Burghausen kommt, wird also nicht drum herumkommen durch die sechs Burghöfe zu schlendern und schnell bemerken, hier ist eine ganze Stadt dem Mittelalter verfallen. Naja, zumindest ein Teil. An allen Ecken und Enden der Altstadt und des Burgberges riecht es förmlich nach dem 15. Jahrhundert. Zwar nicht im eigentlichen, aber im übertragenen Sinn. Die Häuser aus jener Zeit sind gut erhalten und bewohnt. Wappen sind genau so erhalten wie Schießscharten, Tore und geheimnisvolle Orte. Das verleiht der gesamten Stadt einen eigenen Charme.
Spätestens als die Gästeführerin im mittelalterlichen Gewand aufkreuzt und die Gruppe begrüßt, möchte man zu Schwert und Rüstung greifen. Der Burghauser Gästeführerverein ist ein ehrenamtliches Team und sämtliche Mitglieder scheinen eine Leidenschaft zu teilen: die Burg zu Burghausen und das mittelalterliche Leben. Unzählige Fakten, Geschichten und Anekdoten lassen die alte Zeit wieder aufleben. Besondere Führungen wie die „Sprichwörterführung“, bei der die mittelalterliche Herkunft von vielen Redensarten näher beleuchtet wird oder die Geisterführung, die es in unterschiedlichen Versionen für alle Altersklassen gibt, runden das Angebot ab und machen die Burg zu einem Erlebnis für so gut wie jeden. Große und kleine Menschen, junge und alte, mutige und weniger mutige, Eltern mit Kindern oder Verliebte. Für jeden empfehlenswert.


Das Stadtmuseum


Stadtmuseum Burghausen, Ritter
Das Leben im Mittelalter. Anschaulich dargestellt.

Ohne das Stadtmuseum gäbe es die längste Burg der Welt heute wahrscheinlich gar nicht mehr. Nachdem die in Burghausen stationierte und auf der Burg untergebrachte Garnison Ende des 19. Jahrhunderts abgezogen wurde, fand man erstmal keine weitere Verwendung für die alten Gemäuer. Ambitionierten Bürgern gelang die Rettung. Sie konnten den Abriss des historischen Geländes verhindern. Durch die Unterbringung des städtischen Museums war eine weitere Verwendung gesichert. 1896 begann man mit der Renovierung der Hauptburg. Heute gehört die Burg zum Großteil dem Freistaat Bayern und steht unter der Verwaltung der Bayerische Schlösserverwaltung.
In den letzten Monaten wurde das in der Hauptburg befindliche Stadtmuseum umgebaut und komplett neu gestaltet. Das Museum öffnet in diesem Sommer seine Pforten und wird dabei nicht nur unterschiedliche Themenbereiche rund um Burg und Stadt beleuchten, sondern auch modernsten museumspädagogischen Standards genügen. Auf vier Etagen werden unter anderem die Geschichte von Burghausen, die Kunst in Burghausen, die Natur rund um Burghausen und das Leben im Mittelalter näher beleuchtet. Es ist Herzog Georg dem Reichen von Bayern und seiner polnischen Gemahlin Hedwig Jagiellonica (auch bekannt als Hedwig von Burghausen) zu verdanken, dass bis heute so viel über das Leben auf der Burg bekannt ist. Ihre fein säuberlichen Aufzeichnungen über die Finanzen lassen sehr viel rekonstruieren – bis hin zum längsten Fest des Mittelalters. Dem 14-tätigen Hochzeitsfest der beiden. Wer tiefer in das Leben im Mittelalter eintauchen will ist im neuen Stadtmuseum also definitiv richtig aufgehoben.


Das Haus der Fotografie


Jim Brandenburg, Burghausen, Haus der Fotografie Sonderausstellung
Fotos des weltbekannten Naturfotografen Jim Brandenburg. (US)

Das Haus der Fotografie heißt seit 1998 eigentlich Dr. Robert-Gerlich-Museum, benannt nach seinem Gründer.  Der Burghauser Arzt war leidenschaftlicher Hobby-Fotograf und Sammler. Im ersten Stock des Museums gibt es deshalb auch eine der umfangreichsten Sammlungen an Fotogerätschaften. Insgesamt sind es 600 Fotoapparate aus allen Epochen und Anwendungsgebieten. Besonders erwähnenswert: eine französische Daguerreotypie-Kamera aus dem Jahr 1842 und die Weltraumkamera Hasselblad 500 EL/70. Neben den historischen Apparaturen finden sich auch zahlreiche historische Aufnahmen der Stadt Burghausen in diesem Bereich der Ausstellung.
In den oberen Stockwerken bekommt die zeitgenössische Fotografie ihre Bühne. In der 2002 eröffneten Galerie für zeitgenössische Fotpografie sind Originalwerke von über 40 internationalen Fotografen ausgestellt. Allesamt meister ihres Faches. Die Themen reichen von Gesellschaft und Soziales über Neue Sachlichkeit, Subjektive Fotografie, Porträt, Mode, Werbung, bis hin zum Bildjournalismus. In der regelmäßig wechselnden Sonderausstellung gibt es derzeit eine Auswahl des Star-Fotografen Jim Brandenburg, der vor allem für seine außergewöhnlichen Tier- und Naturaufnahmen weltweit gefeiert wird. Besonderes Highlight, die seltenen Aufnahmen der extrem scheuen Timberwölfe auf Brandenburgs Heimat Minnesota (USA). Wer sich für Fotografie begeistert – muss nach Burghausen. Pflicht!


Die Hammerschmiede Burghausen


Hüne, Schmied und Graf. Alles in einer Person.
Hüne, Schmied und Graf. Alles in einer Person.

Der Schmied aus der ältesten betriebenen Hammerschmiede Europas ist an die zwei Meter groß und ein Berg von einem Mann. Doch kaum öffnet der Herr seinen Mund ist jegliche Einschüchterung verflogen und eine unterhaltsame und informative „Führung“ zurück ins Mittelalter und hinein in die Schmiede beginnt. Im Zuge der Erlebnisführung gibt es nicht nur Informationen rund um die Schmiedekunst, sondern auch einen Schluck „Schmiede Feuer“.  (den Kräuterlikör gibt es selbstverständlich nur bei Erwachsenenführungen) Wer schon immer einmal wissen wollte wie man Temperatur (von Metall) sehen kann und selbst den Schmiedehammer schwingen wollte, der ist hier genau richtig.
Im Anschluss an die Führung durch die Schmiede gibt es meist noch einen kleinen Umtrunk mit dem Chef und seiner Frau. Wer uncharmant sein will, würde sie wahrscheinlich als Hexe bezeichnen. Doch derjenige würde dies nur mit bester Absicht tun. Denn die Dame umgibt nicht nur die selbe freundliche Aura wie ihren Mann, sondern allerhand Wissen über Kräuter, das Räuchern und energetische Heilung. Besondere Notiz am Rande: das Ehepaar aus der Hammerschmiede ist beim alljährlich stattfindenden (jedes zweite Juli Wochenende) größten Burgfest  Europas, jenem in Burghausen, das adelige Paar. Jawohl!

Ein Leben zwischen Schreibmaschine und Fußballplatz. Eigentlich Betriebswirt. Hat das ALPENFEUILLETON ursprünglich ins Leben gerufen und alle vier Neustarts selbst miterlebt. Auch in Phase vier aktiv mit dabei und fleißig am Schreiben.

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