(c) Markus Stegmayr

Caroline Kreutzberger: Transformation einer passionierten Musik-Dienstleisterin

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Caroline Kreutzberger ist herausragende Entertainerin, versierte Sängerin und passionierte Musik-Dienstleisterin in Personalunion. Musikalisch groß geworden und gereift ist sie in diversen Mikrokosmen, etwa im „Vienna Marriott“. Ebendort verband sie am gestrigen Freitag ihren „Dienstleistungsanspruch“ in der gehobenen Hotellerie mit der Präsentation ihres dritten Albums „Transformation“.

Kreutzberger hat ihr Publikum von Anfang an absolut im Griff. Sie kennt es. In- und auswendig. Im „Marriott“ am Wiener Parkring im ersten Bezirk hat sie sich nämlich mit Ausdauer und Qualität ein Stammpublikum erspielt, das zum Teil eigens wegen ihrer Performances kommt, die sie seit über 10 Jahren ebendort regelmäßig gibt.

Dabei mischt sich, so auch am Freitag, Hotelpublikum mit Unterhaltungswunsch mit Musikfreunden, die den Anspruch von Kreutzberger an Pop, Rock und gehobenen Schlager kennt und teilt. Beide Welten beherrscht sie. Punktgenaue Aufforderungen mitzusingen, mitzuklatschen oder stehend die Hüften zu schwingen werden widerstandlos ausgeführt.

Ihr Repertoire ist breit, reicht von Rockklassikern über Funk-Nummer bis hin dezent eingestreuten Liedern aus ihrer eigenen Feder, die sie zu einem guten Teil mit ihrem Produzenten Daniel Pepl komponiert hat. Dies Songs fallen weniger aus dem Rahmen, sondern reihen sich schlüssig ins Gesamtbild ein. Das wiederum macht die Wechselwirkung ihres Hotelmusik-Engagements und ihres Künstlerin-Seins nur allzu deutlich.

In diesem Mikro-Kosmos konnte sie offenkundig ihr Handwerk verfeinern: Jede einzelne Nuance jedes Songs sitzt, Bewegungsabläufe sind äußerst routiniert und wirklich zugleich spontan und keinesfalls aufgesetzt. Die „fremden“ Songs, die sie singt, formten und formen offenbar ihr Handwerk als Künstlerin: „So wie du bist“ ist feinstes deutschsprachiges Pophandwerk mit Ermutigungslyrik, das sich mit den besseren Songs von Helene Fischer messen kann und der selbstkomponierte italienischssprachige Gassenhauer „Balla con me“ umschifft die Sommerhit-Kitschgrenze eindrucksvoll.

Beim gestrigen „Season Closing“ Konzert schöpft sie mit vielköpfiger Live-Band aus dem Vollen: Bläsersätze, Drum-Soli, mächtige Gitarren und groovender Bass sind ständiger Begleiter und wirken im Dienstleistungs-Sektor dennoch nicht deplatziert. Kreutzberger will ganz offenbar mehr, fühlt sich aber in diesem Unterhaltungssektor zugleich dennoch pudelwohl.

Fraglich also, wie die die „Transformation“ zu bewerten ist, die sie auf ihrem neuen Album vorgibt zu vollziehen oder bereits vollzogen zu haben. Denn eigentlich wandelt sie sich nicht, sondern lässt aktuell Aspekte ihrer Person und ihres bisherigen Musikschaffens kulminieren. Ihr Album ist deutlich hörbar gespeist von der Schule, die ihr zahllose Hotel-Auftritte und Musik-Dienstleitungsjobs ermöglicht haben.

Diese vielen Seiten lässt sie nunmehr lediglich zur vollen Blüte kommen, wie es ihr bisher in ihrem Musikerinnenleben so noch nicht gelungen ist. Nach dem Abend, der aus zwei langen Sets besteht, fragt man sich dennoch, was als nächstes ansteht und wen man künftig überwiegend zu hören bekommt: Die Dienstleisterin oder die Künstlerin Kreutzberger. Dass sie beide Ebenen gewieft und leichtfüßig kombiniert könnte als Musik-Narrativ nämlich zunehmend auserzählt sein und Brüche sichtbarer werden, als sie es gegenwärtig sind.

* Dieser Artikel wurde ermöglicht durch eine Einladung zu Konzert und Übernachtung im „Vienna Marriott“. Beim Artikel handelt es sich dennoch um die unabhängige Meinung des Autors.

Elfenbeinturmbewohner, Musiknerd, Formfetischist, Diskursliebhaber. Vermutet die Schönheit des Schreibens und Denkens im Niemandsland zwischen asketischer Formstrenge und schöngeistiger Freiheitsliebe. Hat das ALPENFEUILLETON in seiner dritten Phase mitgestaltet und die Letztverantwortung für das Kulturressort getragen.

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