Frauen gehören hintern Kochtopf, nicht aufs Fußballfeld!

5 Minuten Lesedauer

„Ich glaube nicht, dass dieser Sport genauso populär wird wie unser traditioneller Fußball. Warum sollen auch Frauen hinter dem Ball herlaufen? Sie gehören doch hinter den Kochtopf. Meiner Frau würde ich nicht erlauben, Fußball zu spielen“, so  der Deutsche Internationale Gerd Müller, Weltmeister von 1974. „Wir empfehlen Schwimmen, Leichtathletik, Turnen oder Skilaufen. Das sind eher frauliche Betätigungen“, formulierte Max Morlock, Endspieltorschütze und Weltmeister von 1954. (Quelle: DPA & SZ) „Frauen und Fußball – das passt halt nicht. Ich mache ja auch keinen Eistanz!“, erklärte Kultkicker und Rasen-Macho Mario Basler gegenüber der BILD-Zeitung.
Sätze wie diese sind keine Seltenheit und man hört sie nicht nur zu später Stunde an diversen Stammtischen, sondern ungeniert öffentlich und selbst von prominenten Ex-Fußballern. Dennoch erreicht das aktuelle Sommermärchen (Anm. Österreichs Frauen-Nationalteam spielt heute sensationeller Weise im EM-Halbfinale gegen Dänemark) im TV unglaubliche Einschaltquoten und Sympathiewerte, die selbst Polit-Shootingstars vor Neid erblassen lassen. Ist das das endgültige Aus der Macho-Sprüche-Ära? Sind unsere fußballerischen Damen endlich erlöst von den schiefen Blicken, den Aufforderungen zum vorzeitigen Trikot-Tausch und dem einen oder anderen mitleidigen Schulterklopfer?
Frauenfußball war lange Zeit nicht einmal eine Randsportart. Randsportarten werden weitestgehend ignoriert, aber nicht kritisiert. Fußball-spielende Frauen hingegen mussten sich jahrelang der Häme ihrer männlichen Kollegen aussetzen. Selbst in den 2.000er Jahren, als Frauenfußball in diversen Ländern dieser Erde bereits professionell betrieben wurde (Anm. u.a. in Japan oder den USA), war es für Damen und Mädchen im deutschsprachigen Raum gar nicht so einfach ihrer Leidenschaft nachzugehen und ihr Talent einzusetzen. Eva Maria Dengg, Kapitänin der Damenmannschaft des Tiroler Vereins FC Wacker Innsbruck zum Beispiel, musste anno 2.000 im Zillertal darum kämpfen auf dem Platz stehen zu dürfen. Als Mädchen wurden sie der Bubenmannschaft zugeteilt. Bis zum 15. Geburtstag war das möglich, danach zu heikel. Eine Damenmannschaft zum Weiterspielen? Erstmal Fehlanzeige.
Doch woran liegt es, dass eine vermeintliche Randsportart, die ja laut Aussagen diverser männlicher Kollegen keine Beachtung erhalten sollte, so oft und so hart kommentiert wird? Wer „Kritik Zitate Frauenfußball“ durch die große Suchmaschine jagt, erhält in 0,88 Sekunden 265.000 Ergebnisse. Wer hat so etwas schon einmal beim Turmspringen, beim Faustball oder bei Eiskanufahren erlebt? Fühlt sich der männliche Teil der Bevölkerung hier etwa in seinem Territorium bedroht? Muss die Romantik des glorreichen Kämpfers, der heroische Taten vollbringt aufrecht erhalten bleiben? Wenn es Frauen auch können, für wen sollen die Heldentaten dann erbracht werden? Hat das alles mit zu großem oder doch mit zu kleinem Ego zu tun?
Fakt ist jedenfalls, dass sich die Zeiten gewandelt haben. Österreich besitzt ein eigenes Ausbildungszentrum für Frauenfußball. Mit etwas Glück und Willen vielleicht irgendwann sogar ein zweites im Westen Österreichs. Aus eigener Kraft haben sich Österreichs Frauen auf die heimischen Bildschirme und die Herzen der Menschen gespielt. Selbst Hymnen-Traditionalist und Sänger Andreas Gabalier zollt den Fußballerdamen seinen Respekt und erkennt: Österreich ist auch Heimat großer Töchter. Und Fußballer a la Mario Basler und Co. wird man unter den heutigen Profis auch kaum mehr finden. Die haben den inszenierten Helden-Epos nämlich nicht nötig und wissen genau, dass Fußball deshalb ein Volkssport ist, weil er ALLE erreicht und begeistert.

Zum Reinhören:

Frauenfußball in Österreich + eine Tirolern als Teil des Frauenfußball Sommermärchens. Moderiert von mir (Anm. Felix) und AFEU-Sport bzw. seNFL-Chef Martin.

 

Hier geht es zur vorherigen Folge von "Kleingeist und Größenwahn".

Ein Leben zwischen Schreibmaschine und Fußballplatz. Eigentlich Betriebswirt. Heute mal Autor, mal Sportmanager. Hat das ALPENFEUILLETON ursprünglich ins Leben gerufen und alle vier Neustarts selbst miterlebt. Auch in Phase vier - "Diskursplatz für Selbstdenker" - aktiv mit dabei und fleißig am Schreiben.

Schreibe einen Kommentar

Your email address will not be published.

*

code

Default thumbnail
Vorheriger Text

Wo die Ideen blühen #6: Institutskinder

Default thumbnail
Nächster Text

Ein globales Menü für viele Geschmäcker

Aktuelles aus Kategorie

Kollektive Dummheit!

Welche Evolutionsstufe muss eine Gesellschaft unterschreiten, damit man sie ungeniert und übertrieben

Haltung ist…

...Meinungen zu respektieren, aber Paralellrealitäten abzulehnen! Nicht alles was laut ist, ist