Hidden Champions vor den Vorhang

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Photo by Giorgio Trovato on Unsplash

Von Champions als Landes-, Europa- oder Weltmeistern wird vor allem im Sport berichtet. In anderen Lebensbereichen wie etwa auch in der Wirtschaft ist von Champions in der öffentlichen Wahrnehmung kaum oder nur sehr selten die Rede. Und doch kommen ihre Leistungen außer ihnen selbst auch vielen anderen Menschen zugute.

Wir nehmen es für selbstverständlich, dass Firmen wie Plansee im Außerfern, Liebherr in Telfs und Lienz, Med-El in Innsbruck, Swarovski in Wattens, Tyrolit in Schwaz, Innio in Jenbach, Novartis in Kundl und Langkampfen oder Egger in St. Johann tausenden und viele weitere Unternehmen hunderten von Menschen Arbeit und Einkommen bieten. Und doch ist es alles eher als selbstverständlich, dass sie ihre Produkte wie Hartmetalle, Baumaschinen, Kühlgeräte, Hörgeräte, Schleif- und Schmucksteine, Gasmotoren, Medikamente oder Holzwerkstoffe auf regionalen, nationalen und internationalen Märkten erfolgreich verkaufen. Fast alle dieser und vieler weiterer Produkte werden auch in den anderen, größeren wie kleineren Industrieländern hergestellt. Der weltweite Konkurrenzdruck ist ähnlich groß wie im Sport. Damit ständig neue Produkte erfunden und weiter entwickelt werden, bedarf es daher zahlreicher qualifizierter Techniker und Ingenieure. Damit diese Produkte auf den umkämpften Märkten erfolgreich abgesetzt werden können, braucht es geschickte und überzeugende Verkäufer.

Natürlich kommt jetzt der Einwand, dass es ihnen in erster Linie um eigene Interessen geht, dass Gründe wie Ehrgeiz, Anerkennung oder höhere Einkommen sie zu Spitzenleistungen motivieren. Im Unterschied zu den Spitzensportlern jedoch, die von denselben Motiven getrieben sind, profitieren in der Wirtschaft direkt und indirekt auch viele andere Menschen und letztlich wir alle von solchen Leistungen (vgl. Alpenfeuilleton vom 28. 06. 2020)

Es wäre daher hoch an der Zeit, dass diesen Menschen, denen wir einen Großteil unseres Wohlstandes verdanken, in der Öffentlichkeit mehr Aufmerksamkeit geschenkt wird. Wie wäre es, wenn etwa der ORF in Ergänzung zur täglichen Sportsendung im Anschluss an die Abend-ZIB auch eine Sendung wie „Wirtschaft aktuell“ oder „Champions in der Wirtschaft“ einrichten würde? Warum werden die Wirtschaftsseiten in den Printmedien statt mit Berichten über Handelskriege, Abgasskandale oder diverse Meinungen und Absichten von Interessensvertretern nicht mit Meldungen über die Erfolge unserer Techniker und Verkäufer gefüllt, und zwar nicht nur – wie es gelegentlich geschieht – mit einem Hinweis auf einzelne Firmen, sondern mit einer namentlichen Nennung der einzelnen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ? Dank ihrer großen Bedeutung für das Wohlergehen unserer Gesellschaft würden sie es verdienen, auf diese oder eine andere Weise als Champions vor den Vorhang geholt zu werden!

Geboren 1946 in Hohenems. Er studierte Geschichte und Anglistik an der Universität Innsbruck, wo er auch als Assistent, Dozent und seit 1993 als Professor für Wirtschafts- und Sozialgeschichte tätig war. Seit 2010 befindet er sich im Ruhestand.
>> Mehrere Forschungsaufenthalte im Ausland, u.a. an der Business School in Harvard, sowie Gastprofessuren in Salzburg, Brixen, Trient und New Orleans.
>> Forschungsschwerpunkte: Stadtgeschichte, Unternehmensgeschichte, Bedingungen wirtschaftlicher Entwicklung im österreichischen, europäischen und außereuropäischen Rahmen.
>> Publikationsauswahl: Mit der Großstadt aus der Armut. Industrialisierung im globalen Vergleich, Innsbruck 2015; Unter den Reichsten der Welt - Verdienst oder Zufall? Österreichs Wirtschaft vom Mittelalter bis heute, Innsbruck 2007; Die deutsche Wirtschaft im 16. Jahrhundert (Enzyklopädie Deutscher Geschichte 11), München 1992; Big Business in Österreich. Österreichische Großunternehmen in Kurzdarstellungen, Wien 1987; Big Business in Österreich II. Wachstum und Eigentumsstruktur der österreichische Großunternehmen im 19. und 20. Jahrhundert. Analyse und Interpretation, Wien 1990.

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