Reden wir über Football

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Wir haben Shuan Fatah, Trainer der Swarco Raiders, zum Interview gebeten. Im ersten Teil sprechen wir über den Ligastart gegen die Vienna Vikings und die AFL.

Shuan, ihr habt das erste Spiel hinter euch. Gegen die Vienna Vikings setzte es eine knappe 26:21 Niederlage. Du hast gesagt: „Da wäre mehr drin gewesen.“ Was hast du für einen Eindruck vom ersten Spiel?
Bei beiden Mannschaften sind mehrere Spieler gegangen – bei uns sechs, bei den Wienern neun. In Wien wird darüber eine Pressemitteilung gemacht, bei uns wird nicht einmal darüber geredet. Zum Spiel kann ich sagen: Wir haben uns in der ersten Hälfte sehr schlecht verkauft, in der zweiten aber gezeigt was wir können – da sind die Wiener dann geschwommen. Zwei Minuten länger und wir hätten das Spiel gewonnen.
Football lebt unter anderem von herzhaften Aufholjagden. Ihr seid zur Pause 0:13 zurückgelegen – wie geht es dir dabei an der Seitenlinie, wenn du mit 13 Punkten Rückstand in die Pause gehst? Kann man da noch ruhig bleiben?
Unterschiedlich, das kommt immer drauf an. In diesem Fall haben wir zu dem Zeitpunkt nicht unser ganzes Potential ausgespielt – was für mich heißt, dass wir nicht auf verlorenem Posten sind. Da gab es schon andere Jahre, wo man gemerkt hat, dass wir noch nicht soweit sind, um eine Aufholjagd – gerade gegen die Wiener – zu starten. In diesem Spiel haben wir ihnen Vorlagen gegeben, die sie teilweise schlecht ausgenützt haben (Anm. 2 Fieldgoals) – in der Vergangenheit hätten sie daraus Touchdowns gemacht. Da habe ich dann schon gesehen, dass wir sicherlich noch eine Möglichkeit haben da ran zu kommen, was dann auch so war.
Die Heimspiele der AFL finden heuer erstmals in Wattens statt. Wie geht’s euch damit?
Toll. Wattens ist toll. Mit Swarco ist unser Hauptsponsor dort angesiedelt. Wattens ist sehr schön – ich wohne ja auch dort. Ich sehe das auch als Dankeschön an den Sponsor. Außerdem ist das für Wattens natürlich ein Riesenevent, wenn das Stadion ausverkauft ist. Das ist ein Big Deal.
Wir haben auch schon vor meiner Zeit tolle Spiele in Wattens gehabt. Die Leute sind absolut begeistert und das Stadion ist besser als alle anderen Stadien in der AFL – obwohl es nur unser Ausweichstadion ist (lacht).
Wie geht’s dir allgemein mit der AFL? Die Tiroler Tageszeitung hat den Aufreißer gehabt: „Fatah: die AFL ist  unattraktiv“.
Das habe ich im Zusammenhang mit den wenigen Heimspiele gesagt. Wenn du so viel Aufwand und Geld investierst wie wir für vier Heimspiele, dann stimmt doch etwas nicht.
Da möchte ich einklinken: Walter Reiterer hat dich in seinem Blog auf derStandard.at zitiert, wonach du, als du damals nach Tirol gekommen bist, von der Attraktivität der AFL geschwärmt hast, obwohl die Raiders damals nur drei Heimspiele hatten.
Ich interessiere mich nicht wirklich für Walter Reiterer und seine Arbeit. Fakt ist, als ich damals hierherkam, war die Liga sehr attraktiv. Es gab beinahe jährlich einen wechselnden Champion und die Raiders, Vikings, Giants und Dragons lieferten sich ein Kopf-an-Kopf-Rennen.
Gegen Salzburg hat man ja nur mit zwei, statt vier Legionären spielen dürfen.
Ja, da hab’ ich damals meine Meinung nicht wirklich kund getan. Aber hätte man mich damals gefragt: ich hätte auch gesagt – das ist ein Witz. Muss man ehrlicherweise so sagen.
Aber Fakt ist jeder weiß, dass die Liga mit dem Aufwand und nur vier Heimspielen unattraktiv ist. Das heißt aber nicht, dass sich die Vikings und die Giants nicht Mühe geben, das meinte ich nicht. Für die Kohle die wir hier investieren, trotz Amateursport, und den Jungs die zwölf Monate durchtrainieren und im Kraftraum sind ist das zu wenig. Denen muss ich dann sagen: „ihr habt vier Heimspiele! Stellt sicher, dass eure Familie auch eines sieht“. Weil das ist ganz schnell vorbei.
Die „Unattraktivität“ sah man auch im ersten Spiel gegen die Vikings
Ja das war ein Beispiel dafür, das war nicht besonders schön. Das ist natürlich auch der frühen Saison geschuldet, aber du hast halt viele dropped Balls. Wien hatte zwei Interceptions. Der Thury (QB Vikings) hätte vier werfen können – wir haben zwei fallen gelassen. Vier Interceptions! Da kannst du mir erzählen was du willst, die haben wir in den Händen gehabt die Dinger. Ihm (Thury) wird eine gute Leistung zugeschrieben – wenn du dir das Video anschaust, dann siehst du, dass wir den Ball vier- oder fünfmal picken können. Und dann ist das eine andere Leistung. Aber sie legen den Mantel des Schweigens drüber und sagen das ist alles schön und superinteressant für die Leute.
Wir standen da auf der Hohen Warte – ich habe da schon in großen Spielen gecoacht, wie das Eurobowlfinale.
Mit Berlin noch
Ja, und wenn ich das vergleiche, dann war das ein Trauerspiel. Da war gar nichts, nicht einmal die Leute waren lila (angezogen). Alle schwarz.
In Wien gibt es ja mittlerweile mehrere Vereine, die sich von den Vikings separieren..
Es gibt sehr wohl sehr helle Köpfe in Wien, die die Problematik sehen: Rangers und unterklassige Vereine. Wir haben jetzt fünf Minuten darüber gesprochen: Aber mich fragen die Leute im Endeffekt nach meiner Meinung. Die sage ich und dann ist es das auch, ob es denen da drüben gefällt oder nicht. Ich weiß, dass da vieles gemacht worden ist in den letzten Jahren, an Regelwerk und man sieht ja die Folgen: eine von zwei Teams dominierte Liga. Das war vorher nicht so: 2011 waren wir Meister, 2010 die Dragons, 2009 die Vikings – überraschend und davor die Giants. Das war eine sehr ausgeglichene Liga. Aber für uns ist auch die internationale Klubmeisterschaft wichtig, für Tirol ist das wichtig.

Im zweiten Teil geht es um die Battle-4-Tirol, eine von den Raiders ins Leben gerufene Liga, die am Sonntag mit einem Spiel gegen die Stuttgart Scorpions startet.

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