Die erzwungene Revolution des Streamings

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Musikstreamingdienste boomen nicht erst seit gestern: iTunes und Spotify sind praktisch von fast Jedermann in Verwendung. Jetzt will ein weiterer Anbieter die Krone erobern und auch gleich die Musikindustrie revolutionieren: Jay-Z mit Tidal!

Wie kann man sich einen Tag im Leben von Jay-Z vorstellen? Erfolgreich seit jeher mit seiner Musik, über das Privatleben muss man nur ein Wort verlieren – Beyonce – und schwerreich dank Platten- und Modelabel. Was macht Jay-Z in seiner Freizeit? Einen Basketballklub kaufen – die Brooklyn Nets – einen der erfolgreichsten Basketballer zu managen – Kevin Durant – und neuerdings in kleine Start-Ups zu investieren. So geschehen mit dem schwedischen Asprio, dass er sich im Jänner für 56 Millionen US-Dollar kaufte. Aspiro bietet den Streamingdienst Tidal und den, zumindest den in Skandinavien beliebteren, WiMP („Wireless Music Player“) an. Über eine halbe Million Menschen nutzen WiMP.

Türkis als Zeichen Tidals

Wer in den sozialen Netzwerken Jay-Z, Beyonce oder Coldplay folgt wird sich am Montag gewundert haben, warum deren Titelbild auf einmal ein türkis Quadrat war. Jay-Z und seine Kumpanen wollten damit eine Welle der Solidarität auslösen: Tidal soll die Musiker ehrlich und gerecht zahlen – die einfache Botschaft des Streamingdienstes: Die Musik soll zu den Künstlern zurückkehren und nicht länger in den Händen der bösen Musikindustrie liegen. Also wird vom historischen Tag gesprochen – Kanye West, Rihanna, Alicia Keys, Madonna, Nicki Minaj, Jack White – alle kamen um ihre Unterstützung zu diesem Projekt auszudrücken.

Tidal wirbt mit Musikdateien von CD-Qualität, also einer Übertragung von 1411 kpb/s (Kilobit pro Sekunde). Spotify und iTunes beispielsweise übertragen mit einer Frequenz von 256 kbp/s . Höhere Übertragungsgeschwindigkeit bedeutet auch höhere Kosten für den Nutzer: Satte 19,99 Euro  im Monat muss man für die bestmögliche Qualität hinblättern. Musikdateien in Standardqualität (320 kbit/s) wird für 9,99 Euro im Monat angeboten. Das entspricht dem Spotify-Preis.

Wo verfügbar, was gibt’s und wie geht’s weiter?

Tidal startete logischerweise in den USA, Großbritannien, Deutschland und auch Österreich und darüber hinaus noch in 26 weiteren, meist europäischen Ländern. Es wird mit über 25 Millionen Songs und 75.ooo Videos geworben, exklusive Interviews , Beiträge und Empfehlungen von Künstlern sollen auch verfügbar sein. Was Tidal allerdings massiv von Spotify unterscheidet, ist die fehlende Möglichkeit den Dienst gratis zu nützen. Dafür kann man dort Taylor Swift hören, die ja erst vor kurzem grantig alle Titel von Spotify entfernen ließ.
Ob sich das Konzept durchsetzen und Jay-Z wirklich nachhaltig die Musikindustrie verändern kann, wird sich erst herausstellen. Der Umgang mit Content im Netz lässt viele Medien verzweifeln und zwingt diese zu neuartigen Methoden. Was sicherlich zu beobachten ist, ist die Bereitschaft für legalen Content zu zahlen. Zu beobachten im Felsentor: Illegale Streamingseiten sind seit dem Start von Netflix und Co beispielsweise im Rückgang. Zweifellos ist damit die Piraterie besiegt aber man ist auf einem guten Weg. Allerdings müssen auch dort noch viele Dinge geregelt werden: Netflix-Chef Reed Hastings fordert etwa die Abschaffung der Länderbeschränkungen.
Prinzipiell sind immer mehr Menschen dazu bereit für Musik-, Film- und Medieninhalte zu zahlen. Netflix ist kostengünstig und lässt mich jederzeit das sehen was ich will (Stichwort: GIS-Gebühr). Die derzeitigen Verhältnisse sind auf die Schnelllebigkeit und das fehlende Know-How zurückzuführen. Der rasante Aufstieg des Internets und die Entwicklung sozialer Medien schufen neue Wege der Kommunikation. Ein Medium wie der ALPENFEUILLETON wäre vor sechs Jahren noch undenkbar gewesen. Der Inhalt eines Mediums wird derzeit fast ausnahmslos gratis online angeboten, während man für die gedruckte Version zahlen muss. An das hat man sich gewöhnt, es wird vom Zeitungssterben gesprochen. So sicher wie die Zeitung nicht sterben wird, wird man in naher Zukunft auch für seinen Inhalt online zur Kassa gebeten und das ist auch gut so. Schließlich müssen die Redakteure, Autoren und Verleger auch davon leben können. Was man noch nicht sagen kann ist, was die Zukunft bringen wird. Facebook und Co wird nicht verschwinden sondern sich den Nutzern mehr und mehr anpassen.
Die Filmbranche hat scheinbar ein Mittel gefunden, Musik- und Medienlandschaft suchen noch nach einem Rezept. Jay-Z hat mit der Creme-de-la-Creme der Branche sicherlich für die aufsehenerregendste Pressekonferenz seit Band Aid erschaffen und eine riesige PR geschaffen. Spannend bleibt wenn Apple und Beats by Dre nachziehen. Auch dort will man im Sommer einen neuen Streamingdienst anbieten. Spotify wird dauerhaft die Nummer Eins in Sachen Musikstreaming bleiben, Angebot und Preis stimmen einfach. Tidal muss mit dem Prei dringend runter und die heuchlerische Attitüde loswerden. Denn ganz glauben kann man Jay-Z und Co’s Weltverbesserungsvorschlag nicht.

Bild: Screenshot / Youtube

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