NFL Woche 9: drei gegen den Rest

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Gut, beginnen wir gleich mit dem Kracher: Carolina Panthers – Green Bay Packers. Die Packers mussten in der vergangenen Woche gegen Denver ihre erste Saisonniederlage einstecken und fielen damit aus den „glorreichen Fünf“ ungeschlagenen Teams heraus. Nur allzu gerne wollten sich Rodgers und Co. rächen, optimalerweise sollten die Panthers herhalten müssen. Aber nein, es passierte nicht. Green Bay kam ganz schwer aus den Startlöchern, schaffte zwar im ersten Viertel einen Touchdown, konnte dann aber nicht mehr zeigen. Erinnerungen an das Spiel gegen die Broncos letzte Woche (nur 140 total Yards!) wurden wach, gerade auch, weil die Panthers und QB Cam Newton ohne Skrupel scorten. Ja es schien ein richtiges Blowout zu werden. 27-7 zur Pause, Rodgers komplett aus dem Spiel genommen, was sollte noch schief gehen? Green Bay in Form von Randall Cobb zeigte sich aber unbeeindruckt von der schwachen ersten Halbzeit und brachte die Packers mit diesem schönen Touchdown wieder heran:
Doch auch die Panthers machten einfach weiter, schrieben ein Field Goal an und bauten mit einem weiteren Touchdown im vierten Viertel, ihre Führung zum 37:14 aus. Green Bays Secondary ist nicht vorhanden. Das ist kein Geheimnis mehr und kann zu einem großen Problem werden. Kurz zu den Zahlen: Cam Newton brachte es auf 297 Yards, drei Passing-Touchdowns und einen Rushing-TD, Aaron Rodgers warf trotz sehr schwacher erster Halbzeit noch sagenhafte 396 Yards und insgesamt vier Touchdowns! Ja, die Packers kamen noch einmal ran, was nicht jeder Fan besonders prickelnd fand.
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Beim Stand von 37:29 bekamen die Packers durch eine Interception, zwei Minuten vor Schluss den Ball knapp vor Carolinas Redzone. Eigentlich aufgelegt für Rodgers, es sollte aber schlussendlich nicht reichen. Carolinas Defensive und Cam Newton gepaart mit Greg Olsen lassen die Panthers weiterhin auf Wolke 7 schweben. Seattle und Green Bay bissen sich unter anderem die Zähne aus, die NFC South ist ihnen quasi jetzt schon sicher. Green Bay verliert zwei Spiele hintereinander und ist plötzlich nur noch am geteilten ersten Platz in der NFC North. Warum?
Die Minnesota Vikings stehen plötzlich auf 6:2. Still und heimlich gewannen die Mannen um Adrian Peterson ihre letzten vier Spiele und dürfen sich damit – zumindest in dieser Phase der Saison – durchaus noch Hoffnungen auf ein Wildcard-Game machen. Wobei, wer sagt denn, das Green Bay da so drüber fährt? Gegen die St. Louis Rams kam es zum Duell zwischen Peterson und seinem „Nachfolger“ Todd Gurley. Der Rookie drückt dem Spiel der Rams seinen Stempel auf und lief in seinen ersten vier Spielen für 566 Yards! Gestern wars dann nicht ganz so spektakulär, den Rushing-Sieg holte sich Peterson mit 125 Yards gegenüber 89 von Gurley. Beide konnten aber einen Touchdown erzielen. Das Spiel war sonst verhältnismäßig spannend, wenn auch kein Highscore-Game. Die Vikings verloren zudem ihren QB Bridgewater wegen des Verdachts einer Gehirnerschütterung. Beim Stand von 18-18 gings in die Overtime, Walsh konnte aus 40 Yards das Siegbringende Field Goal erzielen.

Spannung in New Orleans – die Geburtsstunde eines Großen?

Die New Orleans Saints gingen nach dem Thriller gegen die Giants, mit breiter Brust in ihr Heimspiel gegen die Tennessee Titans. Die Saints stehen nach einem schwachen Start mittlerweile bei 4-4, Tennessee bei 1-6 inklusive neuem Headcoach. Titans QB Mariota feierte gegen NO sein Comeback und sollte einen großen Abend erleben. Wirklich, der Junge ist einfach unglaublich und straft alle Lügen, die ihn vor der Saison als zu klein und zu wenig NFL-tauglich abstempelten. Zugegeben, die Saints Defensive ist wirklich kein Prachtstück.
Das schöne an Spielen der Saints ist die Vorhersehbarkeit des Unvorhersehbaren. Brees und sein Arm sind Waffen die jeder Defensive schmerzen bereiten. Allerdings folgt auf einen Touchdown der Saints in der Regel ein TD von ihren Gegnern. Eben wegen der schwachen eigenen Defensive. Auch gegen die Titans wurde dieses Spiel fortgesetzt: Brees legt vor, Mariota nach. Wenn auch mit uner sehr kurios.
Auch hier ging es nach einem gewaltigen 28:28 in die Nachspielzeit. Mariotas Stern, wenn er nicht schon früher aufging, ist spätestens hier zu seiner gänzlichen Entfaltung gekommen. Ein Touchdown auf Anthony Fasano entschied das Spiel. Mariotas Bilanz: 371 Yards, vier Touchdowns, null Interceptions. Gut, er muss sich bei Walker (siehe oben) bedanken, dieser und auch ein weiterer Pass hätten durchaus auch abgefangen werden können. Trotzdem, wie der Rookie mit der Lautstärke im SuperDome umging war sehr, sehr abgebrüht. Tennessee schicken die Saints auf 4-5. selbst steht man bei 2-6.

Das geilste Team der Liga

Die Pittsburgh Steelers baten die Oakland Raiders zum Spiel und wollten wieder auf die Siegerseite zurückkehren. Letztes Jahr eine klare Angelegenheit, sind die Vorzeichen heuer ganz andere: die Raiders sind unter Neo-Coach Jack del Rio wieder richtug dick im Geschäft (für ihre Verhältnisse) und haben eine Offensive, die jede Zunge schnalzen lässt. Defensiv gibts immer wieder Probleme bzw. gegnerische Receiver, die selbst trotz doppelter Manndeckung Bälle fangen und enorme Raumgewinne erzielen können. Der Wahnsinn hat einen Namen: Antonio Brown. Was müssen sich Fantasy-Brown-Owner freuen, endlich sind Big Ben und Brown wieder vereint. Roethlisberger scheint auch gar keinen anderen Receiver mehr zu kennen, gestern war Brwon ständig sein Ziel. Brown markierte in der ersten Halbzeit sage und schreibe 180 Yards!
Das Spiel begann untypisch: die Raiders gingen nach einem schönen Pass von Carr auf Crabtree in Führung, die Steelers antworteten mit einem Field Goal. Währenddessen immer wieder Pässe auf Brown. Dann großer Auftritt DeAngelo Williams. Der Vertreter von Le’Veon Bell überzeugte durch ein unglaublich dominantes Laufspiel und erzielte im zweiten Viertel zwei Touchdowns. 170 Rushing Yards dazu noch 55 Receiving Yards. Ein Fantasy-Albtraum. Die Raiders antworten mit Amari Cooper und Walford. Dann plötzlich findet Big Ben einen anderen Receiver: Martavis Bryant.
Und weil die neuen Raiders leider doch noch oft wie die alten Raiders aussehen, passieren auch kuriose Sachen. Beim anschließenden Kickoff, fumblete der Returner, Big Ben fand Jesse James (ja das ist ein Tight End) und baute die Führung aus. Die Raiders konnten in Folge nichts zählbares aufs Board bringen. Dann kam wieder Pittsburghs Glück zurück: Nach einem Tackle musste QB Roethlisberger von zwei Kameraden gestützt in die Kabine gebarcht werden. Knöchelverletzung. Auf der anderen Seite verletzte sich RB Murray, sein Backup Olawale sorgte für den Anschluss TD. Die Raiders waren wieder knapp dran, schafften durch Crabtree abermals einen TD und damit den Ausgleich. Noch mehr war drin, QB Carr warf aber in der RedZone eine Interception. Es roch nach Overtime. Dann wieder großer Auftritt Brown 57 Yards. DeAngelo Williams lief bis an die 1. Boswell verwandelte das siegbringende Field Goal. 35:38.
Die Raiders sind damit bei 4-4 könnten, vl sollten, aber bei 6-2 stehen. Das Team macht auf jeden Fall enorm viel Spaß, QB Carr ist in seiner zweiten Saison abgebrühter als so mancher Veteran. Mit Cooper und Crabtree harmoniert er sehr gut. Coach Jack del Rio hat in Oakland wirklich was weitergebracht, schwierige Charaktere wie Crabtree und Aldon Smith funktionieren in Oakland. Das macht Spaß denen zuzuschauen. Wenn das so weitergeht ist die Wildcard fix.

Ungeschlagen bleibt ungeschlagen – oder auch nicht

Schon vergangenen Donnerstag bauten die Cincinnatti Bengals ihren Record auf 8-0 aus. Auch Johnny „Football“ Manziel konnte da nichts dagegen machen. Die Cleveland Browns wurden somit das achte Opfer der bengalischen Tiger. Wo geht die Reise für die Bengals hin? Was schaffen sie heuer? Mit 8-0 ist man quasi im Playoff. Dort waren sie die letzten vier Jahre auch immer. Allerdings konnte QB Andy Dalton noch nie einen Playoff-Sieg einfahren. Das unterscheidet ihn eben unter anderem auch von Tim Tebow. Dalton hat heuer mit WR A.J. Green, den RBs Giovani Bernard und Jeremy Hill sowie Tight End Tyler Eifert wirklich eine brauchbare Offensive. Die Line steht auch sehr gut, die Defensive ist durchaus beachtlich. 8-0 ist eine Ansage.
Keine große Mühe hatten die New England Patriots mit den Washington Redskins. Zu Beginn gleich zwei Touchdowns, ließen es die Patriots gemächlicher angehen. QB Tom Brady warf zwei Touchdowns und eine Interception. Das kommt auch nicht alle Tage vor. Die Patriots spielen so routiniert, man verzeihe mir, wenn sie nicht sehr ausführlich behandelt werden. Das Team bleibt der große Favorit auf den Super Bowl, so fern alle (Brady!) verletzungsfrei bleiben. Bengals und Patriots also auch auf 8-0. Bleiben noch die Denver Broncos.
Es kam zur Neuauflage des Divisonal Playoffs 2014: Die Indianapolis Colts empfingen die Denver Broncos. Ein Spiel das unter besonderer Beobachtung stand, Altmeister Peyton Manning könnte in diesem Spiel Brett Favre weitere Rekorde wegnehmen. Mit einem Sieg würde er zum erflogreichten QB aller Zeiten aufsteigen (186 Siege in der regular Season), wirft Manning insgesamt 284 Yards würde er zudem zum All-Time Passing-Leader aufsteigen (71.838 Yards – Brett Favre). Es sollte anders kommen, in der ersten Halbzeit vernichtete Indi QB Luck die Broncos, 17-7 und die sieben gabs für Denver auch nur durch einen Punt-Return Touchdown. Wie ausgewechselt spielte Manning in der zweiten Halbzeit brachte schöne Pässe an, aber auch zwei Interceptions. Dennoch, die Broncos blieben dran, glichen in der Zwischenzeit zum 24:24 aus, ehe sie sich am Ende durch ein FG trotzdem den Colts mit 27:24 geschlagen geben mussten. Die Colts fügten also den Broncos die erste Saisonniederlage zu. Manning muss auf weitere Einträge in die Geschichtsbücher noch warten: er verpasste den Passing-Rekord um magere drei Yards.

Noch zwei Sachen

Colin Kapernick musste diese Woche auf der Bank Platz nehmen. Nicht weil er verletzt ist, sondern einfach in der Krise steckt. So erklärt man es sich zumindest bei den San Francisco 49ers. Blaine Gabbert heißt der Mann, der gegen die Atlanta Falcons das Spiel führen sollte. Ein kurioser Zug, viele sehen darin eine Chance auf den Overall #1 Pick im Draft nächstes Jahr. Aber die Goldhelme lassen sich nicht so einfach unterkriegen. Gabbert wirft 185 Yards, zwei Interceptions aber auch zwei Touchdowns. Nicht schwach. Und weil die Falcons aus irgendeinem Grund einbrechen, gewinnen die 9ers das Spiel auch noch mit 17:16. Weg ist der 5-0 Start, die letzten beiden Partien verlor man gar. Die Bye nächste Woche kommt da gerade recht.
Die Dallas Cowboys spielten und verloren gegen die Philadelphia Eagles 27:33. Tränen wird’s sicher wieder einige gegeben haben beim „All-American Team“. Ich will gar nicht zu sehr auf das Spiel eingehen (sry an die Eagles Fans – aber hey, Murray hatte ein gutes Spiel!) sondern auf Greg Hardy.  Der Defensive End wurde 2010 von den Panthers gedraftet und spielte 2013 im Pro Bowl. Im Mai 2014 wurde Hardy verhaftet weil er seine Freundin zusammengeschlagen hat. Besser gesagt: Hardy warf sie gegen die Badewanne, danach auf ein mit Waffen belegtes Sofa und versuchte anschließend sie zu ersticken. Dafür wurde er im Juli 2014 schuldig gesprochen und verurteilt. Er legte Berfung ein und kam damit durch, da seine Ex-Freundin nicht auffindbar war. Panthers Coach Ron Rivera sprach noch mit den Medien, er hätte kein Problem Hardy spielen zu lassen, dennoch entlißen die Panthers Hardy im September 2014. Im März 2015 gaben die Cowboys Hardys Verpflichtung bekannt – ein Jahr, 11,3 Millionen Dollar. Im April kam dann die NFL zum Entschluss Hardy wegen Verletzung der Liganormen für zehn Spiele zu suspendieren. Im Juli reduzierte man die Strafe auf vier Spiele. Eine super Geschichte für Hardy.
Schon in seinen ersten Spielen für die Cowboys machte Hardy mit Gesten gegen seine Mitspieler und Tätlichkeiten gegen seine Trainer (Clippboard aus der Hand schlagen) auf sich aufmerksam. Letzte Woche wurden die Polizeibilder vom Angriff Hardys auf seine Ex-Freundin veröffentlicht. Vier Spiele Sperre. Die Liga hat nichts gelernt aus Ray Rice und Co und steckt in einem gehörigen Dilemma. Die Cowboys in Form von Owner Jerry Jones reagieren so:


Ich lass das unkommentiert und begebe mich Richtung Woche 10.

Die Ergebnisse:

Cleveland Browns @ Cincinnatti Bengals 10:31

Miami Dolphins @ Buffalo Bills 17:33
Green Bay Packers @ Carolina Panthers 29:37
St. Louis Rams @ Minnesota Vikings 18:21
Wahsington Redskins @ New England Patriots 10:27
Tennessee Titans @ New Orleans Saints 34:28
Jacksonville Jaguars @ New York Jets 23:28
Oakland Raiders @ Pittsburgh Steelers 35:38
New York Giants @ Tampa Bay Buccaneers 32:18
Atlanta Falcons @ SF 49ers 16:17
Denver Broncos @ Indianapolis Colts 24:27
Philadelphia Eagles @ Dallas Cowboys 33:27
Chicago Bears @ San Diego Chargers

Titelbild: Facebook / NFL; Wer Twittern will findet den Autor hier.

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