Hamburger Liebe und Elbharmonie

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Endlich strömt die Luft wieder. Die Enge weicht. Mein Atmen wird tiefer und der Sauerstoff erreicht die Lungen. Die Panik schwindet. Ein Rauschgefühl tritt ein. Ich spüre Freiheit, Wohlsein, Leben. Lang ersehnte Ruhe. Gelassenheit. Ich fühle mich leicht. Trotz der Schwere in den Gliedern. Endlich hier. Endlich Hamburg.
Fliegen war noch nie das meine. Den eigenen Körper in zehn Kilometer Höhe zu katapultieren, Luftlöchern und Turbulenzen auszusetzen und auf die Gesetze der Physik zu vertrauen, kann nicht gesund sein. Auch diesmal ging alles glimpflich aus. Halbwegs zumindest. Die Landung war ruppig, aber erfolgreich. Der Koffer lies nicht lange auf sich warten und auch der Weg ins Hotel war ein kurzer. Reeperbahn 1a. Wo sonst sollten wir wohnen? Drei Nächte Hamburg. Drei Tage. Ganz nahe am Nabel der Stadt. Hanseatische Straße des Glücks. Wir mitten drin.

Auf der Suche nach Liebe

In den letzten Wochen war die Liebe Dauerthema in meinem Kopf. Nachts in meinen Träumen zog sie hässlich, süße Fratzen, verführte, ließ mich hoffen, sehnsüchtig bangen und flehen. Morgens rieb ich mir die Augen, stapfte vor den Spiegel, stieß mir die Zahnbürste in den Rachen, würgte, hustete und dachte an längst vergangene Tage. Sich selbst zu lieben, scheint die höchste Form der Liebe, sagen Therapeuten und Magazine. Ich kann das glauben und auch verstehen. Und dennoch braucht der Mensch die zärtliche Berührung eines gegenüber. Das sanfte Streichen und Fallen lassen können. Das Vertrauen in das eigene Wesen. Die zweite Säule die alles im Gleichgewicht hält. Den Zuhörer, der auch nach Stunden noch die Ohren spitzt. Den Partner, der Fehler verzeiht, Höhen gemeinsam erklimmt und tiefes Fallen als Preis dafür erträgt. Der Mensch braucht die bessere Hälfte, die Vollkommenheit erst erstrebenswert erscheinen lässt und Gemeinsames vor Eigeninteresse stellt.
Liebe. Fünf oft missbrauchte Buchstaben. Beschmutzt, verdreht, verkauft, umkämpft. Liebe. Die Triebfeder hinter jeder Erfindung, jeder Innovation, jeder Kunst. Der Motor eines jeden Buches, Textes, Stückes. Liebe. Der Grund wieso wir leben. Stundenlang habe ich versucht sie zu verstehen. Sie hinterfragt, verleugnet und verflucht. Doch erste nach jenem Atemzug der salzig, herben Luft. Nach dem Blick auf hunderte von Kränen, Wolkenschleier, Elbe. In dem Moment kam die Erkenntnis. Eine Stadt, in der das Bier einen Anker im Herzen trägt, in der die Zeit für Journalismus mit Qualität steht und Laufhäuser als Sportanlage für Glücksgefühle dienen, kann nur die wahre Liebe sein. Hamburg meine Perle. Du wunderschöne Stadt. Wir waren also mitten drin. Irgendwo zwischen Alster und Elbe. Nahe an Altona und voll am Kiez. Ein kurzer Rundgang.

Auf den Spuren der Geliebten

Wer in Hamburg landet und danach die öffentlichen Verkehrsmitteln nutzt, der bekommt diese Tafel zu sehen. Die Spinne von Hamburg. Mit der S1 geht es in Richtung Innenstadt. Richtung Landungsbrücken.
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An den Landungsbrücken angekommen, eröffnet sich erstmals das Tor zur Welt. Der Hamburger Hafen. Grau in grau. Dominant. Schwere Maschinen. Kräftige Kräne. Noch kräftigere Hafenarbeiter. Ein Osttiroler springt mir ins Bild.
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Hamburg ist eine Welststadt. Mit eigener Europa Passage. Zentraler Punkt an der Binnenalster. Shopping-Meile für jedermann und dankbarer Weg in Richtung Bahnhof, wenn es regnet.
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Nach stundenlangem Marsch, quer durch die nördliche Hansestadt, haben wir uns alle eine Kräftigung verdient. Wer wissen will, wo es Hamburgs besten Burger gibt, so beliebt, dass das Lokal um 19:00 Uhr bereits bis auf den letzten Platz ausverkauft war, schreibt hier unter den Artikel zumindest das Wort „Burger“.
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Sollten genug Leute das Wort „Burger“ unter den Artikel posten (ob direkt hier oder via Facebook ist eigentlich egal), dann gibt es einen Text zum Thema „Burgasm – so funktioniert Burger“. Inklusive AFEU-Fast(food)-Geheimtipp für jeden Hamburg Touristen.
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Wer abends Burger isst, sollte sich in der Früh einen frischen Bagel streichen lassen. Mit liebe getoastet. Mit Herz garniert. Frisch serviert. Wo? Interessiert euch das? Dann verraten wir es euch gerne in einem nächsten Artikel.
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Kurzzeitig bleibt dann wieder die Luft weg. Im Stiegenhaus. Beim Lift. Dort wo die Zeit Inbegriff für Qualität ist und Journalisten in der Kantine „Viva con Agua“ trinken.
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Die Medienszene ist seit „Paris“ näher zusammengerückt. Bei Gruner und Jahr, Verlagshaus von Stern, Neon, Geo und Co, setzen die Autoren deutliche Zeichen. Fensterweise.
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Schaulustige Osttiroler fotografieren öffentliche Grill-Anlagen. Für einen Euro prutzeln am Münzgrill Journalisten und Touris ihre Schenkel. Outdoor-Adventure-Gastro-Tipp.
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Abends muss man nach Hamburg Ottensen. Dorthin wo die Reeperbahn-Meute nicht findet und die Hipster nicht hinwollen. Hier hat man Ruhe, angenehme Bars, gesellige Menschen. Hamburg Flair. Jever und Astra vom Feinsten.
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Wer am nächsten Tag erst zum Sonnenuntergang wieder wach wird und den Balkon von Altona besucht, der bekommt dieses Bild zu sehen. Hamburgs Bergkulisse. Kräne aus Stahl vor blutroter Sonne. Hanseatische Romantik in Elbkultur.
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Teilweise mit Autos davor.
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Dieser Anblick gehört verdaut. Am besten bei einem Kumpir. Davon gibt es in der Hansestadt jede Menge. Nach Art des Hauses, exotisch und klassisch. Bei Kartoffelköpfen und -liebhabern gleichermaßen beliebt.
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Kurz vor dem Abflug bleibt mir wieder die Luft weg. Ein letzter Blick in Richtung Elbe. Ein letztes Ausatmen. Alte Liebe rostet nicht. Ein Rauschgefühl tritt ein.
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Ein Leben zwischen Schreibmaschine und Fußballplatz. Eigentlich Betriebswirt. Hat das ALPENFEUILLETON ursprünglich ins Leben gerufen und alle vier Neustarts selbst miterlebt. Auch in Phase vier aktiv mit dabei und fleißig am Schreiben.

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