Ludwig Steiner-Widerstand und Wiederaufbau

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Ludwig Steiner war gebürtiger Innsbrucker. Sein Vater machte aus seiner Ablehnung gegenüber dem Nationalsozialismus keinen Hehl. Das hatte zur Folge, dass sein Sohn mehrere Male von der Gestapo aus dem Unterricht geholt und verhört wurde. Wenn er von dieser Zeit berichtete, wie verstörend diese Momente für ihn waren, wird wieder einmal deutlich, wie unmenschliche diese Zeit war. Auch er übernahm die Ablehnung seinen Vaters, der das Regime aus religiösen Motiven nicht unterstützen wollte. In einem ORF Interview sagte Steiner, sein Widerstand war eine jugendliche Anti-Reaktion, auf Grund seiner Erziehung und der Vorkommnissen mit der Gestapo. Auch meinte er, dass diese Ereignisse ihm die Ablehnende Haltung, die zum Widerstand führte leicht machten und er selbst nicht wisse, was geschehen wäre, wäre er in dieser Zeit „normal“ aufgewachsen. Letztendlich schloss er sich 1943 der bedeutendsten Widerstandsgruppe, der O5 an. Unter dem späteren Landeshauptmann von Tirol und Aussenminister Karl Gruber, der gegen Ende des Krieges die Tiroler Widerstandsbewegung anführte, war Ludwig Steiner bei der Befreiung Innsbrucks dabei. Er war derjenige, der unter Lebensgefahr den Amerikanischen Soldaten Richtung Seefeld entgegenfuhr, um ihnen zu berichten, dass Innsbruck befreit und das Landhaus wieder übernommen wurde. Er erzählte von diesen Tagen stets, als ob es eine Selbstverständlichkeit war, sein Leben für ein freies Österreich zu riskieren.
Später wurde er Sekretär von Karl Gruber und kam durch ihn nach Wien und damit in das Kabinett unter Julius Raab. Er war bei den Verhandlungen mit den Siegermächten beteiligt und auch, als im Jahr 1954 der Staatsvertrag fast gescheiter wäre, als die Sowjetische Union einer gewissen Überzeugung bedarf. Auch nach der Unterzeichnung blieb Steiner im Parlament und Aussenministerium unter anderem als Botschafter in Zypern, Griechenland und Bulgarien. Seine letzte Aufgabe für die Republik Österreich war als Vorsitzender des Komitees des österreichischen Versöhnungsfonds, der ehemalige KZ-Zwangsarbeiter entschädigen sollte.
Sein Leben widmete Ludwig Steiner des Wiederaufbaues Österreichs und dem Einsatz für Minderheiten in Österreich und Südtirol. Wenn man sich sein politisches Schaffen anschaut, ist man in erster Linie überwältigt von so viel Engagement und Hingabe für seien Überzeugungen. Was an der Person Ludwig Steiner aber wirklich imponiert ist seine Bodenständigkeit. Bei all seinen Fernsehinterviews hatte er immer ein Lächeln auf den Lippen, reflektiere sich selbst und brüstete sich niemals mit seinen Taten. Er erzählte die Geschichte aus seinen Augen, aber niemals als der große Befreier, sondern als Mensch, der seinen Überzeugungen folgte und lediglich seinen Beitrag leistete. Ein bedeutender Zeitzeuge ist gestorben, dessen Lebenswerk ein Vorbild für Generationen ist.

Titelbild: Solari / Wikipedia

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