2 Zillertaler „Dirndln“ mit 6 pubertierenden „Ausländern“…

3 Minuten Lesedauer

Matthias Rankov (22)


Ich kenne Matthias nun seit fast zehn Jahren. Wir lernten uns bei einem Schauspielkurs im Tiroler Oberland kennen. Damals hieß er noch Matthias Wurm und dass er aus dem Zillertal kam, merkte man schon am „Ckriaß di“. Er fuhr also einmal wöchentlich für drei Stunden Schauspiel drei Stunden nach Haiming und dann wieder drei Stunden zurück nach Bruck. Manchmal verpasste er auch seinen Anschluss in Jenbach und dann ging er halt zwei Stunden zu Fuß nach Bruck. Aber er wollte ja Theater machen und bei ihm im Zillertal gab es sowas einfach nicht. In der doch sehr überschaubaren Tiroler Theaterszene trafen wir uns später immer wieder. Heute arbeitet er neben seiner Ausbildung schon als Theaterpädagoge am Wiener Volkstheater und macht eigene Projekte wie eben „meine. deine. unsere. WELT“.


meine.deine.unsere.WELT


„I wollt friaga g’scheids Theater im Zillertal mocha und des hot’s nit geb’n. Jetzt moch i’s holt selba.“, hieß es in der Fragerunde nach der Aufführung. Matthias spricht heute übrigens auch astreines Hochdeutsch. Dass das möglich ist, habe ich vor zehn Jahren noch ausgeschlossen. Aber im Innsbrucker Westbahntheater durfte man im Anschluss Zillertalerisch reden. Immerhin ging es um Heimat.
Für 14 Tage lachten, tanzten und weinten acht Jugendliche, eine Woche in Bruck und eine Woche in Innsbruck. Alles für ein kurzes Theaterstück. Eine der Zillertalerinnen sagte: „Der Matthias hat g’sagt, in zwo Wocha werd ma nit gor a so viel zammbringa, aber liaba a 20 Minuten was G’scheits, als zwoa Stund a Schaß.“ Und es wurden fulminante 20 Minuten. Die Truppe strampelte, strandete mit acht persönlichen Geschichten und am Ende tanzten Ensemble und Publikum gemeinsam zu Pharrell Williams „Happy“. Einwandfreies, energetisches, junges Theater, an dem sich so manches eingerostetes Jugendtheater ordentlich was abschauen kann. Acht Persönlichkeiten, die Strahlen ins volle Haus brachten das über Omas „Guat habt’s g’spielt!“ weit hinaus ging.


Warum das Ganze?


Matthias ist selbst adoptiert aus Bulgarien. Wie derzeit das Thema Integration emotionalisiert wird, gefällt ihm und seinem Team gar nicht. Da muss man was tun. Das Ziel: Miteinander und nicht nebeneinander. Als Theaterpädagoge ist seine Aufgabe das Verbinden. Während dieser Tage viele Zeitungen von pubertierenden Flüchtlingen, die junge einheimische Mädchen komisch ansehen oder gar misshandeln schreiben, spielen, tanzen und berühren sich hier Zillertaler „Dirndln“ und pubertierende „Ausländer“ und es entsteht Spaß, Bewegung, Theater und Freundschaft. Wenn die Integrationsagenda der Bundesregierung vielleicht mal wieder in ein eigenes Staatssekretariat ausgelagert wird, sollte man an Matthias Rankov denken. Integration kann so einfach sein. Man muss Menschen nur miteinander (Theater-) spielen lassen.


Impressionen


Theaterprojekt Probe
Theaterprojekt Probe II
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Alle Bilder: (c) Volkshilfe Tirol

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