Einmal upfucken ist keinmal upfucken

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Zum mittlerweile siebten Mal eröffnet Bettina Wenko die Innsbrucker „FuckUp-Night“ (kurz: „FUN“). Sie erklärt uns alle woher das Prinzip „FUN“ kommt und was die Rahmenbedingungen sind es unter „FuckUp-Night“ laufen zu lassen. Danach fragt sie, wer der Anwesenden sie kennt und wer zum ersten Mal da ist. Erstaunlicherweise ist es für eine geschätzte ¾-Mehrheit immer das erste Mal. Das Prinzip scheint also zu gefallen, mehrmals kommen aber nur weinige. Voll ist die Bude trotzdem immer.
(Hier die Artikel zu FUN #2, #3, #4, #6)


Der Geschichtenerzähler


Alois Bauer ist eigentlich kein Geschichtenerzähler. Zumindest verdient er damit bisher kein Geld. So mancher Geschichtenerzähler, der damit Geld verdient, kann bei Alois aber was lernen. Was Alois Firma Mattro in Schwaz heute alles macht findet man hier.
Ziemlich „grün“ und futuristisch – alles begann aber mit mehrfachem Upfucken. Heute definiert er upfucken einfach nicht mehr als solches, sondern sieht das ganze als Prozess, der genau so sein soll und aus dem man viel lernt und mitnehmen kann. Im wahrsten Sinne „mitnehmen“:
Einst war da eine Idee für ein spezielles Raupenfahrzeug. Als gelernter Fahrzeugbauer konnte er das zwar handwerklich umsetzten, brauchte aber wissenschaftliche Konzepte und universitäres Know-How. Als dann auf der FH München eine Masterarbeit zu seiner Idee entstand, war der nächste Schritt ein Prototyp, den er über ein europäisches Förderprogramm finanzieren wollte. Am Ende scheiterte es an der Bürokratie. Waren diese zwei Jahre umsonst? – Nein. Den Motor von damals konnte er später für ein Projekt recyclen.
Es begann alles ohne Geld und mit gescheiterter Ehe. Die Bank wechselte er vier Mal. Wenn ein Auftrag nicht gelingt ist Alois heute gelassen. Die Frage „Hättest Du was anders gemacht?“ ist sinnlos. Weil die daraus resultierende Zukunft unvorhersehbar ist. Die totale Kontrolle ist unmöglich und nicht erstrebenswert (und fad – sind wir uns mal ehrlich). Er gibt aber auch zu, heute, gewisse Projekte Gründer_innen ausreden zu versuchen.
Alois Tipps: 

  • Die Fragen der Daseinsberechtigung:
  1. Will ich es wirklich (umsetzten)?
  2. Ist es okay für die Menschheit?
  3. Kann ich es vor meinen Enkeln rechtfertigen?
  • Hausmittel gegen Frust
    1. Lesen
    2. Sonntagswaldspaziergang
    3. Tiroler Märzen + Obstler
  • Ehetipp für Selbstständige:Lebensgefährtin arbeitet im Unternehmen
    (und versteht dadurch das „Große Ganze“ und die wenige Freizeit)

Und wie wird man jetzt zum innbrünstigen Geschichtenerzähler?
Man lebt seine Geschichte.
So wie Alois.


Auf Schnee fahrende Baguettes


Benoit Caillaud fährt nicht wirklich mit Baguettes auf Schnee. Das ist alles nur eine Metapher, ein Marketing-Gag. Er ist Franzose und backt Snowboards wie Baguettes. Obwohl er sie nicht backt, er presst sie. Mit seinem Baby. Also nicht mit seinem echten Baby. Sondern mit einer Pressmaschine: die nennt er sein Baby.
Benoit studierte Luft- und Raumfahrtingenieur und kam 2008 nach Innsbruck. Wegen dem Snowboarden. 2012 begann die Arbeit an Boards. Erstmal ein Skateboard. Seine studierte „Wissenschaft“ wollte er dafür nutzen und berechnete sich das perfekte Board. Als er darauf fuhr, war er 14 Minuten lang der Mensch mit dem schönsten und stolzesten Gefühl auf dieser Welt. Danach riss das Board, weil die Wissenschaft die Fasern in die falsche Richtung errechnete. Laut Wissenschaft hätte das eigentlich optimal sein sollen.
Nach dem Upfucken kommt laut Benoit folgender Prozess in Gange:

  1. Ärger
  2. Whisky
  3. Fehleranalyse
  4. Motivation – Aktion

Folgende Hinweise gibt es dazu:

  • Je länger 3. umso höher 4.
  • Freunde helfen bei 4.

„Fehler sind nützlich, interessant und gut“, sagt Benoit. Seine Entwicklung ist eine Fehler-getriebene. Er arbeitet von „Bottom to Top“ und nicht „Top to Bottom“, sprich, er beginnt mit so wenig wie möglich und ergänzt nur da wo Fehler entstehen. Das Gegenkonzept währe wohl mit einem fetten Stahlbrett zu beginnen und dann zu reduzieren. Benoit möchte die „handgemachte Welt“ unterstützen. „Plastik ist kein schönes Material“, sagt er. Bei Surfer_innen ist es anscheinend weit verbreitet mit handgemachten Boards zu surfen. Bei Snowboarder_innen sind die Boards industriell gefertigt und keine handgemachte, Naturprodukt-getriebene Herstellungskultur vorhanden. Benoit versteht das nicht und ändert das nun. Ski produziert er übrigens nicht. Warum nicht? Ganz einfach: Er kann nicht Skifahren. Alle seine Boards sind Einzelstücke und er will auch vorher mit Dir boarden gehen. Sonst weiß er nicht, wie Du fährst.
Manch eine_r sagte Benoit im Anschluss kabarettistisches Talent nach. Warum?

  1. Sein französischer Akzent ist lustig.
  2. Ein Psychologe hat mir mal gesagt, wenn man ernsthaft über seine Fehler lachen kann, hat man was daraus gelernt.
  3. Benoit hat Prinzipien („Ich mache keine Ski“)
  4. Benoit lebt seine Geschichte.

Sei wie Benoit.
#jetzt


Fazit


Kommet öfter in die FuckUp-Night.
Einmal upfucken ist keinmal upfucken.


Impressionen


FuckUp Night#7 Publikum
FuckUp Night#7 Publikum II
FuckUp Night#7 Bühne

Alle Bilder: (c) David Herzig

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