Wer kennt das nicht?

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… oder „Tradition trifft Moderne – in Tirol da tut sich (endlich) ‚was und das ist gut so!“ Zum Anfang der Geschichte. Jede Woche das selbe Spiel. Ich nehme mir fix vor das Wochenende nur für mich zu nutzen, ruhiger zu treten, zu entspannen, in die Natur zu gehen, nicht viel nachzudenken, die Zeit Zeit sein zu lassen, zur Ruhe zu kommen, durchzuatmen und Kraft zu tanken. Wäre da nicht regelmäßig dieser ominöse Freitag Abend mit seinem Wochen-Feierabend-Charme und den vielen, lieben Menschen die sich bei einem melden. Und zack. Das ruhige Wochenende. Wiedereinmal. Ein unerfüllter Traum.
Durchzechte Nächte in den Jahren nach dem (semesterlangen) Studium enden in der Regel um 23:00 Uhr, vollkommen erschöpft und dankbar (dass es endlich vorbei ist) im eigenen Bett. Nur am nächsten Morgen hat sich nicht viel geändert. Gerädert, wie Straßendiebe im Mittelalter, quält und schält man sich dann aus dem Bett. Die Augen ähnlich verquollen wie damals mit Anfang 20, nach zwei Stunden Schlaf und wenige Minuten vor der ersten Vorlesung um 11 Uhr vormittags. Aber alles Betteln, Flehen und Verhandeln nutzt nichts. Auf. Auf. Zähneputzen. Katzenwäsche. Rein in die Tracht und hin zum Treffpunkt.
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Gefühlte zwei Minuten später stehe ich, an diesem wunderschönen (wieso muss es so hell sein?) Tag, an der Annasäule Mitten in der Innsbrucker Innenstadt. Dutzende. Hunderte. Tausende Augenpaare sind auf uns gerichtet. So eine rot-grüne Tracht in mehrfacher Ausführung fällt eben auf. Mit Trommeln und Trompeten, Marschmusik und im Gleichschritt geht es Richtung Stadtturm. Im Spalier. Links und rechts. Handykameras. Tablets. Fotoapparate. Ein wenig Stolz steigt auf.
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Beim Stadtturm angekommen geht es dann gleich rein in das Vergnügen. Filmmusik presented by Stadtmusikkapelle Innsbruck – Mariahilf / St. Nikolaus. Tradition trifft Moderne lautet das Motto. Blasmusik trifft Hollywood – die Realität. Und all das zur Feier und Eröffnung des 2. Tyrolean Independent Film Festival, welches zwischen dem 9. und 12. Oktober im Innsbrucker Metropol Kino stattfindet. Das Plakat zum Festival ist provokant. Der Auftrag ein klarer. Unabhängige, junge, gute, lange, kurze, animierte und nicht animierte Filme werden hier gezeigt. Mit Sicherheit ein Mehrwert für Tirol und eine Seltenheit Mitten im Herz der Alpen.
Nach getaner Arbeit geht es für mich schnurstracks wieder nach Hause. Das Mittagessen mit der Familie steht an. Und dann erst einmal rasten. Nur kurz. Denn schon um 18 Uhr geht’s auf zum nächsten Highlight dieses „Tages der Musik“. „Ambros pur“ – lautet der Titel. Übersetzt. Ambros live im Szentrum in Schwaz. Auf Einladung von Lindner Music. Schon bei der Einfahrt in die Tiefgarage hat man nicht das Gefühl in einer kleinen Stadt mit 13.000 Einwohnern zu sein. Großflächig. Hell. Gut besucht. Nach mehreren Stufen Richtung Event-Location staunen Benni und ich nicht schlecht. Was wir hier zu sehen bekommen, hätten wir uns in dieser Form wohl nie erwartet. Eine hochmoderne Multifunktionslocation inklusive großer Bar, Raucherlounge, ordentlich Style und Menschen, Menschen, Menschen.
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Das Konzert ist dann so etwas wie der gewollte und bewusste Konterpart. Ein gute gelaunter, aber vom Leben beschäftigter und gezeichneter Wolfgang Ambros betritt gemeinsam mit seinem Pianisten und wohl auch Freund, Günter Dzikowski, die Bühne. Die erste Konzerthälfte hat nichts von seichter, leichter Unterhaltung. Die Stimme rau, die Texte tiefgehend. Es wird heiß und stickig. Nachdenklich. In der Pause braucht jeder ein paar Minuten für sich und viel, viel frische Luft.
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Die zweite Hälfte präsentiert sich von Anfang an komplett anders. Locker. Melodisch. Fröhlich. Wolfgang Ambros, die Legende spielt seine Legenden. Der Hofer feiert am Zentralfriedhof, Skifahrer überall, i glab i tram. Nach knappen drei Stunden endet der, trotz 500 anwesenden Gästen, sehr private Streifzug durch die Musikgeschichte. Was bleibt. Ein vom Leben, der Kunst und den Erfahrungen geprägter Altmeister der noch heute Säle füllt, dabei Weißwein auf der Bühne trinkt und ganze Städte in Nostalgie versetzt, ewige Klassiker und die Gewissheit, dass bald schon wieder ein Freitagabend wartet. Aber hey! Wer kennt das nicht?

Ein Leben zwischen Schreibmaschine und Fußballplatz. Eigentlich Betriebswirt. Heute mal Autor, mal Sportmanager. Hat das ALPENFEUILLETON ursprünglich ins Leben gerufen und alle vier Neustarts selbst miterlebt. Auch in Phase vier - "Diskursplatz für Selbstdenker" - aktiv mit dabei und fleißig am Schreiben.

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