Warum niemand Bayern München Fan sein sollte

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Eines ist so sicher, wie dass Uli Hoeneß‘ Würstchen zwei Enden haben – niemand, und ich meine wirklich niemand, sollte Fan des FC Bayern München sein. Gleiches gilt übrigens auch für den FC Barcelona, Juventus Turin, Real Madrid, Manchester United und alle anderen Marken aus der Rangliste der wertvollsten Sportvereine der Welt. Wieso? Das ist schnell erklärt.
Schäfer, Mike S. & Jochen Roose definieren im Jahr 2005 einen Fan wie folgt. Ein Fan ist ein Mensch, der längerfristig eine leidenschaftliche Beziehung zu einem für ihn externen, öffentlichen, entweder personalen, kollektiven, gegenständlichen, abstrakten oder sportlichen Fanobjekt hat und in die emotionale Beziehung zu diesem Objekt Ressourcen wie Zeit und/oder Geld investiert. Das Wort „Fan“ kommt aus dem Englischen und leitet sich vom Wort fanatic, also Fanatiker ab und wurde eingedeutscht. Der Italienische Fan-Begriff „tifoso“ entstammt dem Typhusfieber. Fans fiebern mit ihren Vereinen mit, das passt. Im Spanischen wird es fantechnsich etwas romantischer. Der  „Aficionado“ ist nichts anderes als ein waschechter, spanischer Liebhaber.
Vereine die zu den wertvollsten Sportmarken der Welt zählen, schieben in Wochen wie diesen 50, 100, 200 und teilweise noch mehr Millionen die Runde. Gleichzeitig ist so etwas wie „Stimmung“ in vielen Stadien zur Seltenheit geworden. Gerade im Mutterland des Fußballs (Anm. England!) wurden die Ticketpreise für ein gewöhnliches Erstliga-Spiel dermaßen erhöht, dass sich der gemeine Rabauke die Partie vom Pub aus ansehen muss. Mit der Grundidee des Fußball-Spiels „mein Dorf gegen dein Dorf, lass uns ansehen wer gewinnt und zusammen ein Bier trinken“ hat das nicht mehr all zu viel zu tun.
Die (Finanz-)Schere im internationalen Fußball geht weiter und weiter auseinander. Die Vereine an der Spitze entfernen sich von den Verfolgern Jahr für Jahr ein weiteres Stück. Die Meister der jeweiligen Landesligen stehen schon Wochen vor dem Saisonstart fest. Bayern gehört Deutschland. Juve gehört Italien. Paris gehört Frankreich. Real oder Barcelona gehört Spanien. Und England gehört höchstens drei Vereinen, oder anders gesagt, allen außer Arsenal. (Anm. das ist ein Fußball-Insider-Witz!)
Die Weltvereine sind zu Konzernen geworden, die jährlich mehrere hundert Millionen (oder mehr) umsetzen. Wie gering der Stellenwert von (Fußball) Romantik mittlerweile geworden ist, zeigt ausgerechnet mein (internationaler) Herzensverein Juventus Turin. In diesem Sommer musste das mehrmals modernisierte alte Wappen einem multifunktional einsetzbaren Firmenlogo weichen. Ich verstehe die Hintergründe. Ich finde es nicht hässlich. Ich wehre mich nicht dagegen (Anm. bringt ja auch nichts). Aber es zeigt die Entwicklung, die der Fußball nimmt bildlich und deutlich.
Doch wo finden wir den Notfall-Weg aus der Misere? Wahrscheinlich müssen wir unsere ehemaligen Herzensvereine ziehen lassen. Ziehen in Richtung Süden und Osten, dort wo neue Märkte, größeres Wachstum und noch mehr Millionen versprechen und uns wieder kleinen Vereinen zuwenden. Vereinen aus unserem direkten Umfeld, die Spieler noch für 100.000 Euros oder weniger auslösen und Stehplatzkarten verkaufen. Vereine, wo man als Fan kein Kunde, sondern mitfiebernder Liebhaber ist. Vereine, so wie sie die Fußballkonzerne in ihren Anfängen einmal waren. Bevor sie groß und unnahbar wurden.

Hier geht es zur vorherigen Folge von "Kleingeist und Größenwahn".

Ein Leben zwischen Schreibmaschine und Fußballplatz. Eigentlich Betriebswirt. Heute mal Autor, mal Sportmanager. Hat das ALPENFEUILLETON ursprünglich ins Leben gerufen und alle vier Neustarts selbst miterlebt. Auch in Phase vier - "Diskursplatz für Selbstdenker" - aktiv mit dabei und fleißig am Schreiben.

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