Kurz ist nicht Jürgen Klopp

Über große Fußballtrainer, Österreichs Politik und die Corona-Ampel.

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Eigentlich sollte sich hier ab sofort alles um Fußball drehen. Ich wollte in den kommenden Wochen und Monaten meine Texte ganz und gar diesem Thema widmen. Für mich wäre das eine Art Psychohygiene und für den fußballinteressierten Leser ein Blick hinter die Kulissen und rein in den Kopf eines Funktionärs. Aber es geht nicht. Die Ampel macht mich wahnsinnig.

Norbert K Pleifer hat es gestern in einem Facebook-Posting treffend formuliert. Wie eine Ampel funktioniert, das lernen schon die Kleinsten im Kindergarten.

Bei Rot da steh,
bei Grün da geh,
bei Gelb gib acht,
so wird’s gemacht!

Doch die Corona-Ampel funktioniert anders. Wenn sie überhaupt funktioniert.

Den Durchblick scheinen alle verloren zu haben. Innsbruck leuchtet orange. Bis auf den Schulbetrieb, die Uni und die Veranstaltungen. Die finden zwar im orangen Innsbruck statt, bleiben ihrerseits aber gelb. Die Ampel steht auf orange, wir leben gelb. Zumindest teilweise. Nicht überall.

Politiker sprechen dabei gerne von Empfehlungen und Appellen, nicht von Vorschriften und Regeln. Ein spannender Ansatz, der durch die Fußballbrille fast schon humoristisch wirkt. Abseits ist nicht, wenn der Schiri pfeift, sondern, wenn die Spieler das auch so sehen.

Die Bevölkerung solle achtsamer sein. So heißt es. Statt genaue Vorgaben zu liefern, wird wortgewaltig der Volksgeist beschworen. Fast wie im Fußballstadion. Gemeinsam schaffen wir das! Gemeinsam holen wir uns den Sieg! Nur der Matchplan (Anm. exakte taktische, strategische Vorgaben) fehlt. Und Trainer ohne Matchplan haben im modernen Fußball schon lange kein Spiel mehr gewonnen.

Wo man hinsieht oder nachliest, ratlose Gesichter. Allgemeine Verwirrung ist der Zustand eines ganzen Landes. Das wiederrum führt zu kollektiver Unsicherheit und zu einem massivem Vertrauensverlust. Vor einem halben Jahr wurde jede Regel, ob nun rechtlich verankert oder nicht, streng befolgt und umgesetzt. Heute verursachen orange Städte höchstens unwissende Mienen und gleichgültiges Achselzucken.

Wenn Fußballer den Worten ihres Trainers nicht mehr glauben, dann beginnt die heikle Phase, die nicht selten mit einem Trainerwechsel endet. Große Trainer wissen das zu verhindern indem sie sich neu erfinden, ihre Ansprache und ihre pädagogischen Werkzeuge ändern und so neues Vertrauen schaffen. Wir werden sehen, ob Österreichs Politiker einem Jürgen Klopp (D), Pep Guardiola (ESP) oder Ralph Hasenhüttl (A) das Wasser reichen können.

So. Jetzt ist es wohl doch noch ein Fußballtext geworden.

Ein Leben zwischen Schreibmaschine und Fußballplatz. Eigentlich Betriebswirt. Heute mal Autor, mal Sportmanager. Hat das ALPENFEUILLETON ursprünglich ins Leben gerufen und alle vier Neustarts selbst miterlebt. Auch in Phase vier - "Diskursplatz für Selbstdenker" - aktiv mit dabei und fleißig am Schreiben.

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