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Kollektive Dummheit!

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Welche Evolutionsstufe muss eine Gesellschaft unterschreiten, damit man sie ungeniert und übertrieben pauschalisierend als dumm bezeichnen darf? Welcher Prozentsatz beratungsresistenter Individuen muss dafür vorhanden sein? Wir Österreicher kratzen zumindest hart an dieser Grenze, wenn man die jeweils mühsam erarbeitete Expertise der Hobbyvirologen im Land näher beleuchtet. Mir ist durchaus bewusst, dass dadurch viele vernünftige Menschen mit ausgeprägtem Weitblick in einem Land in Geiselhaft genommen werden. Es bleibt aber auch nach mehrmaligem Überlegen unbegreiflich, warum gewisse Dinge in Österreich einfach nicht funktionieren wollen. Einfach gar nicht. Nachfolgend eine kurze und leider unvollständige Zusammenstellung der Highlights in Rot-Weiß-Rot.

Abstand halten:

Der so genannte AHA-Effekt will sich beim Thema Abstand halten auch nach 21 Monaten Pandemie nicht einstellen. Es kann doch nicht ernsthaft sein, dass jeder zweite Mensch in Österreich in Panik verfällt, wenn er nicht innerhalb der berühmten 3-Sekunden-Regel seine fettigen Griffel um die Milchpackung im Supermarktregal drücken darf. Geduld ist keine rot-weiß-rote Erfindung und fürs Abstandhalten braucht man eine große Portion davon.

Hygiene:

Richtiges Husten und Niesen will gelernt sein, oder eben auch nicht. Händewaschen kennen immer noch zu viele Menschen lediglich vom Hörensagen. Besonderer Hochgenuss ergibt sich, wenn Menschen in öffentlichen Verkehrsmitteln ruckartig ihre Maske vom Gesicht ziehen, um frei Niesen zu können und ihre Keime der Allgemeinheit spenden, statt sie wieder im FFP2-Gewand nach Hause zu transportieren. Hut ab vor so viel Nächstenliebe!

Maske:

Wer nach 21 Monaten Pandemie noch immer nicht kapiert hat, dass jede Art von Mund-Nasen-Schutz beide zuvor genannten Körperteile bedecken soll, bekommt wahrscheinlich immer noch von Mama den feschen Sonntagsanzug für den Kirchgang vorbereitet. Wenn man stundenlang auf Youtube der wahren Wahrheit hinterherrecherchiert, geht sich ein Kurzvideo zum richtigen Aufziehen der Maske halt nicht mehr aus. Prioritäten setzen können wir Österreicher eben.

Mit Nazis demonstrieren:

Wer dermaßen hohl, frustriert oder ignorant ist, als allseits verharmloster „Normalbürger“ mit Nazis auf die Straße zu gehen, hat sein Recht auf freie Meinungsäußerung verwirkt und sollte sich in erster Linie mit seinen bürgerlichen Pflichten auseinandersetzen. Wörter wie „geschmacklos“ oder „absolut daneben“ beschreiben nicht einmal annähernd, wie problematisch dieses bewusst geduldete Mitläufertum ist. Angriffe auf „fremd“ aussehende Menschen, Spruchbänder und Tafeln mit Holocaust-Vergleichen und seltendämliches Gegröle. Nicht alles lässt sich mit vorgeschobener Unwissenheit verteidigen. Hier haben mehr als nur Bildungssystem und Erziehung versagt.

Impfen:

Das gesamte Internet bietet nicht einmal annähernd ausreichend Platz dafür, mit den kursierenden Falschmeldungen und Aberglauben gegenüber dem Impfen aufzuräumen. Also bleibt zum Abschluss nur ein kleiner Tipp für alle hartnäckigen Impf-Verweigerer: Nützt die Zeit bis zum 01. Februar des kommenden Jahres und geht impfen! Macht es wie unsere Politiker und versucht einen Rest eures nur mehr verschwommen erkennbaren Gesichts zu wahren und verkauft es danach als euren größten Erfolg im Leben. Ein Erfolg in rot-weiß-rot eben.

Politischer Mensch. Ausgeprägtes Bewusstsein für Umwelt, Ökologie und Gerechtigkeit. Hat Politikwissenschaften studiert. Arbeitet aktuell in der Politik. Auf Landesebene. Interessiert sich für Weltpolitik. Schreibt gerne Analysen.

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