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Vom Recht zur Pflicht!

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Es ist ein hausgemachtes Problem, dass ein Großteil der Menschen nicht mehr unterscheiden kann, welche Rechte und welche Pflichten das Zusammenleben mit anderen Menschen bedingt. Medien, Politik und Unternehmen füttern die Menschen mit Versprechungen und ermutigen sie zum Egoismus. Es ist vollkommen klar, dass Menschen Regeln brauchen, dass es Strafen für Fehlverhalten gibt und Menschen dazu verpflichtet werden müssen, Dinge zu tun, die sie nicht mit voller Begeisterung machen. Wer sich nur mit sich selbst beschäftigen will, muss sich tief in den Wald zurückziehen, ein Baumhaus errichten und seine täglichen Herausforderungen ganz alleine bewältigen. So einfach ist das.

Hat Richard David (P)recht?

Am deutschen Philosophen und Vollzeit-Talkshowgast Richard David Precht scheiden sich die Geister. Obwohl er polarisiert, oft pauschalisiert und ins eine oder andere Fettnäpfchen springt, hat er immer wieder gute Inputs für eine Diskussion über das gesellschaftliche Zusammenleben. In Zusammenhang mit Rechten und Pflichten von Bürgern hat Precht jedenfalls gute grundsätzliche Überlegungen bereitgestellt. Grundrechte von Menschen stehen natürlich in Konkurrenz zueinander. Um das Grundrecht auf Leben zu schützen, muss das Grundrecht auf persönliche Freiheit teilweise eingeschränkt werden. Eine einfache Rechnung. Nicht immer können alle Grundrechte in vollem Umfang und gleichzeitig bedient werden. Wer Schnitzel, Pommes, Lasagne, Pizza, Zwiebelrostbraten und diverse Nachspeisen gleichzeitig und im Umfang voller Portionen in sich hineinstopft wird von seinem Körper wahrscheinlich auch dazu verpflichtet werden, einen Teil davon wieder loszuwerden. Solche Einschränkungen von Grundrechten dürfen natürlich nur ein vorübergehendes Phänomen sein und dürfen nicht zur generellen Entwicklung führen, an Grundrechten zu zweifeln!

Fordern, fordern, fordern!

Menschen haben sich im Laufe der vergangenen Jahre angewöhnt, ausschließlich zu fordern. Richard David Precht hat festgestellt, dass die Versprechungen der Politik den Staatsbürgern eine Kundenmentalität eingeimpft haben. Viele Menschen leben mittlerweile in dem Glauben, dass sie nur Rechte haben, ohne irgendwelche Pflichten erfüllen zu müssen. Dabei übersehen die Menschen ein wichtiges, aber entscheidendes Detail: Wir sind nicht „das Volk“, wir sind „der Staat“! Wenn der Staat uns etwas abverlangt, dann verlangt das die Mehrheit von uns und nicht irgendein abstraktes und weltverschwörerisches Konstrukt. Wir sind der Staat, wir regieren uns selbst. Auch wenn das manchmal besser und manchmal schlechter gelingt und die Personalauswahl…naja…sagen wir oftmals eher bescheiden war!

Wirkt die Impfpflicht?

Nicht überall ist die Pflicht das richtige Mittel, um Menschen zu einer konkreten Handlung zu bewegen. Es lässt sich sicher vortrefflich darüber streiten, ob eine Pflicht zur Impfung dazu beitragen kann, dass sich mehr Menschen in Österreich impfen lassen. Problematisch ist eine Impfpflicht vor allem dann, wenn bei den Menschen der Eindruck entsteht, dass nicht alles unternommen worden ist, um die Impfquote zu erhöhen. Wenn die Impfpflicht in der subjektiven Wahrnehmung zur ersten Ausfahrt der Pandemieautobahn wird, sinkt die Akzeptanz. Ganz egal ob es objektiv betrachtet stimmt oder nicht. Gerade bei komplizierten Gesundheitsthemen ist es wichtig, die Menschen dort abzuholen, wo sie stehen und in diesem Fall stehen viele tief im Sumpf mit reichlich Nebel. Die Impfpflicht kann und darf der letzte Ausweg sein, davor muss jedoch alles unternommen werden, die Akzeptanz zu erhöhen. Das gilt vor allem für jene Menschen, die skeptisch sind, die Sorgen und Ängste haben. Für den harten Kern der Impfgegner wird jede motivierende Bemühung nichts bringen. Gestern nicht, heute nicht und auch in Zukunft nicht. Für sie bleibt immer noch das Baumhaus!

Politischer Mensch. Ausgeprägtes Bewusstsein für Umwelt, Ökologie und Gerechtigkeit. Hat Politikwissenschaften studiert. Arbeitet aktuell in der Politik. Auf Landesebene. Interessiert sich für Weltpolitik. Schreibt gerne Analysen.

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