NFL Woche 14: Es wird ernst und ernster

17 Minuten Lesedauer

Und sie rocken weiter! Die Carolina Panthers bleiben das Maß aller Dinge in der NFL, gestern mussten die Atalanta Falcons dran glauben. 38:0 mussten sich die Falcons geschlagen gaben. Cam Newton untermalte einmal mehr seine Ansprüche als Most Valuable Player (MVP), warf gestern drei Touchdowns, zwei davon auf Ted Ginn Jr. Der 30-Jährige spielt seit heuer bei den Panthers und schlüpft mehr und mehr in die Rolle die früher Steve Smith Jr. einnahm: er ist der Lieblings-Receiver von Newton.


Newton und seine Panthers ließen nie einen Zweifel aufkommen, wer in diesem Spiel die Hosen an hat. Der 28:0 Pausenführung folgten im dritten Viertel noch ein Field Goal und ein Tuchdown. Im vierten Viertel ließ man die Geschehnisse ruhig ausgehen. Mit dem Sieg sicherte man zudem noch ein Freilos in der ersten Playoff-Runde. Die perfect season ist immer noch machbar, zu Beginn der Saison hat wohl auch nicht der größte Panthers-Fan mit so einem Run gerechnet. Im Moment scheint Carolina mehr als nur ein Footballteam zu sein, man hat den Eindruck, da steht eine große Familie am Platz, in der sich wirklich jeder für den anderen den Fuß ausreißt.

Weiter On Fire: Die Kansas City Chiefs

Nach sechs Spielen war die Saison für die Kansas City Chiefs fast schon zu Ende. 1-5, fünf Spiele in Folge hatte man verloren, das Team schien einfach nicht in die Gänge kommen zu wollen. Acht Wochen später sieht die Welt schon wieder ganz anders aus: die Chiefs konnten seitdem alle ihre Spiele gewinnen und klopfen noch mächtig an die Playoff-Tür. Zusätzlich wird man mit dem Glück des Tüchtigen belohnt, Kansas hat mit den Baltimore Ravens, den Cleveland Browns und den Oakland Raiders das vermeintlich leichteste Restprogramm. Auch hier wichtiger Baustein: Quaterback Alex Smith. Smith warf gestern gegen die San Diego Chargers seine erste Interception seit neun Spielen. Trotzdem konnte man das Spiel mit 10:3 für sich entscheiden.


Für eine Wildcard ist man also in einer optimalen Ausgangslage, theoretisch ist sogar – mit Hilfe der Denver Broncos – der Sieg in der AFC West möglich. Es gibt also nur eine Richtung für die Chiefs:

Seattle gewinnt, verliert aber sein Laufspiel

Wenn wir schon bei Serien sind: die Seattle Seahawks legen weiter eine solche hin. Auch die Baltimore Ravens konnten den Hawks nicht gefährlich werden. Am Ende stand ein 35:6 Sieg zu Buche, Russell Wilson stach dabei mit fünf Touchdowns abermals heraus. Spannend ist vor allem, dass Seattle seit der Verletzung von Star-Neuzugang Jimmy Graham sich wieder seiner alten Stärken bewusst ist. Mit Graham auf der Tight End Position, wusste man nicht wirklich was anzufangen, wie man ihn richtig einsetzt. Spätestens seit seiner schweren Verletzung an der Patellarsehne, scheint man wieder das Playbook von 2014 und 2014 auszupacken. Dort steht zwar mit Sicherheit in großen Buchstaben Marshawn Lynch geschrieben, doch auch ein anderer Name: Doug Baldwin. Lynch ist ja bekanntlich verletzt und kommt frühestens in den Playoffs wieder, Baldwin auf der Receiver-Position ist aber gesetzter denn je. In den letzten drei Spielen erzielte der 27-Jährige gleich acht Touchdowns!


Mit Baldwin sticht aber vor allem noch Rookie Tyler Lockett heraus. Lockett hat sich in den letzten Wochen still und heimlich zum zweiten Receiver auf der Depth Chart gemausert und zahlt das ihn in gesetzte Vertrauen mit Touchdowns in egal welcher Form zurück.


Weil wir gleich bei Rookies sind, können wir auch über den Rookie Of The Year-Award reden. Zumindest auf offensiver Seite gibt es mehrere interessante Kandidaten, die von Woche zu Woche mal mehr, dann mal weniger im Fokus stehen. Lockett spielt beispielsweise eine sehr, sehr ordentliche Saison, für die Auszeichnung wird es aber am Ende nicht reichen (außer er legt jetzt eine Baldwin’sche Serie hin). Sein Kollege auf der Running Back Position Thomas Rawls wäre schon eher ein Kandidat dafür – vor allem weil es eine schön-schmlazig-amerikanische Geschichte wäre. Rawls, der von den Seahawks nicht im offiziellen Draft ausgewählt wurde und überhaupt nur wegen der Verletzungen von Beastmode Lynch zu Einsätzen kam, wäre der erste undrafted Rookie Of The Year. Aber auch bei ihm scheinen die Chancen zu schwinden, seit gestern steht für ihn nur noch „Urlaub“ und Erholung am Programm: ein gebrochener Knöchel beendet für ihn die eindrucksvolle Erstsaison.


Wer sind denn nun noch aussichtsreiche Kandidaten? Lange Zeit galt Todd Gurley von den St. Louis Rams als unangefochtener Spitzenkandidat für die Auszeichnung. Gurley spielt eine mehr als beeindruckende erste Saison, steht mit insgesamt 975 Rushing-Yards auf Rang vier Liste. Mit 5,2 Yards im Schnitt pro Versuch, führt er diese Liste sogar an, acht Touchdowns sprechen auch eine deutlich Sprache. Dennoch hatte er (bis gestern) eine gehörige Ladehemmung und nahm sich deshalb ein bisschen aus dem Spotlight. Deshalb musste er beim Sieg gegen die Detroit Lions gleich zwei Touchdowns und 140 Rushing-Yards beisteuern.


Dann wären noch die zwei Top-Draftpicks 2015: Jameis Winston und Marcus Mariota. Beide spielen eine – trotz des Records der Titans  – anständige Saison. Mariota hat aber eben auf Grund des Sieg-Niederlagen-Verhältnis vermutlich keine Chancen auf die Trophäe. Obwohl er mittlerweile schon wöchentlich ein wahnsinnig spektakuläres Play bietet: letzte Woche sein 87-Yards rushing Touchdown, diese Woche wollte er der Welt beweisen, wie gut er Bälle fangen kann. Mariota stellte sich als Receiver auf, übergab sein Quaterback-Amt dem gelernten Running Back Antonio Andrews und fing einen Pass zu einem 41 Yard Touchdown.


Jameis Winston und seine Tampa Bay Buccaneers fliegen auch auf einer guten Welle der Glücksgefühle. Letztes Jahr noch Kanonenfutter, hauchte Winston den Piraten wieder neues Leben ein. Ja sogar die Playoffs – waren – noch für die Buccs in Griffweite. Gestern verlor man aber ein wichtiges Divisionsspiel gegen die New Orleans Saints, womit, auf Grund der starken Phase der Seahawks und der Situation in der NFC North, der Traum einer Playoff-Teilnahme wohl schon vorbei ist. Winston steht bis jetzt bei 3.059 Passing-Yards (Platz 17), 18 Touchdowns (Platz 16), 11 Interceptions (Platz 7) bei einem Rating von 85,4 (Platz 39 – Achtung in der Auflistung scheinen auch so Leute wie der oben beschriebene Andrews auf, also auch RBs, WRs, die einmal werfen dürfen und die Bedingungen für ein Rating erfüllen). Mit einer Playoff-Teilnahme wäre Winston vermutlich als Sieger für den Offensiv Rookie Of The Year in die Offseason gegangen. Jetzt dürfte es spannend bleiben.
Und dann gäbe es noch einen Amari Cooper von den Oakland Raiders. Der Rookie-Receiver war schon auf den Spuren von Odell Beckham, fing bis jetzt 920 Yards und vier Touchdowns. Alles Rekorde für einen Rookie bei den Raiders. Seit einigen Wochen wissen aber die meisten Teams von seinen Stärken und decken ihn komplett zu. Sein letzter Touchdown geht auf Woche 9 zurück, im gestrigen Spiel gegen die Denver Broncos blieb der Rookie sogar ohne einen einzigen Yard. Die Raiders gewannen zwar ein langweilig und dann aber doch unterhaltsames Spiel 15:12, Cooper hat den Tag aber vermutlich frustriert beendet. Aquib Talib und den restlichen Denver Broncos Cornerbacks sei Dank. Zum Vergleich die letzten Spiele von Cooper und Lockett:

Der Wahnsinn hat einen Namen: Khalil Mack

Das Titelbild ziert diese Woche Raiders Defensive-End Khalil Mack. Ursprünglich als Linebacker von den Raiders an fünfter Stelle 2014 gedraftet, wechselte der 24-Jährige zu Beginn dieser Saison in die Defensive-Line. Letztes Jahr schon ein Kandidat auf den Defensive Rookie Of The Year (nein, da gibt’s jetzt keine näheren Erläuterungen, just watch Aron Donald, Anthony Barr und C.J. Mosley) könnte es heuer was mit dem Defensive Player Of The Year was werden. Ok, zugegeben, letzte Woche habe ich noch Kurt Coleman von den Panthers zum DPOTY geheißen. Passt auch immer noch, gestern hat er schon wieder eine Interception verbucht (Reggie Nelson aber auch). Dennoch ist Mack gestern einfach nur ein komplettes Biest gewesen: gleich fünf mal sackte er Broncos Quaterback Brock Osweiler. Insgesamt führt er die Liste der meisten Sacks mit 14 an, neun davon gelangen ihm in den letzten drei Spielen. Wenn da mal einer nicht vollkommen in Topform ist. Damit führt er auch einen halben Sack vor J.J. Watt. Das Rennen um den DPOTY avanciert zum Krimi, Respekt wird aber von allen Seiten gezollt:

Was sonst noch passierte

Die Green Bay Packers scheinen durch die Hail Mary von letzter Woche wieder Lunte gerochen zu haben, zumindest läuft seitdem alles für die Packers. Gegen die ersatzgeschwächten Dallas Cowboys konnte man sich ohne viel Mühe durchsetzen, ein schon abgesagter Eddie Lacy zeigte wieder sein Beastmode-Gesicht. Durch die beiden Siege und die gleichzeitigen Back2back Niederlagen der Minnesota Vikings (Niederlage gegen die Cardinals am Donnerstag), rangiert man auf Platz 1 der NFC North, die Playoffs dürften somit sicher sein (ja ich weiß schon, Platz 1 immer in den POs). Die Vikings haben seit Green Bays Hail Mary irgendwie keine Power mehr, dennoch sollte die zweite Wildcard in der NFC an Minnesota gehen.
Die NFC East verdient sich wieder ihren alten Namen: NFC Least. Dallas ist trotz der Niederlage noch nicht hundertprozentig aus dem Playoff-Rennen, wenn auch die Siege der Washington Redskins und der Philadelphia Eagles nicht wirklich förderlich sind (darüber hinaus: der Auftritt der Cowboys bei den Packers lässt nicht von einer texanischen Playoffteilnahme ausgehen). Washington konnte seine Auswärtsschwäche – neun Niederlagen in Folge – bei den Chicago Bears ablegen, die Eagles konnten den Buffalo Bills einen gehörigen Dämpfer in deren Rennen um die Playoffs versetzen. Das Highlight beider Spiele fand man in Philadelphia und wieder einmal in Form von Sammy Watkins:


Die New York Giants sollten also heute gegen die Miami Dolphins gewinnen, um nicht den Anschluss an das Duo und die Playoffs zu verlieren.
Seltsame Dinge passieren in der AFC South. Was die NFC East in der NFC, ist die AFC South in der AFC. Indianapolis kommt seiner Favoritenrolle die gesamte Saison schon nicht nach, die Texans sind ein relativ unspektakulär, die Titans sind sich selbst im Weg und Jacksonville dreht komplett durch. Letzte Woche auch hier beschrieben, spielen QB Bortles und WR Robinson auf einem ganz eigenen Niveau. Gestern fertigte man die Colts mit 51(!):16 ab. Derzeit sind die Colts mit 6-7 noch auf Platz 1 der Division, die Texans stehen mit dem gleichen Record auf Platz 2, Jacksonville mit 5-8 auf Platz drei. Derzeitige Tendenz geht aber ganz klar zu den Jaguars.
Die Cincinnati Bengals verloren nicht nur gegen die Pittsburgh Steelers in einem sehr stark gelebten Rivalitätsspiel mit 33:20, sondern auch ihren Quaterback Andy Dalton, der mit einer Daumenverletzung zumindest bis zum Ende der Regular Season ausfällt.
Schon fix verabschieden müssen wir uns von den Cleveland Browns, den San Francisco 49ers, den Detroit Lions, den San Diego Chargers, den Baltimore Ravens und den Tennessee Titans. Sie alle haben keine Chance mehr auf eine Playoffteilnahme.
Weitere Diskussionen und Austausch gerne unter: https://twitter.com/msenfter und unter dem #seNFL

Ergebnisse Woche 14:

Minnesota Vikings @ Arizona Cardinals, 20:23
Seattle Seahawks @ Baltimore Ravens, 35:6
Atlanta Falcons @ Carolina Panthers, 0:38
Washington Redskins @ Chicago Bears, 24:21
Pittsburgh Steelers @ Cincinnati Bengals, 33:20
San Francisco 49ers @ Cleveland Browns, 10:24
Indianapolis Colts @ Jacksonville Jaguars, 16:51
San Diego Chargers @ Kansas City Chiefs, 3:10
Tennessee Titans @ N.Y. Jets, 8:30
Buffalo Bills @ Philadelphia Eagles, 20:23
Detroit Lions @ St. Louis Rams, 14:21
New Orleans Saints @ Tampa Bay Buccaneers, 24:17
Oakland Raiders @ Denver Broncos, 15:12
Dallas Cowboys @ Green Bay Packers, 7:28
New England Patriots @ Houston Texans, 27:6
N.Y. Giants @ Miami Dolphins

Standings Woche 14:

AFC

AFC East W L T Per.
New England Patriots -x 11 2 0 .846
New York Jets 8 5 0 .615
Buffalo Bills 6 7 0 .462
Miami Dolphins 5 7 0 .417
AFC North W L T Per.
Cincinnati Bengals 10 3 0 .769
Pittsburgh Steelers 8 5 0 .615
Baltimore Ravens 4 9 0 .308
Cleveland Browns 3 10 0 .231
AFC South W L T Per.
Indianapolis Colts 6 7 0 .462
Houston Texans 6 7 0 .462
Jacksonville Jaguars 5 8 0 .385
Tennessee Titans 3 10 0 .231
AFC West W L T Per.
Denver Broncos 10 3 0 .769
Kansas City Chiefs 8 5 0 .615
Oakland Raiders 6 7 0 .462
San Diego Chargers 3 10 0 .231

NFC

NFC North W L T Per.
Green Bay Packers 9 4 0 .692
Minnesota Vikings 8 5 0 .615
Chiacgo Bears 5 8 0 .385
Detroit Lions 4 9 0 .308
NFC East W L T Per.
Washington Redskins 6 7 0 .462
Philadelphia Eagles 6 7 0 .462
New York Giants 5 7 0 .417
Dallas Cowboys 4 9 0 .308
NFC South W L T Per.
Carolina Panthers -z 13 0 0 1.000
Atlanta Falcons 8 5 0 .616
Tampa Bay Buccaneers 6 7 0 .462
New Orleans Saints 5 8 0 .385
NFC West W L T Per.
Arizona Cardinals -x 11 2 0 .846
Seattle Seahawks 8 5 0 .616
St. Louis Rams 5 8 0 .385
San Francisco 49ers 4 9 0 .308

x – im Playoff
z – Divisionsieger
rot: keine Chance auf Playoff

Titelbild: Khalil Mack / Facebook

Schreibe einen Kommentar

Your email address will not be published.

*

code