Globuli im Kopf? Wenn’s hilft!

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Homöopathie ist in aller Munde. Diesmal macht sie es sich allerdings nicht als kleines unscheinbares Kügelchen auf unseren Zungen bequem, sondern wird durch eine regelrechte Medienhetze heftig diskutiert. Sowohl die klassischen Medien, als auch die selbsternannten Homöopathie-Kritiker posaunen ihre Meinung zur alternativen Heilmethode durch die Welt. Wir wollen hier der Frage nachgehen, was Homöopathie wirklich kann und was die Kritiker, wahrscheinlich noch high von ihrer letzten Grippeimpfung, total übersehen.

Globuli in ihrer Rolle als "Die große Gefahr" (Foto: Eva Purrer)
Globuli in ihrer Rolle als „Die große Gefahr“ (Foto: Eva Purrer)

 
Verdünnen, verdünnen, verdünnen…
Die Homöopathie geht auf den deutschen Arzt Samuel Hahnemann zurück, der seine Idee zum Ende des 18. Jahrhunderts veröffentlicht hat. Bei dieser Heilmethode werden Grundsubstanzen so lange mit Wasser, Alkohol oder Lactose vermischt, bis diese Grundsubstanzen fast gar nicht mehr in dem Arzneimittel nachweisbar sind. Da viele Grundsubstanzen, die in der Homöopathie verwendet werden, giftig sind, wollte Hahnemann der Giftwirkung durch diese hochgradige Verdünnung entgegenwirken. Später argumentierte man auch, dass durch diesen hohen Verdünnungsgrad eine „Dynamisierung“ des Arzneimittels erreicht wird.
Zugegeben, diese Zeilen der Erklärung klingen auf den ersten Blick sehr kryptisch und abstrakt. Man könnte fast sagen, die Idee Hahnemanns sei schwachsinnig bzw. auffällig esoterisch. Trotzdem erfreut sich die Homöopathie in einigen Ländern großer Beliebtheit. Vor allem in Europa ist die Homöopathie vielerorts anerkannt und wird damit sogar von den Krankenkassen übernommen. Das gilt für Österreich ebenso wie für Deutschland und die Schweiz, wobei letztere bis 2017 testet und dann entscheidet ob die Homöopathie im Programm der Krankenkassen bleibt.
Homöopathie als Gefahr! Wirklich?
Neben den Impfgegnern, sind auch die Homöopathie-Freunde in den vergangenen Wochen zum Staatsfeind Nummer eins erklärt worden. Ein Blick auf die Absatzzahlen dieser komplementärmedizinischen Behandlungsform, lässt einen schon ein wenig an der Zurechnungsfähigkeit der Kritiker zweifeln. Der jährliche Gesamtumsatz, der mit homöopathischen Arzneimitteln erzielt wird, liegt bei knapp zwei Milliarden Euro. Vergleicht man das mit dem Gesamtumsatz der Pharmaindustrie, kann man eigentlich nur lachen. Gerade einmal einen Prozent des gesamten Jahresumsatzes der Pharmaindustrie machen homöopathische Medikamente aus. Ganz ehrlich liebe Homöopathiekritiker: Mit solchen Absatzzahlen soll die Homöopathie unsere Gesundheit gefährden?
Die Kraft der Placebos
Größtes Argument der Kritiker gegenüber der Homöopathie ist eine Studie aus Australien, welche wiederum zahlreiche andere Studien verglichen und dabei festgestellt hat, dass Homöopathie auch nicht besser wirkt als Placebos. Nun gut, dazu muss man allerdings sagen, dass es zahlreiche Studien gibt, die belegen wie gut Placebos wirken. Das liegt vor allem daran, dass der menschliche Geist, die Psyche, beinahe Unvorstellbares zu leisten im Stande ist. Wer sich einmal mit den Selbstheilungskräften des menschlichen Körpers beschäftigt, der stellt sofort fest, dass wir viel öfter auf unseren Körper hören und nicht einfach wahllos Medikamente mit teils schwerwiegenden Nebenwirkungen in uns reinstopfen sollten. All jenen, die bereits bei den leisesten Anzeichen einer Erkältung damit beginnen sich am Morgen Antibiotika aufs Brot zu schmieren, sei gesagt, dass ein paar Tage Ruhe und viel Schlaf immer noch die beste Medizin ist, die der Mensch sogar kostenlos in sich trägt. Mehr noch. Das Bewusstsein, wie gefährlich die völlig gedankenlose Verschreibung von antibiotischen Wirkstoffen für die Menschheit ist, kommt erst sehr schleppend in unserer Gesellschaft an. Stattdessen stürzt man sich auf alternative Ansätze wie die Homöopathie und verteufelt diese als wirkungslos. Vielleicht mag sie bezogen auf ihre Wirkstoffe wirkungslos sein.Aber so lange es Menschen gibt, die daran glauben und die es damit schaffen ihre körpereigenen Heilungskräfte über ihre Psyche anzukurbeln, ist Homöopathie nicht nur harmlos, sondern sogar ein sehr wirkungsvoller Bestandteil eines breiten Sortiments an Arzneimitteln.
All jene, die nicht daran glauben, können sich ja weiter mit Antibiotika vollstopfen. Das wird bis zu jenem Tag gut gehen, an dem kein Antibiotikum mehr wirken wird und sie an längst beherrschbaren Erkrankungen wie Lungenentzündungen oder ähnlichem zu Grunde gehen. All jene, die daran glauben, werden auch in Zukunft schneller mit einer kleinen Erkältung fertig werden und müssen sich bei kleinen Wehwehchen nicht mehr mit gravierenden Nebenwirkungen von Medikamenten herumschlagen.

Foto: Eva Purrer

Politischer Mensch. Ausgeprägtes Bewusstsein für Umwelt, Ökologie und Gerechtigkeit. Hat Politikwissenschaften studiert. Arbeitet aktuell in der Politik. Auf Landesebene. Interessiert sich für Weltpolitik. Schreibt gerne Analysen.

2 Comments

  1. Das liegt vor allem daran, dass der menschliche Geist, die Psyche, beinahe Unvorstellbares zu leisten im Stande ist. Wer sich einmal mit den Selbstheilungskräften des menschlichen Körpers beschäftigt, der stellt sofort fest, dass wir viel öfter auf unseren Körper hören und nicht einfach wahllos Medikamente mit teils schwerwiegenden Nebenwirkungen in uns reinstopfen sollten.
    #Truth
    Dem kann ich nur zustimmen!
    kurze Frage: Schmecken Antibiotika auf Toast mit Butter genau so gut wie frischer Schnittlauch? =DD
    (Y) sehr guter Artikel

  2. Einen tollen Artikel zu Homöopathie hat Florian Freistetter für den Standard geschrieben. http://derstandard.at/2000011546699/Homoeopathie-wirkt?_blogGroup=1
    Ich finde solange Käufer solcher Mittel darüber aufgeklärt werden, dass es sich um nichts weiteres handelt als den reinen Placeboeffekt und dies auch offen kommuniziert wird, ist das ganze auch kein Problem. Gerade bei Erkältungen und dergleichen schadet es natürlich nicht. Wenn aber Menschen mit einer falschen Erwartungshaltung solche Pseudo-Medizin kaufen und dann doch nicht zum Arzt gehen oder Antibiotika nehmen, wenn diese wirklich angebracht wären, kann es gefährlich werden. Darum finde ich es toll dass gerade eine Welle der Homöopathie-Aufklärung um sich greift.
    Darüber hinaus sollte man (in ihren Worten) „viel öfter auf unseren Körper hören und nicht einfach wahllos Medikamente“ in uns reinstopfen. Wenn ich sehe wie schon Schüler gegen Prüfungsangst, bei Schlafproblemen oder gegen allgemeine Nervosität Globuli schlucken, finde ich werden diese mit einem falschen Bild erzogen, dass man nur mit ein paar Kügelchen, ob diese wirken oder nicht diese Probleme lösen kann.

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