Chloe x Halle – Auf den Spuren der Knowles-Schwestern

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Wie auch die restliche Musikwelt, sind wir bei afeu bekanntlich auch große Fans von Beyonce Knowles und ihrer Schwester Solange. In die zugegebenermaßen  großen Fußstapfen wollen Chloe und Halle Bailey treten. Mit ihrem zweiten Album Ungodly Hour ist ihnen ein erster Schritt gelungen.

Die beiden Schwestern Chloe und Halle starteten ihre Musikkarriere dem Zeitalter angemessen über einen eigenen YouTube-Kanal. Mit 13 bzw. elf Jahren coverten sie bekannte Popsongs und wollten der Welt ihr Gesangstalent vorstellen. Der Durchbruch kam dann just mit den eigenen Versionen von Beyonces Hits „Best Thing I Never Had“ und „Pretty Hurts“. Letzteres fand den Weg in die Timeline Queen Bs und sie nahm die beiden Künstlerinnen wenig später auch gleich unter Vertrag und 2016 auf ihre The Formation World Tour mit.

Schon das Debüt-Album The Kids Are Alright konnte 2018 Kritiker und Fans zufriedenstellen, das Album wurde für zwei Grammys nominiert. Beyonce und ihr Gatte Jay-Z ließen sich von Chloe und Halle bei ihrer On The Run II-Tour unterstützen, der Bekanntheitsgrad der beiden wurde weiter gesteigert. 2019 war generell ein sehr gutes Jahr für die beiden Schwestern – ein Song schaffte es auf den Soundtrack zum Breaking Bad-Spinoff-Film El Camino und sowohl bei Wrestlemania 34 als auch beim Super Bowl LIII durften sie die jeweiligen Shows mit America the Beautiful eröffnen. Dass sie darüber hinaus auch selbst vor der Kamera stehen und seit 2018 zum fixen Bestandteil des erfolgreichen black-ish Ablegers grown-ish gehören, verwundert angesichts der bisherigen Vita wenig. Vor wenigen Wochen veröffentlichen die Schwestern ihr zweites Album Ungodly Hour, das in den Bestenlisten zum Ende des Jahres in den vorderen Rängen zu finden sein wird.  

Do it

Es wäre zu einfach Chloe und Halle als nächstes Pop/R&B-Produkt der Industrie zu reduzieren. Die Texte des 13 Lieder umfassenden Zweitwerks wurden ausnahmslos von den beiden Sängerinnen geschrieben, bei der Produktion holen sie sich nur in wenigen Fällen Unterstützung von außerhalb. Das braucht es auch nicht, die Songs sind stark und teilweise wirklich fantastisch produziert.

Inhaltlich geht es um Zusammenhalt, hauptsächlich jenem zwischen (schwarzen) Frauen und deren Emanzipation. Wo andere Künstlerinnen absichtlich provozieren um den nächsten Schritt vom Teenie-Idol zum Bad Girl zu machen, verzichten die beiden Schwestern vollständig darauf und wollen ihre Texten, ihre Musikalität und ihr Talent in den Mittelpunkt stellen.

Viele Schwächen finden sich in den knapp 37 Minuten nicht. Der Opener Forgive Me wächst und wächst und gedeiht am Ende in eine mächtige Trap/RnB-Nummer. Die Lead-Single Do It – mitgeschrieben von Ariana Grandes bester Freundin Victoria Monet – hat das Zeug zum Sommerhit, zumindest aber für einen viralen Kassenschlager für die Kids auf TikTok. Good Vibes only eben. So geht das dahin, die namensgebende Single Ungodly Hour wurde zusammen mit Disclosure produziert und steht sinngemäß für den Sound von 2020, im ersten Moment vielleicht etwas seicht, aber trotzdem richtig edgy. Busy Boy hätte ohne weiteres auf ein Frühwerk Beyonces oder gar ein Aaliyah-Album gepasst, mehr 90er-Vibe wird man nicht mehr bekommen.

Kommen wir zum negativen Höhepunkt: In Catch Up darf Swae Lee mitwirken, der nicht zuletzt durch Kollaborationen mit Post Malone seinen Einzug in die Charts und den Mainstream feiern durfte. Aber er kann einfach nicht mit den stimmgewaltigen Frauen mithalten, wirkt ein bisschen verloren und generell kann man auf diese 3:04 Minuten eher verzichten. Die Absicht und der Wille ist da, aber die Umsetzung ist doch eher ein Stilbrecher, als gelungene Ergänzung.

Macht aber nichts, danach wird’s wieder richtig gut. Das kurze Overwhelmed geht fantastisch in Lonely über, das den nur sehr schwer aus dem Ohr des Hörers verschwindet. Don’t Make It Harder On Me dürfte das Highlight der gesamten Scheibe sein, Wonder What She Things Of Me erinnert an Lana del Rey und zeigt einmal mehr, wie talentiert die beiden jungen Sängerinnen sind. ROYL wird dann wieder etwas poppiger und schließt ein wirklich gelungenes zweites Album sehr versöhnlich ab.

Chloe x Halle klingeln an der Tür zum RnB- und Pop-Himmel und dürften mit Ungodly Hour einen großen Schritt in die Richtung der großen Legacy der Knowles-Schwestern gesetzt haben. Eine der größten Überraschungen des bisherigen Jahres.  (Titelbild © Sony Music)

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