(Bald) Kultur im Kom(m)a

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Das VZ Komma in Wörgl versteht sich als Veranstaltungsort, der versucht kulturelle und gesellschaftliche Bedürfnisse anzubieten sowie zu befriedigen und die Räumlichkeiten der Bevölkerung zur Verfügung zu stellen. So die Kernaussage in einer Stellungnahme von Luggi Ascher, der im Management des Kommas tätig ist. Das Komma gehört der Stadt, kann daher gebucht werden wie jede andere vergleichbare Location. Im letzten Drittel der Stellungnahme verweisen die Verantwortlichen noch auf das Verteidigen demokratischer Werte durch die Gleichbehandlung aller Parteien, und der Rechtfertigung, dass van der Bellen ja ebenso hier auftreten könne. Also alles wieder gut? So einfach ist die Sache dann doch nicht.
Wird der hetzerische Politsprech der Freiheitlichen einmal ausgeklammert, dem Primat der freien Meinungsäußerung bis zum Gesetzesbruch entsprochen und jegliche Form ideologischer Zwistigkeit bei Seite gelassen, bleiben leider ausreichend inhaltliche Themenpunkte, die in dieser Causa geklärt gehören. Dass die FPÖ die Wirtshäuser, Stammtische und öffentlichen Plätze ihrer Hochburgen bespielt und diese zu provinziellen Zeltfesten stilisiert und aufbläht ist einerseits nur legitim, weil es dem Politik- und Gesellschaftsverständnis der Blauen absolut entspricht. Andererseits ist dies auch kongruent mit der Themensetzung, den Lösungsvorschlägen und der allgemeinen Ausrichtung der Partei. Wenn die FPÖ aber Bühnen von Kulturveranstaltungszentren besetzt und diese für ihre Zwecke verwendet, ist der inhaltliche Spagat und zu überwindende Spalt des Widersprüchlichen doch enorm.


So soll sie nicht sein. Die Kunst.


Eine der wichtigsten Aufgaben kulturellen Schaffens sind das Kommentieren des Zeitgeistes, das Diskutieren von Herrschaftsverhältnissen, das Fokussieren auf und Verfremden von aktuellen sowie zeitlosen Themensetzungen und die Kritik an sich. Die gelebte Praxis der freiheitlichen Kulturpolitik steht diesen Ansprüchen zumeist diametral gegenüber. Zwar gibt es programmatische Lippenbekenntnisse, die sich für Diversität im Kulturbereich aussprechen, jedoch mit Einschränkungen. Förderungen und Subventionen dürfen erfolglose Produktionen nicht auffangen. Das heißt so viel wie, dass Erfolg die Maxime darstellt, an der sich Kulturschaffende zu orientieren haben. Nicht am künstlerischen Mehrwert, der Nischenproduktion oder der gelebten Vielfalt. Kultureinrichtungen, denen ideologische Ausrichtungen zugrunde liegen, sollen nicht weiter subventioniert werden, bestenfalls sogar geschlossen werden (klassische Beispiele wären das WUK, die Arena oder das Amerlinghaus in Wien). Künstler und Künstlerinnen, nicht nur, aber vor allem im ORF, werden ohnehin durchwegs als Staatskünstler ohne jeden Qualitätsanspruch diskreditiert. Auch persönliche Angriffe oder Verunglimpfungen der Werke wie es Jelinek, Nitsch und Nöstlinger, aber auch Stefanie Sprengnagel in der Vergangenheit ertragen mussten, passen in die kulturideologische Vernaderungspolitik der Freiheitlichen. Gutmenschen, Subventionsempfänger und Haute-Volée sind weitere Beispiele aus Presseaussendungen. Diese Liste könnte unendlich in allen Ausprägungen erweitert werden, was aber in jedem Fall jetzt schon auffällt, ist der autoritäre Charakter und die engmaschige Definition wie die FPÖ Kultur definiert oder fördern würde.


Provinziell muss sie sein. Die Kunst.


Hofer und Strache lassen sich mit Odin Wiesinger und Tanya Playner ablichten, die sich mehr als offen dazu bekennen, für wen sie Kunst machen und wen sie damit unterstützen möchten. Tanya Playner listet auf ihrer Facebookseite alle bekannten internationalen Rechtspopulisten auf, damit gleich gar kein falscher Eindruck entstehen kann. Subtil ist anders. Die FPÖ Oberösterreich warb im Landtagswahlkampf mit den kulturpolitisch wichtigen Themen der Forcierung des Brauchtums und die Kontrolle der Fördertöpfe. Für die Wiener FPÖ sollten Subventionen ohnehin nur noch an österreichische Produktion mit österreichischen Inhalten vergeben werden. Für eine Weltstadt wie Wien bestimmt die ideale Ausrichtung um als Kulturstandort mitzuhalten. Überhaupt wird man den Eindruck nicht los, die FPÖ wisse bereits genau wie kulturelle Inhalte auszusehen haben, wie ihnen Ausdruck verliehen werden soll und wie sie rezipiert gehören. Ganz klare Vorstellungen und Regeln für etwas so freies wie die Kunst? Es stellt sich hierbei die Frage in wie fern die Kunst ihren Aufgaben und Zielen gerecht werden kann, wenn das Seil so eng um den Hals gespannt ist, dass jegliche Form von Kritik am Wertekonstrukt der FPÖ mit Missgunst oder möglichen finanziellen Folgen bedacht wird. Klar ist, dass diese Art der Gesinnungspolitik im Kulturbetrieb nicht nur eine Randnotiz darstellt, sondern am Beispiel des Kommas einem möglichen Flächenbrand gleicht, deren Auswirkungen noch nicht abzusehen sind.
Wie die Kulturanbieter und Kulturproduzentinnen in Wien die Situation einschätzen hat das thegap in einem hervorragenden Rundruf vor der Wiener Landtagswahl 2016 vor einiger Zeit festgehalten. Die FPÖ in Regierungsverantwortung wäre ein Schlag ins Gesicht der Kulturschaffenden und eine Katastrophe für die Veranstalter und Kulturhäuser.
Hetze bleibt Hetze. Egal wo. Aber wenn eine Gastwirtin ihre Nähe zur FPÖ durch das Hofieren von Hofer bekunden möchte oder der Ausrichtung von freiheitlichen Parteiveranstaltungen zustimmt, ist das ihre Sache. Der Auseinandersetzung mit ihrem Publikum muss sie sich stellen und sie muss auch die Konsequenzen dafür tragen. Zumindest inhaltlich gibt es zwischen den Wirten und der FPÖ einige Überschneidungen. Aber ob es sowohl im öffentlichen als auch im Interesse der Künstlerinnen und Künstler ist, sich mit Vernaderern der Kulturszene die Veranstaltungsorte zu teilen, wage ich zu bezweifeln. Im Sinne der Kulturanbieter kann diese räumliche Überschneidung schon gar nicht sein. Es handelt sich dabei nicht um einen Kavaliersdelikt, der im Zuge demokratiepolitischer Diskussionen augenzwinkernd zur Kenntnis genommen wird, sondern um ein Auflösen des Schulterschlusses der Kulturproduzenten sowie ein aktives Desavouieren der Kulturszene als subventionsempfängliche Schickeria. Dabei sollten Kulturveranstaltungszentren nicht mitmachen. Später wird es heißen, ihr ward dabei.

Titelbild: (c) Facebook FPÖ-Tirol - die Tiroler Freiheitlichen
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