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Logisch, oder?

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Angefangen hat es damit, daß da ein Virus in die Welt kam, und wie es den Anschein hatte, kam es aus China. In dem anfänglichen Geplänkel darüber, wie gefährlich es wohl sei, bezeichnete der seinerzeitige amerikanische Präsident, zugleich erfolgreichster Krampusdarsteller aller Zeiten, es als „chinesisches“. Da war die Empörung groß! Da kann doch der arme Chinese nichts dafür, und jetzt wird das Virus nach ihm benannt. Daß man nur so rassistisch sein kann! Unglaublich!

Dann tat dieses Virus, was Viren so tun, es mutierte. Eine von mittlerweile geschätzten 12.000 Mutationen wurde erstmals in England gesichtet, bevor sie sich am Kontinent breitmachte. Daselbst hieß es dann das „englische“. Und das war natürlich überhaupt nicht rassistisch, zumal die Engländer die Frechheit besessen hatten, nicht nur aus der EU auszutreten, sondern auch noch ihr Impfprogramm erheblich zügiger als die EU durchziehen. Das ergibt gesamt eine doppelte Beleidigung, die nicht so schnell vergessen wird. Wir wollen gar nicht damit anfangen, daß diese Engländer schon vor Jahrzehnten die noch größere Frechheit besaßen, sich nicht freiwillig und freudig dem Großdeutschen Reich anzuschließen, wie es so viele andere Länder taten, und im Endeffekt an dessen Niederlage mitwirkten. Und wenn man sich hierzulande öffentlich oder privat über das englische Königshaus lustig macht, so spricht daraus in erster Linie ein Beleidigtsein der astreinen Demokraten über den Umstand, daß wir unsere Monarchie auf den Müll geschmissen haben und sie ihre noch haben dürfen.

Aber vielleicht ist es unbescheiden, bei derlei Äußerungen ein Mindestmaß an Logik, an Konsistenz zu verlangen. Vielleicht dienen sie immer nur dem einen Zweck, daß die Horde sich danach besser fühlt. Daß dabei „the science“, wie Greta Thunberg sich ausdrückt, als letzte Instanz angerufen wird, ist so üblich, tut aber weiter nichts zur Sache.

So wenn unser Kanzler anläßlich der momentan im Bezirk Schwaz auftrentenden Virus-Mutation, der „südafrikanischen“, von einem „Horrorszenario“ spricht. Das drohe uns, wenn wir Tirol nicht endlich vorne und hinten, oben und unten und auch noch innen zusperren. Könnte der Kanzler nicht sagen: Freunde, die Lage ist etwas unübersichtlich, vielleicht wäre es besser, wenn man in Tirol darauf Rücksicht nimmt. Nein, nein, ein „Horrorszenario“ muß es sein, darunter tun wirs nicht.

Letzten Frühling sprach dieser Kanzler bekanntlich von 100.000 Toten und davon, daß bald jeder von uns jemanden kennen würde, der an diesem Virus verstorben wäre. Ähnliche Prognosen und Aussagen hörte man aus anderen Ländern, nichts davon ist eingetroffen. Der „Seuche“ fallen etwa 1 bis 2 Promille der Bevölkerung zum Opfer, und das Durchschnittsalter der Verstorbenen liegt über der durchschnittlichen Lebenserwartung, jedenfalls in Deutschland, Österreich und der Schweiz, also bei 84 oder 86 Jahren.

 Das ist aber ganz egal. Es wird weiter Angst gemacht und zugesperrt und eingesperrt. Der brave Bürger tut, was ihm übrigbleibt. Er schwindelt sich so irgendwie durch und hofft, daß am Schluß noch etwas von dem übrig bleibt, was vorher da war. Und niemand weiß, wie wir aus der Angstmacherei je wieder herauskommen. Vielleicht müssen zuerst alle mitsammen die Schnauze voll haben, oder jedenfalls der die allergrößte Mehrheit. Wie lange kann das dauern? Drei Jahre, vier Jahre, bis dann wirklich alles kaputt ist?

Walter Klier, geb. 1955 in Innsbruck, lebt in Innsbruck und Rum. Schriftsteller und Maler.
Belletristik, Essays, Literaturkritik, Übersetzungen, Sachbücher. Mitherausgeber der Zeitschrift "Gegenwart" (1989—1997, mit Stefanie Holzer). Kommentare für die Tiroler Tageszeitung 2002–2019.
Zahlreiche Buchveröffentlichungen, u.a.: Grüne Zeiten. Roman (1998/Taschenbuch 2014), Leutnant Pepi zieht in den Krieg. Das Tagebuch des Josef Prochaska. Roman, 2008. Taschenbuch 2014). Der längste Sommer. Eine Erinnerung. 2013.
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