Wolfgang Haffner mit Ulf Wakenius im Treibhaus

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„Mein musikalischer Ansatz ist nach wie vor der Gleiche: Ich möchte mit herzvoll gespielter Musik die Menschen erreichen.“ Das sagt einer, der im Leben alles erreicht hat: German Jazz Award, ECHO Jazz, Kulturpreis des Landes Bayern! Vor zwei Jahren händigte ihm dann Nürnbergs Bürgermeister Ulrich Maly den großen Kulturpreis der Stadt aus. Wolfgang Haffner, einer der bekanntesten Schlagzeuger Deutschlands, sagt diesen Satz über sich und wenn man den großgewachsenen Mann sieht, dann nimmt man ihm das ab. Denn er wirkt so, wie man ihn immer hinter den drumsets verschiedenster Band gesehen hat. Glücklich, das zu tun, was er am liebsten macht: Trommeln!

Wolfgang Haffner bei der Echo Verleihung ( (c) ACT)
Wolfgang Haffner bei der Echo Verleihung ( (c) ACT)

Vor zwei Jahren war nicht klar, ob er weitermachen kann, denn da erwischte ihn ein Herzinfarkt. „Zu viele Termine auf allen Kontinenten“, gesteht er ein Jahr später Roland Spiegel vom Bayerische Rundfunk. Doch Haffner packte es und war schon nach wenigen Monaten wieder „wie neugeboren“. Offensichtlich sorgt das Schlagzeugspielen bei dem Franken aus Wunsiedel für eine unverwüstliche Konstitution. Seit er sechs Jahre alt ist, sitzt er mit Begeisterung am Schlagzeug. Es war das Ludwig Acrylschlagzeug von „The Sweet“, das es dem Sechsjährigen angetan hatte. Er wollte unbedingt genau so ein Teil haben, durchsichtig und mit einer riesigen Ausstattung. Und sein Vater, ein Kirchenmusiker, kaufte ihm das Teil. Wenn’s der Bub nicht mehr will, nehmen wir’s halt für die Kirchenband – wird er sich gedacht haben. Doch so richtig ging der Plan nicht auf, denn der Bub wollte es!
„Eine fantastische, glückliche Zeit“, sagt er heute darüber. Der Jazzlub „Unterfahrt“ ist gepackt voll. Schon am Eingang ist die Atmosphäre spürbar die immer dann entsteht, wenn eingefleischte Jazzfans in Gruppen auftreten: ein, bisschen verschwörerisch, voller Erwartung und sehr wenig Frischluft. Das liegt nicht nur an Wolfgang Haffner, sondern auch an Ulf Wakenius, der gemeinsam mit Christopher Dell die front line der Bühne einnimmt. Gemeinsam sind sie mit Bassist Ingmar Heller auf Tour, um das neue Album „Kind of Cool“ vorzustellen. „Warum jetzt diese Hinwendung zu einer strengeren und traditionellen Form des Jazz“, frage ich,“ hat dein 50. Geburtstag eine Wende herbeigeführt?“ Doch davon will der Drummer nichts wissen. „Ich habe mich über viele Jahre intensiv mit dem Cool Jazz auseinandergesetzt“, erklärt er, „bevor ich begann, meine Musik mit Elektronik zu bereichern.
(c) ACT, Ulla C. Binder
(c) ACT, Ulla C. Binder

Das Projekt ‚Kind of Cool‘ war die Idee meiner Plattenfirma ACT und sie rannte damit bei mir offene Türen ein.“ Auch hier steht wieder Wolfgangs Vater, der Kirchenmusikdirektor, Pate. Denn der hatte sich einst Dave Brubecks Platte „Take Five“ gekauft und damit die Aufmerksamkeit seines Filius erregt. Das, was die Vier heute auf die Bühne bringen, hat natürlich nichts mehr mit Brubecks ausgeklügelten Rhythmusspielen zu tun. Es ist eine Art äußerst emotionaler Fusionjazz. Dafür sorgt Christopher Dell, der eine solche Spielfreude am Vibraphon verbreitet, dass man unwillkürlich mit ihm in die Höhe hüpft, wenn er sein Solo vollendet. Und emotional ist auch Ulf Wakenius, von dem man sich erzählt, dass er sogar während der heimischen Fernsehabende auf der Couch Gitarre übt – sehr zum Leidwesen seiner Frau. Für die Fans ist es allerdings ein Gewinn, denn die Töne, die der Schwede hervorbringt, sind unglaublich. Er kann jede Klangfarbe auf seiner Gitarre hervorbringen – ohne dass er elektronische Effekte bemühen müsste. Das wird besonders deutlich, wenn die Vier sich an Esbjörn Svensson erinnern, der vor acht Jahren beim Tauchen tödlich verunglückte. Auch wer nicht weiß, wie nahe Ulf und Esbjörn sich standen, wenn er „Love is real“ aus der Feder des Keyboarders spielt, kann man es hören.
„Ihr seid ja nächste Woche in Innsbruck“, sage ich zu Wolfgang. „Was verbindet dich mit dem Treibhaus und Deinen österreichischen Fans?“ – „Norbert und sein Team haben über die Jahre einen Platz geschaffen, der seinesgleichen sucht“, erklärt er mir. „Im Treibhaus zu spielen, hat immer etwas von nach Hause kommen für mich. Man fühlt sich dort als Musiker sehr willkommen und ich denke, den Gästen geht es genauso.“ In der Unterfahrt ist es auf jeden Fall so. Wenn ich jetzt noch frische Klamotten hätte, wäre ich wunschlos glücklich.

Artikelbild (c) ACT, Gregor Hohenberg

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