Rockavaria auf dem Münchner Olympiagelände

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Die Welt der Rockfestivals im deutschsprachigen Raum wird seit einiger Zeit merklich erschüttert. Denn auch wenn es über 300 Festivals mit rockigem Sound gibt, war das manch einem Veranstalter nicht genug. Zudem hat die Deutsche Entertainment AG festgestellt, dass das beschauliche München unbedingt wieder ein großes Rockfestival braucht. Denn seit vielen Jahren schweigen nun schon die Gitarren in der Metropole von Hochkultur und klassischer Musik. Wir erinnern uns: 1996 war Schluss mit Rock im Park auf dem Münchner Olympiagelände. Auch der wenig ruhmreiche Abschluss des Southside Festivals drei Jahre später dürfte wohl den meisten Fans noch in Erinnerung sein: Marilyn Manson versaute betrunken seinen Gig, zum Dank rannten wütende Metalfans seine Bühne ein. Das war so gar nicht im Sinne der sauberen Münchner Veranstaltungslandschaft. So mussten sich Fans von Thrash, Nu und Black Metal mit kleineren Konzerten auf der Theresienwiese oder dem Königsplatz begnügen. Und weil die DEAG hier im letzten Jahr mit Black Sabbath so gute Erfahrungen gemacht hat, und offensichtlich auch die Entscheider der Stadt München gemerkt hatten, dass Metalfans nicht nur alles vollkotzen, sondern auch einiges an Geld ins Stadtsäckel bringen – ja, deswegen ist die Zeit nun reif für das Rockavaria.

Nichts für Softies – das Rockavaria 2015

Vom 29. bis zum 31. Mai geht es auf dem Olympiagelände endlich wieder laut und dreckig zu. Von Judas Priest bis Limp Bizkit, von Faith No More bis Airbourne trifft man hier so ziemlich jede Formation, die in den letzten zehn Jahren mit gescheitem Metal und Hard Rock auf sich aufmerksam gemacht hat. Und schon diese paar Namen zeigen, wo sich das Rockavaria platziert und wie man sich von seinen Konkurrenten, vor allen Dingen von „Rock im Park“, das eine Woche später in Nürnberg stattfindet und Rock am Ring (ebenfalls eine Woche später in Mendig) absetzt. Denn während in Nürnberg auch solche Softies wie Clueso oder Die toten Hosen auf die Bühne dürfen, kracht es in München einfach gewaltig. Hier sind fette Gitarrenriffs, überspielte Anlagen und heftige Auftritte mit den merkwürdigsten Masken – man denke an die schicken Eulenmasken der Möchtegernfieslinge von Kvelertak – zu erwarten. Und auch solche Outsidergigs wie die kleinen japanischen Mädchen von Baby Metal oder die symphonischen Klänge von Epica sind mit dabei. Also alles gut? Im Prinzip Ja.

Beim Rockavaria 2015 gibt es echten Metal, Hard Rock und grimmige Typen wie die Jungs der norwegischen Band Kveltertak.
Beim Rockavaria 2015 gibt es echten Metal, Hard Rock und grimmige Typen wie die Jungs der norwegischen Band Kvelertak.

Aber natürlich ist nie alles gut, wenn es um ein so gigantisches Projekt wie ein dreitägiges Festival geht – das zudem noch zwei Spiegelfestivals hat. Zeitgleich wird in der Gelsenkirchener Arena gerockt und eine Woche später kann man sich dann das Ganze beim Rock in Vienna antun. Da geht es auch um richtig viel Geld, und dementsprechend gab es im Vorfeld viel zu meckern und zu hinterfragen. Besonders erbost zeigten sich die Fans, als bekannt wurde, dass es nur komplette Tickets für alle drei Tage (180 €) zu erwerben gab. Als die Veranstalter merkten, dass das nicht gut ankam, war man so freundlich, so genannte Share Tickets auszugeben. Diese Tickets waren zwar immer noch für alle drei Tage, doch sie waren ausdrücklich einzeln für den privaten Weiterverkauf freigegeben. (Deswegen waren die Share Tickets dann auch gleich noch mal 20 Euro teurer.) Netterweise richtete man auch noch eine entsprechende Plattform für das Kaufen und Verkaufen ein – eine Facebookgruppe sollte es richten. Merkwürdigerweise kam diese Idee ebenfalls nicht gut an. Das hat dann schließlich auch die DEAG verstanden. Inzwischen gibt es Einzeltickets (85 €) im Verkauf – geht doch!

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