Informationsflut – der Tod des Qualitätsjournalismus

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Österreichs Printmedien stehen vor neuen Herausforderungen. Foto (c) APA
Österreichs Printmedien stehen vor neuen Herausforderungen. Foto (c) APA

Das Rad unserer informationsüberfluteten Gesellschaft dreht sich immer schneller. Informationen werden per Highspeed durch das Internet gejagt. Einer Sensationsmeldung folgt die nächste auf direktem Fuße. Meist verbreiten sich die Neuigkeiten heute über die so genannten sozialen Medien und jeder der in diesem Netzwerk mit drin hängt, wird unweigerlich in den Sog der Informationsflut hineingerissen. Eine Gegenwehr ist nicht möglich.
Diese fast schon unmenschliche Beschleunigung unserer Gesellschaft stellt auch die Medienlandschaft vor neue Herausforderungen. Vor allem die klassischen Printmedien versuchen mit ihren Online-Auftritten vom Kuchen der raschen Informationsaufbereitung mitnaschen zu können. Dabei könnten sie gerade in diesem Bereich den meisten Zuwachs in der Leserschaft erringen. Doch sie machen einen großen entscheidenden Fehler.
Wohin man sieht, egal ob es Standard, Presse oder die regionalen Tageszeitungen betrifft, sind Zeitungen am Werk sich im Internet gegenüber ihrer Konkurrenz einen Namen zu machen. Dabei verlassen sie sich meist auf die möglichst kreative Einbindung von jungen sozialen Medien wie Facebook, Twitter und co. Dies ist natürlich eine möglichst einfache und kostengünstige Möglichkeit redaktionelle Inhalte von anderen kreieren zu lassen und diese dann im eigenen Medium zu reproduzieren. Bei den eigenen Berichten setzen sie vor allem auf die möglichst schnelle und kurze Information über die aktuellen Themen. Solche Artikel laden den Leser kaum dazu ein, sich ausgiebiger mit dem Online-Auftritt der jeweiligen Zeitung zu beschäftigen. Schon gar nicht jedoch macht es ihnen den Kauf der klassischen gedruckten Ausgabe schmackhaft.
Anstatt sich auf die eigenen Stärken zu besinnen und einen neuen Trend der Entschleunigung einzuleiten, begeben sich die Medien in unserem Land ans Gängelband einer sich immer schneller im Kreis drehenden Informationsgesellschaft, die nahe am journalistischen Abgrund umher torkelt. Das ureigenste Werkzeug eines Journalisten ist die Recherche und genau diese kommt in den heutigen Medien zu kurz. Möglichst viel Information in möglichst kurzer Zeit ist das oberste Ziel der österreichischen Medien. Recherchetiefe haben nur die wenigsten Berichte in Zeitung, Radio, TV und Internet. Die Hauptsache ist, man hat am Ende des Tages über alle aktuellen Themen ein Wort verloren.
Das Problem Kronen-Zeitung:
Eines der ureigensten Probleme der österreichischen Medienlandschaft ist sicherlich die Machtposition der Kronen Zeitung. Diese steht seit Jahrzehnten an der Speerspitze sensationsgeiler, ungenauer und primitiver Informationsaufbereitung. Gepaart mit einer optimalen Aufmachung der Zeitung an sich, muss sich die Kronen Zeitung auch nicht sonderlich auf das Online-Geschäft konzentrieren und kann sich aus diesem Kampf um noch schnellere Information getrost heraushalten. Die anderen Zeitungen hingegen beschäftigen sich nur mehr damit, wie sie unter Einbeziehung der neuen Medien ihrem großen Konkurrenten endlich näher kommen können.
Das Geheimnis heißt Entschleunigung und Informationstiefe:
Die wenigen vorhandenen Wochenzeitungen in Österreich haben ein Reichweitenproblem und die zahlreichen Wochenmagazine lassen wiederum in der Qualität der Berichterstattung einiges vermissen. Der Zeitungsmarkt ist übersättigt mit Blättern die sich um die Leserschaft „prügeln“ und dafür scheinbar jegliche Abkehr von der journalistischen Tradition gerne in Kauf nehmen. Dabei könnte man mit gut recherchierten und thematisch tiefgreifenden Artikeln die Leute wieder mehr zum Lesen anregen und aus ihrer Geiselhaft der Informationsüberflutung befreien. Dies wird sicherlich die größte Herausforderung der nächsten Jahre sein und es wird spannend zu sehen, welche Medien als erste eine Trendumkehr hin zu alten Traditionen einleiten. Weg von sensationsgeiler Schlagzeilendrescherei hin zu mehr qualitativ hochwertigem Qualitätsjournalismus in diesem Land.

Politischer Mensch. Ausgeprägtes Bewusstsein für Umwelt, Ökologie und Gerechtigkeit. Hat Politikwissenschaften studiert. Arbeitet aktuell in der Politik. Auf Landesebene. Interessiert sich für Weltpolitik. Schreibt gerne Analysen.

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