DAS AFEU und DIE ZEIT

Haben etwas gemeinsam. Es ist kein Kater.

4 Minuten Lesedauer
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Ein Monat nach Wiederbelebung. Höchste Zeit für ein Zwischenfazit.

Es läuft. Täglich geht ein neuer Artikel online. Sogar an den Wochenenden. Die Autoren haben fix zugeteilte Tage, liefern pünktlich und wählen ihre Themen frei. Noch hat sich kein wirklicher Diskurs entwickelt. Das mag unterschiedliche Gründe haben. Vielleicht war das passende Thema noch nicht dabei oder die Autoren sind zu höflich, um zu streiten. Vielleicht auch zu schüchtern. Das wird sich zeigen. Die Zeit beantwortet alle Fragen. Nicht die aus Hamburg. Die auch. Aber nur einmal in der Woche. DIE ZEIT, wie die Wochenzeitung aus Hamburg richtig geschrieben wird, hat seit Kurzem ein neues Ressort. Das hört auf den schönen Namen STREIT. Noch schöner ist das dazugehörige Motto. Ohne Streit, keine Versöhnung. Wie intelligent. Aber das verwundert nicht. Immerhin schreiben bei der ZEIT intelligente Leute für intelligente Leute. Und eine Agentur hatte auch ihre Finger im Spiel. Summa summarum eine wunderbare Sache, dieses neue Ressort. Fast wie ein Diskursplatz für Selbstdenker. Das kann nur Gutes bedeuten.

Auch wenn auf unserem Diskursplatz noch kein Diskurs stattfand – das mit den Selbstdenkern funktioniert. Wunderbar sogar. Sogar so wunderbar, dass es bereits Stammleser gibt. Wobei diese Beobachtung die Realität nicht ganz richtig widergibt. Stammleser hatten unsere Selbstdenker schon vorher. Sie haben sie mitgebracht. Als Willkommensgeschenk sozusagen. Martin Z. Schröder ist ein solches Willkommensgeschenk. Der Herr aus Berlin liest gerne Walter Klier und hat den Freitag zu seinem persönlichen AFEU-Lesetag auserkoren. In Schröders Welt sind wir eine Art Wochenzeitung. Welch schöner Gedanke! Auch Lina Hofstaedter hat Stammleser, die den Wochenanfang kaum erwarten können, um endlich den neuesten Text ihrer Lieblingsautorin anklicken zu können. Überhaupt haben (fast) alle unsere Autoren Stammleser.

Stammleser sind etwas Großartiges. Sie sind die größte Auszeichnung, die man als Autor empfangen kann. Neben dem Literaturnobelpreis. Ein Stammleser entscheidet sich FÜR einen Lieblingsautoren. Und das in Zeiten, in denen die meisten Menschen GEGEN etwas sind. Stammleser zu haben ist harte Arbeit. Man muss sie sich verdienen und einiges bieten. Kontinuität zum Beispiel. Ein Stammleser hat Erwartungen, die erfüllt werden wollen. Ein Stegmayr-Stammleser erwartet sich Texte über Kultur und gutes Essen. Gerne bissig, überhöht und zum daran Stoßen. Ein Text über Fußball, wäre kein echter Stegmayr und hätte sich auch keinen Stammleser verdient.

Ich. Ich verdiene keine Stammleser. Ich biete keine Kontinuität, keinen Wiedererkennungseffekt. Ich bin ein richtig schlechter Erwartungserfüller. Fast schon ein mieser. Mir fehlt es an Durchhaltevermögen und an einem Thema, dem ich mich voll und ganz hingeben kann. Nicht einmal bei der Textgattung halte ich mich an Regeln oder Gesetzmäßigkeiten. Ich mache es potenziellen Stammlesern wirklich schwer. Unerträglich schwer sogar.

Die Zeit beantwortet alle Fragen. Vielleicht muss ich es einfach erwarten. So lange, bis ich die Lust verliere zwischen Themen und Textarten herum zu springen und bei einer Sache hängenbleibe. Dann könnte es mir gelingen einen Stammleser an Land zu ziehen. Wobei ich mir nicht einmal sicher bin, ob ich dem gewachsen wäre. So ist das Leben. Man weiß nie, was als nächstes passiert, was Ursache und was Wirkung war. Das Leben ist voller Mysterien. So wie der Satz. Ich habe einen Kater. Der kann theoretisch alles bedeuten.

Ein Leben zwischen Schreibmaschine und Fußballplatz. Eigentlich Betriebswirt. Heute mal Autor, mal Sportmanager. Hat das ALPENFEUILLETON ursprünglich ins Leben gerufen und alle vier Neustarts selbst miterlebt. Auch in Phase vier - "Diskursplatz für Selbstdenker" - aktiv mit dabei und fleißig am Schreiben.

5 Comments

  1. Jetzt würde mich interessieren, wieviele Stammleserinnen es gibt (ich gehöre definitiv dazu). Auf dem Buchmarkt gibt es jedenfalls mehr Leserinnen als Leser. Vielleicht sollten mal die Männer mitgemeint sein.
    Und ein kreativer Kopf wie Du schafft es auch, das elegant zu formulieren.
    Ich hab mich jedenfalls gefreut über den Neustart des Alpenfeuilletons.
    Keep up the good work!

  2. Bissig über gutes Essen, soso, vielleicht werde ich auch da noch
    Stammleser, als Handwerker und Freund der österreichischen Küche, als
    Feind der Convenience-Sitte – wo finde ich diesen Stegmayr? Kein Link im
    Text, gibt es hier ein Suchfeld? Ach, da unten versteckt. Aber da werden
    mir von den 80 Ergebnissen nur alte Texte empfohlen. Ich teste einen von
    2016 über einen Zirkusbesuch, darin kommt keine Küchenkritik vor. Schaue
    ich auf die Autorenseite. Ach ja, es gibt jüngere Texte als von 2016!
    Nur von Speisen finde ich nichts. Etwas über Bier, ich bin zu grobzungig
    für Bierkritik. Schaue ich also bei Gastro und komme dort schon wieder
    ins Jahr 2015 oder 2017. Das war kein Hinweis, der die Verfolgung lohnt.
    Also Kinder, ich bin gern Stammleser. Es ist gemütlich, wenn man ahnt,
    was kommt. Also man ahnt Witz oder Kritik oder schöne Worte – aber man
    muß es mir dann schon auch ermöglichen.
    Wer ist Lina Hofstaedter? Mal schauen, der Empfehlung folgen. Über die
    Suchfunktion wird mir nur dieser Text hier verlinkt, als Autorin finde
    ich sie nicht. Schaue ich mal in die Monatsübersicht. Da werden die
    Autoren nicht genannt. Na nun geb ich es auf.
    Hilfreich wäre ein Newsletter mit Empfehlungen. Da müßte man nicht
    selbst herumsuchen. Denn das macht man dann eben meistens nicht.

    Zum vorstehenden Kommentar: Wenn hier übrigens genderkorrekte Sprache
    eingeführt werden sollte und Ärzte oder Leser nur noch Männer sein
    sollen, anders als bisher, dann werde ich sicherlich mein Blickfeld
    nicht mehr mit diesem Magazin erweitern. Wenn ich »Stammleser« lese, bin
    ich dann so blöd anzunehmen, damit seien ausschließlich Männer gemeint?
    Soll ich jedesmal durch Binnen-I oder Sternchen entweder an meine
    Blödheit oder an die Grammatikunkenntnis der Sternchenverfechter
    erinnert werden? Wir müssen nur mal probieren, wie es in der
    Seuchenberichterstattung klänge: Anerkannte Virologinnen und Virologen,
    Epidemiologinnen und Epidemiologen, Pulmologinnen und Pulmologen haben
    die Chefinnen und Chefs der europäischen Regierungen beraten. Prost
    Mahlzeit.

  3. Lieber Herr Schröder,

    vielen Dank für Ihren umfangreichen Kommentar.

    Hier ein paar – hoffentlich hilfreiche – Hinweise.

    Unter https://www.afeu.at/autoren/ findet man alle Autoren, die jemals für das ALPENFEUILLETON geschrieben haben. Auf der Startseite http://www.afeu.at kann man zudem jeden Autoren-Namen anklicken und gelangt direkt zu dessen neuesten Texten.

    Markus Stegmayr schreibt weitaus mehr und häufiger, als hier auf dem ALPENFEUILLETON. Er hat eine eigene Facebook-Gruppe zum Thema Wirtshausgeschichten. Die ist sehr empfehlenswert. Hier ein typischer Stegmayr-Gastro-Text: https://www.afeu.at/meinung/2020/05/17953/wie-sich-die-tiroler-gastronomie-jetzt-verandern-muss/.

    Das ALPENFEUILLETON gibt es, mit einigen Pausen seit 2011. Unterschiedliche Autoren haben hier publiziert. Manche über mehrere Jahre, manche nur sehr selten. Deshalb finden sich von Markus Stegmayr beispielsweise Artikel aus den Jahren 2015, 2016 usw. – alle älteren Artikel sind über das Archiv oder die Suchfunktion auffindbar. Die aktuelle ALPENFEUILLETON Generation ist die vierte.

    Einen Newsletter könnte man andenken. Im Moment empfehlen wir Artikel hauptsächlich über die Startseite und via Facebook. Wir gehen mit dem heutigen Tag in unser zweites Monat im Vollbetrieb (täglich ein neuer Artikel). Wenn das weiterhin so gut läuft, macht ein Newsletter sicherlich Sinn.

    Ich hoffe meine Ausführungen haben geholfen. Wünsche einen wunderschönen Tag!

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