Westderby: Wie die Bundesliga ihr Gesicht verliert

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Dass ein Spiel wegen Sicherheitsbedenken einfach abgesagt wird, passiert nicht jeden Tag. Viele Fragen stehen nun im Raum. Zwei drängen sich besonders auf: Wie konnte das passieren und wer trägt die Schuld daran?

Bundesliga befindet Stadion für OK

Austria Salzburg trägt seine Heimspiele, wegen Umbauarbeiten im eigenen Stadion in Salzburg, derzeit in Schwanenstadt aus. Das Spiel gegen Wacker Innsbruck wurde nun von der Bezirkshauptmannschaft Vöcklabruck untersagt. Interessant ist dabei, dass das Stadion in Schwanenstadt von der österreichischen Bundesliga, im Rahmen der Lizenzierung für die Saison 2015/16, nach teuren Umbauarbeiten von Austria Salzburg, für ausreichend befunden wurde. Somit dürfen dort eigentlich Spiele der sky go Ersten Liga ausgetragen werden. Diese Tatsache lässt einige Schlüsse zu:

  • Die Lizenzauflagen der Bundesliga im Bereich Infrastruktur sind nicht ausreichend, um ein Westderby sicher über die Bühne zu bringen
  • Die Bundesliga steht in schlechtem Kontakt mit den Behörden, welche für Veranstaltungen zuständig sind
  • Die Bundesliga hat den Umstand, dass ein Westderby sowohl emotional als auch überdurchschnittlich gut besucht sein wird, entweder ignoriert oder war sich dessen nicht bewusst

Egal welchen dieser Schlüsse man bevorzugt, der Umstand, dass die Bundesliga ein Stadion kommissioniert und für lizenzfähig hält, während Behörden das anders sehen, wirft ein unglaublich schlechtes Licht auf die Österreichische Bundesliga.

Warum kein Ausweichstadion?

Es wurde viel darüber berichtet, dass das Westderby in ein anderes Stadion verlegt werden soll. Die Red Bull Arena in Salzburg, die Stadien in Grödig, Ried oder Klagenfurt waren ein Thema. Doch niemand wollte das prestigeträchtige Derby haben, bzw. nur unter Hinterlegung einer ziemlich hohen Kaution das Spiel zusagen. Doch wie kann es sein, dass alle anderen Vereine Austria Salzburg im Regen stehen lassen? Die Angst vor Sachschäden und Krawallen rund um das Spiel war anscheinend zu groß.
Spätestens hier beißt sich die Katze in den Schwanz. Die Österreichische Bundesliga besteht aus den Vereinen selbst. Die Österreichische Bundesliga erteilt die Lizenz und wenn es dann aufgrund dieser Entscheidung zu Problemen kommt, hat niemand den Mut, diese im Sinne des Image des österreichischen Fußballs zu lösen? Kein Aufruf der Bundesliga-Funktionäre zum Zusammenhalt, keine finanziellen Hilfestellungen nicht mal ein öffentliches Statement abseits von – „Die Lizenz wurde erteilt, für uns ist alles in Ordnung“!

Lizenzauflagen überarbeiten – jetzt!

So verliert die Österreichische Bundesliga und damit der Fußball im Allgemeinen, immer weiter sein Gesicht. Die Marke Bundesliga leidet unter solchen Verantwortungslosigkeiten. Funktionäre wie Vereine dürfen sich in Zukunft nicht aus der Verantwortung stehlen. Eine ehrliche und offene Diskussion über die Zukunft des Fußballs in Österreich, von der Infrastruktur, über die Finanzierung bis hin zur sportlichen Ausrichtung, ist bitter notwendig – ein Schulterschluss aller Involvierten unumgänglich.
Will man irgendwann im europäischen Klubfußball ein Wörtchen mitreden und Zuschauer zu den Spielen bringen, müssen die Lizenzauflagen dahingehend überarbeitet werden, dass bereits in der zweiten Liga professioneller Sport gezeigt wird, ganz besonders im Infrastruktur- und Sicherheitsbereich! So etwas darf nicht mehr passieren. Im Sinne des Sports!
Artikelbild: Off. Facebook-Seite FC Wacker Innsbruck

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