Neun Dinge, die du in Innsbruck an einem verkaterten Tag machen solltest

12 Minuten Lesedauer

Man fühlt sich alles andere als fit und denkt: Heute geht gar nix. Dann chillt man den ganzen Tag nur sinnlos vor dem Fernseher und irgendwann läuft sogar Richter Alexander Holt. Als alter Party-Veteran mit vielen Jahren Erfahrung gebe ich euch den Rat: Macht was Besseres aus dem Tag! Überwindet euch und raus aus dem Haus – es gibt eine Menge Dinge, die man in Innsbruck verkatert machen sollte, und viele davon machen verkatert sogar viel mehr Spaß als nüchtern (weil viele davon nüchtern überhaupt keinen Spaß machen). Und nebenbei sind Bewegung und frische Luft das wichtigste, um den Kater in den Griff zu kriegen – für den Fall, dass es am Abend weiter gehen soll. Daher neun Vorschläge, für ein gelungenes Katerprogramm in Innsbruck (und Umgebung)
 
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Kann der Tag danach noch genauso gut werden wie der Abend? Auf jeden Fall!

  1. Lanser See oder Wasserwelt Stubai

Der Klassiker besonders an heißen Tagen, wie wir sie diesen Sommer einige Male erleben durften. Schwimmen ist meiner Meinung nach die allerbeste Katermedizin: Man springt ins kühle Nass, schwimmt eine Runde und kommt als neuer Mensch wieder raus. Eine Variante der bekannten Fluss-Metapher von Heraklit („Man kann nicht zwei Mal in denselben Fluss steigen“) lautet: „Wir steigen in denselben Fluss und doch nicht in denselben, wir sind es und wir sind es nicht.“ Im verkaterten Kontext legt diese Variante nahe, dass Heraklit eigentlich nicht die Vergänglichkeit des Seins meinte, sondern eher, wie wichtig Schwimmen nach dem Trinken ist.
Weil nicht das ganze Jahr Sommer ist, empfehle ich dir für schlechte Tage das Stubay (bei Telfes im Stubaital). Das Bad ist ziemlich neu, hat zwei Wasserrutschen, eine Sauna, mehrere Aussen-, und Innenbecken und ist für ein Erlebnisbad keinesfalls überteuert (vier Stunden für 12,50). Wasserrutschen machen nämlich auch erst mit einem Kater richtig Spaß. Bestens erreichbar mit der Stubaitalbahn.

  1. Mountain Carts fahren

Seit kurzer Zeit gibt es auf der Mutterer Alm ein neues Highlight, bei dem sogar absolute Wandermuffel wie mir die Füße juckten: Mountain-Carts heißen die Fahrzeuge, die du ohne schlechtes Gewissen mit einer ordentlichen Portion Restalkohol im Blut lenken kannst. Du fährst ab der Talstation entweder mit der Gondel hoch oder bist sportlich und wanderst (es sind ca. 600 Höhenmeter zurückzulegen, trotz Kater absolut machbar, zur Katerbekämpfung sogar empfehlenswert). Dann geht’s eine ca. fünf Kilometer lange Strecke bergab, die im Winter die Rodelpiste ist. Sie ist vom Wanderweg abgetrennt. Keine Angst: Die Mountain-Carts sind ziemlich robust und die Bremsen gut, da kann – auch mit langsamer Reaktionszeit – wenig schief gehen. Eine echt lässige Sache!

  1. Zünftig essen gehen

Gesundes und gutes Essen ist wichtig. Aber das beste Essen mit einem Kater besteht meiner Meinung aus deftiger Hausmannskost: Schweinsbraten, Pommes, Knödel, Speck, gebraten, frittiert, in Butter und mit Soße: Das muss es sein, und zwar in rauen Mengen, am besten kombiniert mit einem Reparaturbier. Meine Empfehlungen für einen Lokalbesuch (wenn es die Verfassung zulässt) mit guter Hausmannskost ist ein Schnitzel mit Kartoffelsalat im Bierstindl oder das Löwenhaus, auch wegen den sehr einladenden Gastgärten. Ansonsten irgendwas zum Mitnehmen.
 
20150401_124000Ja, genau so!

  1. Brände löschen

Feuerwehrautos haben zumeist über 7,5 Tonnen, weshalb für Lenker dieser Fahrzeuge eine niedrigere Promillegrenze (0,1) gilt. Wie die Kleine Zeitung berichtet, findet das die Kärntner Feuerwehr ungerecht: Siespricht von einem „Irrtum“ bei der Einführung dieses Gesetzes und wünscht sich eine Anhebung auf 0,5 Promille. Wer am Feuerwehrfest seinen Durst löscht, soll auch am nächsten Tag einen Brand löschen dürfen – eigentlich eine klare Sache. Also, ab zur freiwilligen Feuerwehr!

  1. Waldspielplätze

Eine der Dinge, die an Restalkohol Spaß machen, ist die Möglichkeit, sich leichter für kindische Dinge zu begeistern. Und so fanden zwei meiner lustigeren Katertage (auch wenn das länger her ist) an Waldspielplätzen statt, denn dort ist es ja schon fast schon schwer, nicht kindisch zu sein. Wenn man mit einer Gruppe von Leuten unterwegs ist, und Dinge wie Tschurtschenschlachten, Völkerball oder das politisch schwer inkorrekte „Wer hat Angst vorm schwarzen Mann“ wieder revitalisiert werden, kann das sehr amüsant sein. In Innsbruck eignen sich die Waldspielplätze Kranebitten oder in Rum hervorragend dazu.

  1. Eine Folkloreveranstaltung besuchen

Ein guter Freund hat mir mal gesagt, dass bei keiner Musik das Bier so schnell runter geht wie mit Volksmusik. Das stimmt auch. Die Frage ist aber eher: Warum sollten sich Menschen freiwillig mit furchtbarer Musik und merkwürdigen Outfits quälen, wenn das Trinken nicht der eigentliche Zweck der Übung wäre? Eben. Wer mal dort war, weiß es: Ob es Schützenaufmärsche sind, Blasmusikveranstaltungen, oder ein Zeltfest der ÖVP: Ohne Alkohol sind diese Veranstaltungen kaum auszuhalten. Mit Alkohol im Blut sind sie plötzlich witzig, was auch jeder weiß. Deshalb haben Veranstaltungen dieser Art auch einen Rahmen, in dem der Alkoholkonsum so leicht fällt, dass es praktisch von selbst passiert: Kleine Marketendermädchen mit prall gefüllten Schnapsfässern, eine zünftige Musi und (siehe Punkt drei) deftiges Essen. Wenn du immer schon mal zu so etwas hin wolltest, oder am besagten Katertag am Abend wieder trinken musst: Geh hin und nimm das Restchen vom Vortag mit – das spart dir Geld und die erste furchtbare Stunde, bis sich der Alkohol langsam zu Wort meldet.
 
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Markus meint hier, dass das nüchtern toll sein soll. Ich meine, betrunken ist das auf jeden Fall toller.

  1. Eine geführte Tour durch den Alpenzoo

Vor einigen Jahren, zum 18. Geburtstag eines guten Freundes, hatten wir uns (nicht ganz nüchtern) überlegt, was uns denn originelles für den 18. Geburtstag untertags einfällt, und kamen auf eine Führung durch den Alpenzoo. Je näher der Tag rückte, desto öfter dachte ich, O mein Gott, wie schlimm wird das. Zum Glück beschlossen wir, in den betreffenden Geburtstag hinein zu feiern, und nicht zu knapp.
Am nächsten Tag standen wir dann einem einigermaßen verdutzen Führer gegenüber, der, wie üblich, eine Gruppe Kinder erwartete und nicht eine Bande Halbwüchsiger, die nach Bierbrauerei rochen. Machte nichts, die Führung gab es trotzdem. Wir standen vor dem Bibergehege und unterhielten uns, wie gerne wir uns zu dem faulen Biber in den Schlamm legen wollten, bestaunten die Wildschweine und wurden hungrig, und bekamen dann Gott sei Dank auch was zum Essen. In einem Separee des Alpenzoo-Kaffees war ein Kindertisch aufgebaut, mit Smarties und bunten Girlanden, es gab Kuchen, der Führer erzählte noch den einen oder anderen Schwank aus dem Tierreich und bot uns irgendwann Bier an. Insgesamt sicher einer meiner schönsten Katertage, einmal ganz was anderes, auch, wenn man schon öfter im Alpenzoo war. Prädikat: Schwer empfehlenswert.
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Denn auch die Tiere wissen, wie das mit dem Kater ist!

  1. Sich in fremde Lehrveranstaltungen setzen

In meinem zweiten Semester an der Uni hatte ich einen Wochenendblock, und hier ereignete sich etwas Ungewöhnliches: Im Normalfall wird eine Seminargruppe mit Fortdauer der Lehrveranstaltung immer kleiner. In unserem Fall saß am zweiten Tag eine Person im Raum, die zuvor noch niemand gesehen hatte, und sie brachte eine Wolke der üblichen Ausgeh-Ausdünstungen mit. Das störte aber niemanden, ganz im Gegenteil. Das Seminar war vom Thema her interessant, aber die Lehrveranstaltungsleiterin war nicht gerade die fesselndste und zügigste Vortragende, sondern erwähnte alles im Schnitt drei Mal. Da der neue Gast aber alles drei Mal hören musste, bis er es verstand, hatte die Vortragende nun einen begeisterten Zuhörer und der Rest von uns ein herrliches Kabarett. So entdeckte ich eine neue Beschäftigung für den Katertag, der ich leider viel seltener nachkomme, als man es tun sollte. Die Universität bietet – so ehrlich darf man sein – oftmals unfassbares kabarettistisches Potential, das sich mit einem Kater nur noch verstärkt. Tipps gebe ich an dieser Stelle keine, man sollte sich einfach durch das Programm durchkosten. Daher: Wenn in deiner WG beim nächsten Vorglühen eine/r sagt: Scheiße, ich muss morgen aufstehen, sag: Fix, ich geh mit.

  1. Eine Gemeinderatssitzung besuchen

Dass Politik mitunter eine heitere Sache sein kann, wissen alle, die dieses Video schon einmal gesehen haben. Der Innsbrucker Gemeinderat ist auch lustig ist, aber auf einer anderen Ebene. Dort gibt es eher merkwürdige Wortmeldungen und Interaktionsformen, die eine Gemeinderatssitzung aber zu einem tollen Katerprogramm machen. Seit der beste unfreiwillig komische Gemeinderatsmandatar wegen einer mehr als komischen Aktion in Haft sitzt , ist der Comedy-Faktor des Gemeinderats zwar gesunken, aber dafür unbestreitbar zur Schau gestellt.
Im Gemeinderat wird übrigens auch Alkohol ausgeschenkt: Vor rund einem Jahr, als in der Maria-Theresienstraße ein Alkoholverbot eingeführt wurde, hat der SPÖ Ersatzgemeinderat Marko Miloradovic einen Antrag gestellt, dass auch der Alkohol aus dem Gemeinderat verbannt wird. Seine Begründung: „Es wäre wohl auch heute durchaus sinnvoll, dass bedeutsame Entscheidungen für unsere Stadt nüchtern getroffen werden“. Der Antrag wurde abgelehnt. Prost!
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Beitragsbild: Lisa Spreckelmeyer  / pixelio.de

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