"Kulturrestaurant" in Schwaz: Das erwartet euch in der "Eremitage"

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Die „Eremitage“ in Schwaz ist das, was man gemeinhin als einen Ort mit großer und bewegter Geschichte bezeichnet. Als einen Ort, an dem schon mehr Weltklasse-Musiker ein und ausgegangen sind, als das Städtchen Schwaz Einwohner hat. Hermeto Pascoal zum Beispiel hat sich bei einem seiner Besuche in der „Eremitage“, so erzählt man sich, so wohl gefühlt, dass er diesen Ort erst gar nicht wieder verlassen wollte.
Außerdem spielte die Pianistin Myra Melford erst vor kurzem ein Konzert an diesem geschichtsträchtigen Ort. Peter Troyer, der die Führung der „Eremitage“ jetzt wieder in die Hand genommen hat, berichtet davon, dass er förmlich sehen konnte, wie diese weltweit geschätzte und gefeierte Musikerin eine „Gänsehaut“ bekam, als sie den abschließenden Applaus des Publikums hörte.

Volles Haus und aufmerksame Zuhörer. In der "Eremitage" an der Tagesordnung.  Hier bei Julian Kleiss (Bild: Peter Troyer)
Volles Haus und aufmerksame Zuhörer. In der „Eremitage“ an der Tagesordnung. Hier bei Julian Kleiss (Bild: Peter Troyer)

Das zeigt zweierlei: Hier kommt der Gast Weltklasse-Musikern so nahe wie sonst selten. Und hier finden die Musiker wiederum ein Publikum vor, das aus einer gesunden Mischung aus Stammgästen und „Neulingen“ besteht.
Das Publikum ist begeisterungsfähig und unterscheidet sich von dem oftmals auch in diesem Umfeld vorhandenen Sehen-und-Gesehen-werden-Publikum. In die „Eremitage“ kommt man seit jeher um Musik zu hören. In fast schon intimen Rahmen. Mit Gleichgesinnten. Mit Menschen, denen eine aufmerksame Zuhör-Kultur wichtig ist.
Peter Troyer und seine Frau. Seit kurzem hat er die "Eremitage" wieder fest in seinen Händen.
Peter Troyer und seine Frau. Seit kurzem hat er die „Eremitage“ wieder fest in seinen Händen.

Darum spielen hier immer wieder Weltklasse-Musiker

Der Grund, warum sich seit Jahrzehnten immer wieder Musiker von Weltformat in das Städtchen Schwaz und in das Kulturrestaurant „verirren“ ist im Grunde sehr leicht beschrieben. Die Musiker spielen oftmals an Tagen, an denen sie sonst nicht spielen können, aber gerne würden. Sie sind schon in der Nähe und wollen spielen.
Sie geben ihre Konzerte zum Teil auch an Tagen, an denen ein anderer Gig überraschenderweise ausgefallen ist. Insgesamt genießt die „Eremitage“ weltweit einen sehr guten Ruf – vor allem unter Jazz-Musikern. Legendäre Namen wie Gert Chesi und Leo Schendl umschwirren außerdem diese Location. Deshalb verzichten diese auch auf große Gagen und spielen zum Teil deutlich unter ihrem „Wert“.
Dass die Booking-Agentur „Saudades“ quasi in der Nachbarschaft in Buch bei Jenbach ihren Sitz hat, ist im Hinblick auf Weltklasse-Musiker wohl ebenfalls kein Nachteil. „Saudades“ kümmert sich seit langer Zeit um die Europa-Tourneen vor allem amerikanischer Jazz-Größen.
Daher kam es in jüngster Vergangenheit auch vor, dass Musiker wie Peter Evans oder Tim Berne Gigs in Schwaz spielten. Beides Musiker, die man ansonsten nur schwer in einem solchen Rahmen sehen würde. Wer jemals drei Meter von Tim Berne entfernt gesessen ist und quasi fast schon in seinen Notenblättern das Gespielte mitverfolgen konnte, der weiß, welche Momente man in der „Eremitage“ möglicherweise erleben kann.

Die Zukunft

Bei unserem Treffen erzählte mir Peter Troyer, dass er in Zukunft gerne weniger Konzerte in der „Eremitage“ haben möchte. Nicht, weil der hinter den Konzerten stehende Kulturverein „Eremitage“ nicht gute Arbeit leisten würde. Nicht, weil die Konzerte nicht voll seien. Im Gegenteil. Denn seit er das Kulturrestaurant als „alter Hase“ und Eremitage-Urgestein wieder in der Hand hat, ist die „Bude“ wieder voll wie in den allerbesten Zeiten.
Der Grund für dieses „Weniger-ist-Mehr“ Prinzip ist leicht zu nennen: Peter Troyer will in Zukunft die Symbiose von Kultur und Kulinarik vorantreiben. Er möchte Abende haben, an denen seine kreativen Speisen im Vordergrund stehen. Aber natürlich auch Abende, wo die Musik vorrangig ist. Und er möchte auf beiden Ebenen die Qualität als oberstes Prinzip haben.

Kreative, scharfe und wohlschmeckende Vorspeise in der "Eremitage".
Kreative, scharfe und wohlschmeckende Vorspeise in der „Eremitage“.

Eine mögliche Symbiose dieser beiden Ebenen will Peter Troyer gekonnt und nachhaltig angehen. Nichts erzwingen, nichts übermäßig forcieren. Es ist in Ordnung, wenn jemand „nur“ Essen und dann wieder gehen möchte. Es ist in okay, wenn jemand „nur“ wegen der Musik kommt und die Kulinarik nicht als vorrangig betrachtet.
Er sei, so erzählt er mir, in den letzten Monaten auch mit Erstaunen konfrontiert gewesen. Mit überraschten Nachfragen, ob man denn in der „Eremitage“ auch Essen könne. Sein Ziel ist damit ganz klar benannt: Die „Eremitage soll nicht nur von der Strahlkraft vergangener Zeiten zehren. Sie soll sich als ein Ort der Kulinarik und der gegenwärtigen Jazz-Szene noch mehr etablieren, als es im Moment der Fall ist.
Auch bei den Zwischengängen findet Peter Troyer kreative Lösungen.
Auch bei den Zwischengängen findet Peter Troyer kreative Lösungen.

Das Programm setzt im Moment mehr als je zuvor auf österreichische Musiker. Diese Szene in Österreich sei Weltklasse und brauche sich nicht zu verstecken, so merkt Peter Troyer an. Selbstverständlich werden sich aber auch in Zukunft Musiker wie zum Beispiel die in New York lebende Argentinierin Sofia Rei die Klinke in die Hand geben.

So schmeckt es dort

Ein wenig spiegelt sich diese Balance zwischen Heimischem und Internationalem auch in der Küche von Peter Troyer wieder. Und auch der Jazz spielt für seinen Umgang mit Kulinarik eine nicht unwesentliche Rolle. So merkt er an, dass er immer wieder gerne Gerichte kocht, die nicht auf der Speisekarten stehen. Er improvisiert quasi. Seine Gäste würden es so von ihm erwarten, an seine Kreativität appellieren.

Essen untere dem Blick von Jazz-Größen. In der "Eremitage" in Schwaz ist das ganz alltäglich.
Essen untere dem Blick von Jazz-Größen. In der „Eremitage“ in Schwaz ist das ganz alltäglich.

Die kulinarische Breite in seiner Küche gleicht ein wenig der Bandbreite der Musiker, die bisher in der „Eremitage“ gespielt haben. Seine Küche vereint ein paar vermeintliche Gegensätze: Sie ist bodenständig, deftig, leicht, ausgefallen, regional und international. Seine langjährige Erfahrung in der Küche und seinen Hang zu kreativen Neuschöpfungen ermöglicht es, dass sich hier ein roter Faden deutlich erkennen und „erschmecken“ lässt.
Empfehlenswert: Angus-Rind, zubereitet nach der Art von Peter Troyer.
Empfehlenswert: Angus-Rind, zubereitet nach der Art von Peter Troyer.

Was erwartet einen also ganz konkret in der „Eremitage“? Man kann man dort schlicht und einfach gut essen gehen und sich von Peter Troyer bekochen lassen, der gerne auf Wunsch in der Küche auch ein wenig improvisiert und seiner Kreativität freien Lauf lässt.
Das Essen lässt sich dann in den geschichtsträchtigen Räumlichkeiten konsumieren. Quasi unter dem Blick vieler Jazz-Größer, die hier schon gespielt und höchstwahrscheinlich auch schon gegessen haben. Einige davon vermutlich auch bei Peter Troyer.
Die Eremitage ist somit nicht „nur“ Geschichte, die man auf Schritt und Tritt merkt und auf den Bildern an den Wänden auch sieht. Die „Eremitage“ ist auch Gegenwart und Zukunft. Auch im Hier und Jetzt wird man Weltklasse-Musikern so nahe wie an kaum einen anderen Ort kommen.
Die Bilder an den Wänden werden in Zukunft zweifellos noch erweitert werden können. Man verfolgt daher Konzerte, die hier möglicherweise noch Geschichte schreiben werden. Bis dahin lässt man sich von Peter Troyer kulinarisch verwöhnen. Es könnte wahrlich schlimmer sein.
Über die Facebook-Seite der Eremitage stellt ihr sicher, dass ihr kein Konzert verpasst. Und könnte euch einen guten Überblick über die Küche in der „Eremitage“ verschaffen.

Titelbild: Peter Troyer
Dieser Text wurde vom "Kulturrestaurant Eremitage" ermöglicht

Elfenbeinturmbewohner, Musiknerd, Formfetischist, Diskursliebhaber. Vermutet die Schönheit des Schreibens und Denkens im Niemandsland zwischen asketischer Formstrenge und schöngeistiger Freiheitsliebe. Hat das ALPENFEUILLETON in seiner dritten Phase mitgestaltet und die Letztverantwortung für das Kulturressort getragen.

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