Anoushka Shankar und Manu Delago: Weltstars zu Gast in Innsbruck

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Weltstars in Innsbruck


In Innsbruck erlebt man nicht täglich Weltstars bei Live-Konzerten. Das mag an den baulichen und  gesetzlichen Gegebenheiten und Bedingungen vor Ort liegen. Womöglich auch an der Tatsache, dass kaum eine Halle dazu in der Lage ist diesen Stars genügend Platz zu bieten. Schließlich will dann Gott und die Welt diese an sich unerreichbaren Wesen live sehen. Doch wenn von Weltstars die Rede ist heißt es nicht automatisch, dass diese Bryan Adams oder Jon Bon Jovi heißen müssen.
Das Wort „Weltstar“ bezeichnet nämlich nicht nur die Tatsache, dass solche Musikerinnen und Musiker zumeist einer sehr breiten Masse bekannt sind. Wenn Welt und Star in einem Zusammenhang erwähnt werden, dann drängt sich immer zuvorderst die Welt selbst ins Kunst-Spiel. Der jeweilige Musiker sieht sich der Musikwelt in seiner Gesamtheit gegenüber. Er muss sich Vergleichen aussetzen. Nur allzu oft läuft dieser Vergleich darauf hinaus, wer sich am besten medial inszeniert und wer dazu in der Lage ist, am meisten Aufmerksamkeit zu generieren.
Ob dieser Tatsache, die zum Teil der medialen Realität geschuldet ist, vergisst man leicht darauf, dass sich auch noch weitere Kategorien dazu eignen, um Weltstars zu ernennen. Führt man Kategorien wie Musikalität und Virtuosität ein ergeben sich völlig andere Weltstars. Es sind dann nicht mehr die Musiker im Fokus, die ganz vorne mitmischen wenn es um mediale Aufmerksamkeit und Erwähnungen in Klatsch-Spalten geht. Es sind Musiker, die sich in Sachen Spieltechnik und Musikalität mit den ganz Großen der weltweiten Musikszene messen können und diese mit ihrem Innovationsgeist bereichern und vorantreiben.


Anoushka Shankar und Manu Delago in Innsbruck


Anoushka Shankar wird man, obwohl immerhin Halbschwester von Norah Jones und Tochter des berühmten Sitar-Spielers Ravi Shankar, kaum in den Hochglanz-Gazetten dieses Planeten finden.
Manu Delago, der sie auf ihrem formidablen Album „Land Of Gold“ sogar in Sachen Songwriting unterstütze, ist zudem immer noch der „nette Bua“ von nebenan. Wer mit ihm zusammensitzt hat niemals das Gefühl, dass er sich mit einem DER Hang-Virtuosen überhaupt unterhält. Manu Delago steckt alles in seine Musik und seine musikalische Weiterentwicklung und nichts in die aufgeblasene Inszenierung eines abgehobenen Star-Musikers, der vor einigen Jahren von Björk angerufen wurde und seither auf deren Platten und Live-Konzerten in tragender Rolle zu hören ist.
Das hat Konsequenzen. Das wird Konsequenzen haben, wenn Anoushka Shankar und Manu Delago am Montag, den 21. November, in Innsbruck gastieren. Sie werden womöglich ohne riesiges mediales Interesse in Innsbruck angekommen. Es werden keine Fans kreischend auf Tour-Busse und Autogramme warten. Vielmehr werden aufgeklärte, mündige Musik-HörerInnen auf zwei Weltklasse-Musiker warten, die zwei weitere Meister ihres Faches mit auf Tour genommen haben. Unterstützt werden sie bei ihren Live-Konzerten von Sanjeev Shankar an der Shehnai und von Tom Farmer am Kontrabass und an den Keyboards.
Diese Musiker, allen voran Anoushka Shankar und Manu Delago, werden abseits der Bühne nicht für großes Aufsehen sorgen. Man kann davon ausgehen, dass sie sich nicht ostentativ in die Fernsehkameras der lokalen Medien drängen werden. Skandale und Exzesse werden außerdem zweifellos ausbleiben.
Auf der  Bühne allerdings können und werden sie ihre  ganze Weltklasse ausspielen. Auf der Bühne werden sie es mit der ganzen Welt aufnehmen. Nicht mit der Welt der Inszenierungen und der heißen Luft. Aber mit all den Fragen, die sich auf der Welt in gesellschaftlicher und künstlerischer Hinsicht stellen. Nicht umsonst thematisiert Anoushka Shankar auf ihrem aktuellen Album die Fluchtbewegungen und die Heimat- und Schutzsuchenden unserer Gegenwart.
Mit diesem Projekt schafft sie es vor allem auch in ihren Konzerte alles auf die Bühne zu bringen: Trauer, Verzweiflung, Hoffnung, Glück, Überforderung. Die Welt ist grenzenlos und unendlich komplex geworden. Auf diese Komplexität lässt sich nicht mit einfachen Antworten reagieren.
Zur ästhetischen und künstlerischen Ausleuchtung der Situation und den unzähligen musikalischen Möglichkeiten der Gegenwart darf der Blick nicht eingeengt und die Musikalität und Virtuosität nicht limitiert sein. Es braucht furchtlose und dabei bescheidene und auf das Wesentliche fokussierte Musiker wie Anoushka Shankar und Manu Delago.
Jede und jeder der wirkliche Weltklasse und Weltstars erleben will, darf sich dieses Konzert nicht entgehen lassen. Es ist nämlich höchst an der Zeit, dass diese Art von Weltklasse und diese Art von Weltstars selbsternannte und medial hochgespielte Weltstars ablösen.

Diese Event-/Konzert-Ankündigung wurde durch die "Graustein events gmbh" ermöglicht. Titelbild (c) Didier Chérel; Text: Markus Stegmayr

Zum Reinhören


 

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