Herzlichen Glückwunsch, Helmut Mader!

6 Minuten Lesedauer

Großartig wie du das gemacht hast. Du hast es einfach drauf!


Helmut, du hast geschafft, wovon wir alle träumen – gratis Wohnen. Und du hast es dir verdient. Redlich verdient. Wer denn bitte sonst? Keine junge Familie mit kleinen Kindern. Keine Pensionisten, die ohnehin schon vom Staat leben. Keine Kassiererin von der Kasse im Supermarkt um die Ecke. Kein Student, der ohnehin nur vor dem Numerus-Clausus in Deutschland flüchtet. Nein. Du alleine hast es dir verdient. Niemand sonst hat sich so für diese Stadt, für dieses Land, für unser Land eingesetzt, wie du. Niemand sonst hat sich für das ehemalige Studentenheim Technikerhaus interessiert. Du bist ihm vorgestanden. Niemand sonst ist Mitglied in so vielen Vereinen, Präsident, Obmann, Ehrenpräsident, Ehrenmitglied. Egal Sport, Musik, Brauchtumspflege oder Traditionsverein – du bist dir für nichts zu schade. Du schulterst Verantwortung, bist Fürsprecher, Freund und Bruder. Da ist es das mindeste, dass wir dir etwas zurückgeben. Gemeinsam. Wir das Volk. Wir die Bewohner dieser Stadt, die ohne dich nicht die gleiche wäre. Nicht so schön, nicht so bekannt, nicht so lebenswert. 188 Quadratmeter scheinen da fast zu wenig.
Helmut, du hast geschafft, was jeder halbwegs vernünftige Politiker schaffen sollte – du bist der ÖVP entwachsen. Du hast sie endgültig hinter dir gelassen – diese miefige, verstaubte, konservative Ex-Partei des Volkes. Du hast dein Parteibuch abgegeben und laut „servus“ geschrien. Endlich bist du sie los! Die hat doch ohnehin schon lange ihren Glanz verloren. Die Mitgliederzahlen sinken, die Wähler sterben weg. Die Bauern sind mittlerweile besser bei den grünen Naturschützern aufgehoben. Die Arbeiter bei jenen, die ihnen die Arbeitsplätze sichern und das für „Österreicher zuerst“. Unternehmer gibt es in Tirol auch nur aus zwei, drei Großfamilien – da gibt’s nichts zu holen. Bei den Senioren kannst du dir nie sicher sein, ob sie bei der nächsten Wahl noch leben. Und Frauen und Junge gab es in deiner Ex-Partei ja ohnehin nie. All das hast du erkannt und hast frühzeitig die Reißleine gezogen. Nun steht dir niemand mehr im Weg. Ärmel hoch, einen frischen Wind braucht das Land. Wir haben genug von all den Partei-Bonzen, Günstlingen, Seilschaftern, Sesselklebern und Sautrog-Futterern. Ehrliche Männer braucht dieses Land. Männer deren Worte Gewicht haben. Männer die anpacken. Männer die dieses Land wieder auf Vordermann bringen. Männer aus dem Volk, für das Volk. Männer wie dich!
Helmut, du hast geschafft, was jeder andere erst am Sterbebett schafft – du hast ein reines Gewissen. Wer gläubig ist, der lebt in ständiger Angst. Die Angst vor der Hölle, die Angst böse zu sein, seinen Nächsten nicht zu lieben, sondern ihm zu schaden – ist eine teuflische. Doch die meisten von uns bereuen erst am Sterbebett, wenn die letzte Ölung schon im Gange ist. Wenn der Pfarrer mit dem Weihwasser über Häupter fährt, dann werden Familiengeheimnisse ausgepackt, Onkel zu Vätern, Schwestern zu Müttern, Nichten zu Neffen und alle Schandtaten bereitwillig ausgeplaudert. Du hast all das schon jetzt hinter dich gebracht. Du kannst dein Leben nun in vollen Zügen genießen, mit einem reinen Gewissen. Du hast gesagt was Sache ist, hast reinen Wein eingeschenkt und ihn mit uns getrunken. Du hast klar Stellung bezogen, ohne Rücksicht auf dich selbst. Du hast Rückgrat bewiesen und bist Generationen als Vorbild vorangegangen. Du bist ein Mensch, wie Gott ihn sich bei der Schöpfung erträumt hat. Ehrlich, aufrichtig – zu uns, zu Gott, zu dir selbst. Das schaffen nur die Größten der Großen.
Helmut, du hast geschafft, woran niemand sonst geglaubt hat – du bist noch immer da, geachtet und verstanden. Kein Fehler. Keine Tat. Nichts kann dir und deinem Ansehen etwas anhaben. Du wirst immer der gern gesehene Ehrengast bleiben. Du wirst immer unser Helmut bleiben. Unser Mann. Unser Vorbild. Unser Freund und Bruder. Du wirst noch immer da sein, wenn selbst der ewige Herwig nicht mehr unter uns weilt. Dazu möchten wir dir herzlich gratulieren!
Lieber Helmut. Eines sei noch gesagt. Lass dich bitte nicht entmutigen, von all den Moralisten, Gutmenschen und Weltverbesserern, die dich derzeit kritisieren. Alles Neider! Niemand weiß besser als du, dass schon bald Gras über die Sache wachsen wird. In wenigen Wochen wird kein Hahn mehr danach krähen. Bleib bitte wie du bist. Verstell dich nicht und lass dich nicht entmutigen. Unser Land braucht dich.
Helmut – der Kampf geht weiter!


Artikelbild: Facebook Seite der Tiroler Volkspartei, (c) Tiroler Volkspartei (Maders Ex-Partei);
Idee zu diesem Real-Satire-Text: Die (Chef-)Redaktion

 

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