Wilder Westen!

Wenn Traum zu Albtraum wird.

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Dienstag. Früher Abend.

Irgendwo in Innsbruck.

Michael hat eine Zwölfstundenschicht hinter sich. Doch noch wartet ein weiterer Termin.

Wohnungsbesichtigung mit einem Makler..

Erster Stock. 82qm. Kleiner Balkon. Ein Bad. Küche im Wohnbereich. Separates Kinderzimmer.

Optimal für Michael, seine Frau Bianca und die kleine Leonie.

Leonie kommt im Herbst in den Kindergarten.

Der Makler gibt Michael zur Begrüßung die Hand.

Servus!“

„Grüß Gott.“

„Und was kostet das gute Teil?“, fragt Michael.

„Das glauben sie nie. Ein echtes Schnäppchen. Aber Achtung. Wir haben schon viele Interessenten. Sie müssen sich schnell entscheiden. Bis morgen wäre gut.“

„Und? Wie teuer ist ihr Schnäppchen?“

„1,1 Millionen Euro. Wahnsinn, oder? Und das Beste – ein Garagenstellplatz ist da schon mit dabei. Den zweiten müssten sie halt extra kaufen.“

Michael zückt eine Pistole und erschießt den Makler.

Am nächsten Tag steht in der Zeitung. Gauner auf frischer Tat von Familienvater zur Strecke gebracht!

Unfassbare Zeiten.

„Wir leben hier wirklich im Wilden Westen“, sagt irgendwo ein Mann zu seiner Frau.


Dieser Text ist Teil der Serie „Ultrakurzgeschichten“ und damit als reine Fiktion zu verstehen. Niemand wurde für diesen Text verletzt. Der Autor versteht sich als strenger Pazifist, der für die Beschreibung eines aktuellen Zustands, nach eigener Aussage, ein dramatisches Bild wählen musste. Dass diese Ultra-Kurzgeschichte genau an jenem Tag erscheint, an dem ein 18-Jähriger im US-Bundesstaat Texas 20 Menschen erschießt, ist ein extrem unglücklicher Zufall. In Gedanken bei den Opfern und Hinterbliebenen!

Ein Leben zwischen Schreibmaschine und Fußballplatz. Eigentlich Betriebswirt. Hat das ALPENFEUILLETON ursprünglich ins Leben gerufen und alle vier Neustarts selbst miterlebt. Auch in Phase vier aktiv mit dabei und fleißig am Schreiben.

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