Krieg, Hass,  Satan


Riffs, Riffs und nochmal Riffs. Davon lebt „Gods of Violence. Es ist immerhin schon das 14. Studio-Album der deutschen Thrash-Metal Legenden, die bereits seit ihrer ersten Platte „Endless Pain“ auf intelligente Art und Weise bolzen und kreischen. Und darum geht es auch auf dem aktuellen Album.
Ein wenig ist der harte Metal und erst recht der Thrash-Metal ja aus der Mode gekommen. Die Gründe dafür liegen auf der Hand. Die heutigen Musikhörer sind verweichlicht und schrecken schon vor dem kleinsten Metal-Riffchen zurück, das einem pseudo-brutal in die Gehörgänge hämmern möchte. Wenn dann dazu auch noch lärmige Gitarrensoli kommen, dann wirft Otto-Durchschnittshörer das Handtuch. Auch der gewöhnliche Indie-Hörer mag das Metal-Geholze kaum. Zu wenig Groove, zu viel Leistungsmuckertum.
Das alles ließe sich womöglich mit ein wenig Musik-Erziehungsarbeit überwinden. Gut möglich, dass der Indie-Head den einen oder anderen Riff auf „Gods of Violence“ dann doch noch mögen könnte. Schließlich gibt es auch ruhige Passagen mit schönen Gitarren-Harmonien. Es gibt auch einige Riffs, die nicht nach späten 80er-Jahren klingen, sondern auf ein zeitgenössisches Hartwurst-Album passen könnten. Das Problem ist aber die falsche Attitüde, die hinter einem Album wie „Gods of Violence“ steht.
Grob gesagt lässt sich vieles der heutigen Musik in zwei Kategorien einteilen: „Fuck-You-Musik“ und „Fuck-Me-Musik“. Zweite Kategorie umfasst vieles der heutigen Popmusik. Auch wenn dort viel über Liebe und Romantik gesungen wird, geht es doch letztlich darum gefickt zu werden bzw. alles dafür zu tun, damit man „fickbar“ ist oder wird. Hinter der schönen Oberfläche der Popmusik lauert die pure Wolllust. Hinter dem schönen Anstrich der immergleichen Akkorden befindet sich das Animalische.
„Fuck-You-Musik“ ist wiederum eine andere Sache. In dieser wird möglichst wütend alles daran gesetzt, dem anderen zu sagen, dass er einen gepflegt am Arsch lecken kann. Und nein, in diesem Fall ist es absolut nicht sexuell oder irgendwie abstrus-erotisch gemeint. Es geht darum dem Gegenüber glaubhaft und gerne auch lautstark zu verklickern, dass man sich nicht um seine Meinung kümmert und verdammtnocheinmal tut, was man will.
Musik wie die von Kreator geschaffene, die auf „Gods of Violence“ aus den Boxen dröhnt wie in den allerbesten Kreator-Zeiten, befindet sich da zwischen den Stühlen. Mit Sex ist es bei dieser Art von Musik nicht weit her. Das nicht nur deshalb, weil man auf solchen Konzerten als langhaariger Metal-Shirt-Träger weniger mit bildhübschen Frauen, sondern meist mit verschwitzten Gleichgesinnten männlichen Geschlechts zu tun hat. Sollte es doch einmal Frauen geben, dann entscheiden sich diese eher für den blonden Metal-Hünen als für den bierbäuchigen Metal-Nerd. Aber das wäre wieder eine andere Geschichte.
Kreator etablieren, neben Weggefährten wie beispielsweise Slayer, eine Musik des Welthasses. Der Anderen ist nicht das begehrte Objekt und man möchte auch nicht zum begehrten Objekt werden, man will auch dem Anderen nicht verklickern, dass er einem egal ist und man ihn gegebenenfalls gar hasst. Man will mit sägenden Riffs thematisieren, dass man die Welt hasst, Satan längst die Kontrolle übernommen hat und der Weltkrieg ausgebrochen ist. Brenne Welt, brenne! Zu diesen schönen Themen kann man natürlich, der jahrelangen Erfahrung von Kreator sei Dank, wunderbar das Haar schütteln, seine alten T-Shirts wieder aus dem Kasten kramen und demnächst sogar ein Konzert der Thrash-Götter in Innsbruck besuchen.


Fazit


In der Kategorie der Alben mit Krieg-Hass-Satan-Inhalten ist „Gods of Violence“ eines der besten der letzen Jahre. Das liegt nicht nur daran, dass Kreator ihre Musik bierernst nehmen, sondern sie auch mit einer Leichtigkeit stemmen, die jegliche körperliche Anstrengung hinter der Produktion dieser Raserei vergessen lässt. Stellenweise darf man gar ein wenig Spaß und Ironie heraus lesen bzw. hören, wenn es die Jungs gar zu satanisch und gewalttätig anlegen. Dann darf man auch lächeln und sich an überspitzten Metal-Klischees erfreuen, die von grandios-brachialer Musik untermalt werden.


Zum Reinhören


Titelbild: (c) Eve Mate, flickr.com 

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