Wenn die Bezeichnung „Weltstar“ auf jemanden passt, dann vermutlich auf Adele. Die Sängerin feiert nach vier Jahren Pause ihr großes Comeback und ihre aktuelle Single „Hello“ führt die Chartlisten in fast allen Ländern der Welt an. Natürlich weckt das die Begierde der Fernsehsender, die 27-jährige Britin tritt auch in nahezu allen Talkshows auf, die diesen Namen auch verdienen. Markus Lanz hat eine Talkshow. Hauptsächlicher Redner bleibt er dabei aber selbst.
Für die Sendung vom 24. November 2015 hat man sich etwas Spannendes einfallen lassen. Lanz beehren in seinem Studio in Deutschland Sänger Andreas Bourani („Ein Hoch auf Uns“), Alt-68er Rainer Langhans (Kommune 1 oder Dschungelcamp) und Autorin Jutta Winkelmann (ebenfalls Alt-Hippie). Langhans und Winkelmann kennen sich schon seit mehreren Jahrzehnten und sind gut befreundet. In der Sendung spricht Winkelmann über ihre Knochenkrebskrankheit und Langhans erzählt wie er „Juttas Krankheit erlebt“. Zuvor zieht Lanz aber sein Ass aus dem Ärmel: das große, exklusive Adele-Interview.
Lanz hat die Sängerin dazu in London getroffen. Irgendwie schade, gerne hätte man die Sängerin neben Langhans gesehen. Das ZDF ist bekannt für irre Zusammenführungen, hier hätte man wieder einmal für einen besonderen Moment gesorgt. Lanz und Adele sitzen in einem Studio, selbe Einrichtung wie in Deutschland, ein Tisch zwei Stühle, zwei Wassergläser, ein Weltstar und ein Moderator aus dem Pustertal. Was soll da noch schiefgehen?
Zugegeben, Lanz macht es richtig. Er stellt das Interview mit Adele an erste Stelle, schließlich fängt die Sendung ohnehin schon sehr spät an (23:15). Es geht gleich los: nach der langen Vorstellung (Oscarpreisträgerin, Grammygewinnerin, Golden-Globegewinnerin, 50 Millionen Platten verkauft) stellt Lanz Fragen, wie Lanz es eben macht: „Ich habe gehört, Sie fluchen gerne. Was sind denn Ihre Lieblingsflüche?“. Adele, den Knopf im Ohr auf ihre Übersetzung wartend, gibt ein sympathisches „yeah“ von sich und fragt „Am I allowed to swear?“ Lanz, ganz der Gentleman, bittet darum. „Well, I like ‚fuck'“. Das sagt sie also gern. Aber, seitdem sie Mutter ist, will sie mit dem Fluchen auch sparen. Die Sendung hat schon nach wenigen Minuten ihr erstes Highlight.
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Lanz erzählt wie er in London ankam und Adele im Flugzeug lief, wie er im Hotel eincheckte und Adele in der Lobby gespielt wurde, wie er im Taxi zu „genau dieser Sendung“ saß und Adele im Radio hörte: „Was ist das für ein Gefühl?“ Adele gibt Antwort auf eine sehr offene Frage, breit grinsend sitzt Lanz da, ihm ladylike Adele gegenüber, die immer wieder laut und herzhaft lacht. Irgendwann geht Lanz auch auf das Lachen ein. „Ich liebe dieses Lachen“-„I know it’s a little bit loud!“ – „Das ist schon richtig so, darf man neben der Queen und dem Prinzen auch so lachen?“.
Dann wird über das neue Album geredet, das Lanz einfach ganz großartig und einzigartig findet. Vor allem die Songs „When We Were Young“ und „Million Years Ago“ haben es dem Moderator angetan. Bei diesen beiden Titeln hätte er weinen müssen und er glaubt, auch bei der Aufnahme der Sängerin ein Weinen zu hören. „Well, I’m very emotional“. Lanz geht auf Adeles Mutter ein: „Hat ihre Mutter immer an Sie geglaubt? Rufen Sie ihre Mutter noch oft an?“ Familien-Thema damit auch abgeschlossen.
https://twitter.com/NielsRuf/status/669283445487611904
Nun soll wieder die Karriere im Vordergrund stehen: Wann ihr denn bewusst gewesen sei, dass sie „eine Stimme hat, die es auf dieser Welt vielleicht nur noch zwei, drei mal gibt?“ Die Sängerin bleibt ihrer bodenständigen Art treu und will ihre Stimme nicht zu außergewöhnlich machen. Ihre Vorbilder haben die besten Stimmen der Welt: Barbara Streisand, Ella Fitzgerald, Beyonce. Lanz muss wieder eine seiner „Lanz-Fragen“ stellen: „Wie ist es Beyonce zu treffen?“ Für Adele sei es immer noch komisch, obwohl sie sich jetzt schon öfter trafen. Trotzdem müsse sie sich immer zusammenreißen, um nicht komplett loszuschreien, wenn sie gerade mit Beyonce in einem Raum sitzt.
Man spielt das Video von Adele ein, indem sie verkleidet an einem Adele-Doppelgängerinnen-Wettbewerb teilnimmt.

Lanz ist zu Recht begeistert, Adele lacht auch wieder. Das Problem von Lanz sind seine nicht gestellten Fragen. Er zitiert in nahezu jedem Gespräch sein Gegenüber und belässt es dabei. „Ich habe einen Satz von Ihnen gelesen. Sie müssen sich zum Glücklichsein zwingen.“ Adele wartet auf die Übersetzung, kann sich nicht erinnern das gesagt zu haben, erzählt aber trotzdem eine Geschichte. Das zieht sich durch das gesamte Interview. Lanz zitiert, Adele antwortet frei. Die Bodenständigkeit Adeles beeindruckt wirklich, deswegen wäre es grandios gewesen, sie neben Rainer Langhans zu sehen. Die hätten sich sicher gut verstanden.


Eine letzte Runde gibt es noch. Preise, Preise, Preise. Alles habe sie gewonnen, was war denn nun der schönste Preis in ihrer Karriere. „Der, den ich von meinem Freund bekommen habe, als weltbeste Mutter“. Das passt, das glaubt man ihr. Natürlich freue sie sich über jeden Preis, der erste BRIT-Award war auch etwas Besonderes für die Sängerin. Lanz entgegnet mit einem „großartig“. Eine Frage kann er sich dann aber doch nicht verkneifen: „Ist das deutsche Publikum ein besonderes?“. „Natürlich“, entgegnet ihm Adele. Die besten Auftritte habe sie hier gehabt und die Deutschen würden auch noch brav Alben kaufen und nicht nur digital herunterladen.
Das Interview zieht sich nicht, die halbe Stunde vergeht wirklich schnell. Das liegt nicht an Lanz, sondern an Adele. Tom Hanks hatte seinen „Wetten-dass“-Auftritt ja als furchtbar empfunden, eine Tortur, durch die er da gezerrt wurde. Auch Adele musste sich Lanz „aussetzen“, trotzdem stand sie ihm positiv gegenüber.
Es wird ins Studio zurückgegeben, jetzt ist Bourani an der Reihe. Xavier Naidoo ist ein Thema, das neue Album von Bourani (auch dieses erhält das lanz’sche „Großartig“-Prädikat) wird auch behandelt. Die Parallelen zwischen Adele und Bourani will Lanz auch wissen. Dann folgen Winkelmann und Langhans und mit ihnen das Thema Tod, das Lanz nicht wirklich gut behandeln kann. Aber ein Ass hat er wieder im Ärmel: es gibt noch ein Ausschnitte aus einem BBC-Konzert von Adele, dass er dem Publikum nicht vorenthalten will.
https://www.youtube.com/watch?v=qLuR9wSVWOI
Er hat’s geschafft. Was sonst nicht passiert, ist passiert. Ich habe Markus Lanz Talkshow geschaut. Wegen Adele. Und Langhans. Auch wenn das gewünschte Aufeinandertreffen nicht passierte, es bleibt die Erkenntnis: Adele ist wirklich bodenständig. Lanz‘ Interviews werden keine Berge mehr versetzen. Aber Quote hat er erreicht.

Titelbild: Screenshot/Youtube

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